08. Januar 2013

Bildung Die Möglichkeit eines freien Medizinstudiums

Uni-Zwang abschaffen!

Jetzt, wo klar ist, dass sich die Medizinische Universität Wien mit ihrer überstürzten Einführung des klinischen Praktischen Jahres mal wieder vollkommen überfordert hat und mal wieder alle darüber nachdenken, wie man das Medizinstudium verbessern könnte, sei es die Qualität der Lehre, soziale „Gerechtigkeit“ oder Frauenförderung, sollte mal gesagt werden: Es gibt eine Lösung für alle Probleme mit dem Medizinstudium. Es gibt einen Weg, wie jeder Medizin studieren kann, der fast nichts kostet und die Kompetenz der Absolventen deutlich verbessert.

Die beste Verbesserung wäre es, das Medizinstudium abzuschaffen!

Genauer gesagt, den Zwang abzuschaffen, an irgendeiner Universität zu studieren, um Arzt zu werden. Es ist ein offenes Geheimnis, dass an der MUW die Studenten sowieso nur lästig sind, ein notwendiges Übel sozusagen. Für die Universität und das AKH hätte diese Vorgehensweise nur Vorteile, man könnte sich die ganze Lehre sparen und die Ärzte hätten endlich Zeit, neben Klinik und Privatpraxis auch noch zu forschen. Aber auch für die angehenden Mediziner und die Patienten wäre diese Vorgehensweise eine klare Verbesserung.

Eine kleine Gesetzesänderung und schon hat sich die Sache erledigt: Wir verlangen statt eines Universitätsstudiums für Ärzte einfach ein Zertifikat, welches belegt, dass der Kandidat über das nötige Wissen und die geeigneten Fertigkeiten verfügt, und geben Krankenhäusern und Krankenversicherungen die Möglichkeit, jeden als Arzt zu beschäftigen, den sie möchten. Natürlich müsste der Test, den man absolvieren muss, um ein Zertifikat zu bekommen, qualitativ ein hohes Niveau voraussetzen, aber man darf nicht weniger erwarten von jemandem, der sich anschickt, ein Arzt zu sein. Schließlich kommt „studieren“ von Lateinisch „studere“, das bedeutet: sich um etwas eifrig bemühen.   

Aber, werden Sie rufen, da könnte ja jeder daherkommen, wer kontrolliert denn die Qualität? Ganz einfach, wir überlassen es privaten Firmen, Tests anzubieten und dann unterschiedliche Zertifikate auszustellen und die Krankenversicherungen und Krankenhäuser werden sich schon diejenigen aussuchen, die hochqualifizierte Absolventen hervorbringen. Schließlich würden sie sich ins eigene Fleisch schneiden, wenn sie jeden Dahergelaufenen einstellen würden. Falls die Ärztekammer sich ihrer Verantwortung für ihren Berufsstand und die Patienten tatsächlich bewusst ist, könnte sie sich anstrengen und das höchstqualitative Zertifikat anbieten, das es im Land gibt.

Die Voraussetzungen für so ein Zertifikat sollten wie gesagt hoch sein, schließlich müssen die Zertifikate die Qualität der Absolventen widerspiegeln. Also mit einem Kreuzerltest (oder sechs, wie das derzeit an der MUW durchgeführt wird) ist es da nicht getan. Ein Beispiel: Ein Testanbieter verlangt als Voraussetzung 120 Wochen klinisches Praktikum auf verschiedenen Stationen und beim niedergelassenen Arzt, davon mindestens 80 Wochen in den letzten zwei Jahren vor dem schriftlichen Test. Wer den schriftlichen Test besteht, also das nötige Fachwissen besitzt, kann danach zum praktischen Test, wo er seine Fähigkeiten, die er im Spital erlangt hat, unter Beweis stellen kann. Patienten untersuchen, Anamnese erheben, Blutabnahme, Wunden nähen, etc. Wer auch da gut abschneidet, darf schließlich zum mündlichen Test, wo die Prüfer ihn nochmal auf Herz und Nieren prüfen, um zu sehen, ob der Kandidat wirklich fit ist, eine Turnus- oder Facharztausbildung zu machen.

Viel schlechter als an der MUW können die Praktika auch nicht organisiert sein, wenn man das selbst macht. Ganz im Gegenteil, jeder Tertialstudent weiß, dass er sich viel Zeit, Ärger und Mühe ersparen könnte, wenn er sich das Praktikum selbst organisieren dürfte. Das löst auch gleichzeitig das Problem, dass sich in Wien alle auf die Füße treten, und alle, die keine reichen Eltern haben, können auf dem Land bezahlte Dauerfamulaturen machen, oder sich die Praktika so legen, dass sie mit ihren Arbeitszeiten nicht in Konflikt geraten.

Das erspart einem dann auch den sogenannten „Kleingruppenunterricht“ auf der MUW, mit 70 Teilnehmern und Powerpoint-Präsentation, der üblicherweise zwischen abgrundtief und katastrophal schlecht ist. Es ist so oder so seit langem bekannt, dass die Vorlesung die ineffektivste Form der Wissensvermittlung ist. Nur was der Student sich selbst aneignet und gewissenhaft wiederholt, wird er sich merken. Eine Universität mit Vorlesungen und Seminaren ist in diesem Zusammenhang vollkommen unnötig. Alles, was man in der Vorlesung lernt, kann man besser aus dem Buch oder in der klinischen Praxis lernen.

Was der Student lernen muss, ergibt sich dann am besten aus dem Lernzielkatalog des Testanbieters. Der hat schließlich jegliches Interesse daran, seinen Test transparent zu gestalten, damit man gleich erkennen kann, wer qualitativ hochwertige Tests durchführt. Es wäre dem Testanbieter also nur dazu zu raten, eine genaue Auflistung der Themen und Fragestellungen (nicht der Fragen) zu veröffentlichen.

Und wer dann eines der begehrten Zertifikate in der Hand hält, kann sich dann um eine Facharzt- oder Turnusarztausbildung bewerben und im Spital das praktische Wissen weiter ausbauen, sich spezialisieren und den letzten Schliff erlangen. Und jeder, der ein schlechtes Zertifikat hat, kann halt Homöopath werden oder so.

Wer trotzdem gerne noch auf die Universität gehen mag, soll das nur machen. Solange er am Ende ein gutes Zertifikat schafft, sei nichts gesagt. Unzumutbar dagegen wäre es, demjenigen, der auf die Uni geht, ein Zertifikat einfach zu schenken und alle anderen zu diskriminieren, weil sie es nicht auf die Uni geschafft haben.

Ein System wie das oben beschriebene wäre ein Schritt in eine bessere Zukunft. Es würde jedem ermöglichen, Medizin zu studieren, es würde keinen Cent mehr kosten (ganz im Gegenteil) und es würde die Kompetenz der Jungmediziner stark verbessern.


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Autor

Matthias Dombrowsky

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