05. Februar 2013

Sprachkritik Das Wort „Sexismus“ ist Propaganda

Claudia Roth & Co. wollen unsere Gedankenströme steuern

Der französische Historiker Stéphane Courtois schreibt im „Schwarzbuch des Kommunismus“, ein „wesentliches Kennzeichen des Leninismus“ bestehe in „der Manipulation der Sprache, in der Abkopplung der Wörter von der Realität“. Dies gilt natürlich nicht nur für den Leninismus, sondern auch für seinen gleichfalls missratenen Sohn, die politische Korrektheit. Bestens beobachten kann man das in der aktuellen geistig umnachteten Hetzkampagne gegen den FDP-Politiker Rainer Brüderle und gegen uns Männer („Sexismus-Debatte“).

Beispielsweise bei dem Wort „Übergriffe“, das allen Ernstes für ein paar anzügliche Bemerkungen von  Rainer Brüderle verwendet wird, die dieser wohl nach ein paar alkoholischen Getränken gegenüber einer „Stern“-Journalistin von sich gab. Wer das als „Übergriff“ betitelt, bei dem fehlen natürlich so viele Latten am Zaun, dass von einem Zaun schon keine Rede mehr sein kann. Ein Googeln nach dem Begriff zeigt, welche Vorgänge der Durchschnittsbürger mit ihm assoziieren dürfte: Man landet bei Medienberichten über rechtsextreme Gewalt, Vergewaltigungen und Morde. Zweifellos handelt es sich hier also frei nach Stéphane Courtois um eine „Abkopplung der Wörter von der Realität“ in der Tradition des Leninismus, die eine Assoziationskette von Rainer Brüderle über sexuelle Belästigung bis hin zu Schwerverbrechern ziehen soll.

Ein Fall von Manipulation der Sprache ist aber auch der in dieser Kampagne ununterbrochen gebrauchte linke Propaganda- und Kampfbegriff „Sexismus“, der von der einen Seite mit dem Ziel der Beeinflussung eingesetzt wird, von der anderen Seite aus Gewöhnung. Warum spricht man nicht einfach von „anzüglichen Anmachsprüchen“, oder wenn man hier schon so harte Vorwürfe gebrauchen will, von „Aufdringlichkeit“ oder „Macho-Gehabe“? Warum stattdessen dieses Ausweichen auf das sinnfreie, furchtbare Schwachsinns- und Schrottwort „Sexismus“, einer Indoktrinationsvokabel aus linksradikalen Soziologenseminaren, ähnlich wie „Diskurs“, „Verwertungslogik“ oder „hegemoniale Männlichkeit“? Niemand weiß, was dieses „Wort“ überhaupt bedeuten soll, und es klingt ja auch vollkommen bescheuert. Wenn man sich den Begriff logisch zu erschließen versucht, so könnte man denken, dass es irgendetwas mit Geschlechtsverkehr zu tun habe, aber was sollte an Geschlechtsverkehr schlimm sein? Wie Ellen Kositza in der „Jungen Freiheit“ darlegt, sei der Begriff seit 1976 in der Welt, als Marielouise Janssen-Jureits das Buch „Sexismus“ veröffentlicht habe.

Die Antwort auf die Frage, warum der Ausdruck „Sexismus“ gerade ständig verwendet wird, ist ganz einfach: Erstens klingt ein „-ismus“-Wort so schön gruselig. Und zweitens lässt es sich mit seinem Klang so schön einordnen in die sonstige Klaviatur der politisch korrekten Exkommunikationsvokabeln, die gegen jeden angewendet werden können, der nicht politisch korrekt ist: „Rassismus“, „Nationalismus“, „Antisemitismus“ und so weiter. Und diese Begriffe klingen ja noch schlimmer. So wird der „Sexismus“ in einen Assoziationszusammenhang mit Hass gegen Fremde und Juden gebracht, und nicht wenige Linke philosophieren über angebliche Zusammenhänge zwischen Rassismus und „Sexismus“. Wobei die etwas konsequenteren Linken in ihren Pamphleten auch gerne noch das Wort „Kapitalismus“ davor setzen: „Mehr als ein flotter Dreier: Sexismus, Kapitalismus und Rassismus sind miteinander verwoben“, heißt es  etwa unverblümt auf der Internetseite der nordrhein-westfälischen Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth gab zum Thema Brüderle kürzlich bei „Maybrit Illner“ folgende Dreistigkeit von sich: „Es geht definitiv nicht um Herrn Brüderle, sondern es geht um den alltäglichen Rassismus und Sexismus hier in diesem Land.“ Da haben wir es: Wer also einer Frau ein Kompliment über ihre Möpse macht, wer „Gender“-Sprache ablehnt oder einen schweinischen Witz reißt  – denn all dies kann ja in diesen Zeiten  locker als „Sexismus“ denunziert werden –, der steht bereits auf einer Stufe mit Rassendiskriminierung.

Der Rechtsanwalt Ralf Höcker hielt Roth bei Maybrit Illner entgegen, sie schmeiße „Brüderle mit Grabschern am Arbeitsplatz und mit allen möglichen anderen Fällen in einen Topf“. Der Trick sei „hinterfotzig“: „Sie schmeißen Herrn Brüderle in diesen ,Sexismus’-Topf und kleben ihm dieses Etikett an und diese ganzen Vergewaltigungs- und Grabscher-Geschichten schwingen mit.“ Woraufhin Roth erwiderte: „Das ist überhaupt nicht hinterfotzig. Wenn Sie sich die Zahlen anschauen, was Realität ist in diesem Land. Ich hab jetzt in dieser Woche 'n Brief bekommen, mit Adresse, mit allem: ,Sie linke Fotze!’ Ich werd' bezeichnet als ,Judenhure’, als ,Zigeunerflittchen’...“ Schwupp, schon ist auch der aggressive Antisemitismus in die Debatte eingeführt und in einen Kontext zur „Sexismus“-Diskussion gestellt.

Derartiges munteres Zusammenwerfen von „Sexismus“ mit Rassismus, Antisemitismus oder manchmal auch Kapitalismus wurzelt offenbar in der Frühphase der letzten Welle der Frauenbewegung, als es unter radikalen Feministinnen beliebt war, Analogien zwischen „Sexismus“ und „Faschismus“ herzustellen. So giftete etwa Alice Schwarzer 1975 gegen Esther Vilar, eine Kritikerin des radikalen Feminismus, vor laufender WDR-Fernsehkamera: „Wenn Sie in Ihren Büchern das Wort ,Frau’ ersetzen würden durch das Wort ,Jude’ oder ,Neger’, dann wären Ihre Schriften reif für den Stürmer.“ Und weiter: „Sie sind nicht nur Sexistin, Sie sind auch Faschistin.“ In ihrem 1992 veröffentlichten Buch „Krieg. Was Männerwahn anrichtet und wie Frauen Widerstand leisten“ bezeichnet sie „Sexismus“ und Rassismus als „die beiden großen Ströme der Menschenverachtung“. Weiter schrieb sie: „Wer gegen Fremdenhass ist, muss darum auch und zuerst gegen Frauenhass vorgehen. Wer den Rassismus abschaffen will, muss auch den Sexismus bekämpfen. Denn der Sexismus ist die Quelle dieses breiten Stroms der Menschenverachtung.“ Derartiges Denken hat mitunter auch dazu geführt, dass radikale Feministinnen die aktuelle Situation der Frauen mal eben mit jener der Juden im Nationalsozialismus verglichen. Heute formuliert man es gemäßigter, aber das lachhafte Zerrbild der heute noch geknechteten und entrechteten Frau hat sich dank solcher radikalen Psycho-Feministinnen in Deutschland nachhaltig festgesetzt. Die „Abkopplung der Wörter von der Realität“ wirkt.

Der Duden definiert „Sexismus“ indessen wie folgt: „Vorstellung, nach der eines der beiden Geschlechter dem anderen von Natur aus überlegen sei, und die [daher für gerechtfertigt gehaltene] Diskriminierung, Unterdrückung, Zurücksetzung, Benachteiligung von Menschen, besonders der Frauen, aufgrund ihres Geschlechts.“ Wo bitte hat nun diese Definition etwas mit Aufdringlichkeit, anzüglichen Sprüchen oder selbst sexueller Belästigung zu tun – also mit dem, worüber gerade diskutiert wird? Selbst wenn jemand eine Frau sexuell belästigt, so kann dies einfach an asozialem Verhalten liegen und muss keinesfalls damit zusammenhängen, dass die Person davon ausgeht, dass „eines der Geschlechter dem anderen von Natur aus überlegen sei“. Aber auch dies wird im Zuge der Kampagne in einen Topf geworfen, um das Bild einer Gesellschaft zu zeichnen, die die These vertritt, Männer seien Frauen „von Natur aus überlegen“. Und um, wie gesagt, Assoziationen zu Rassismus und Antisemitismus zu wecken. Wobei die Duden-Definition ja auch zeigt, was für ein Propagandabegriff der „Sexismus“ ist, schließlich wird nicht klar, wieso dieser Begriff nun für die Benachteiligung „besonders der Frauen“ gelten soll. Selbst wenn man der Meinung ist, dass Frauen in Deutschland mehr benachteiligt werden als Männer: Lässt sich der Begriff des „Sexismus“ für die Benachteiligung der Männer also weniger sinnvoll verwenden? Die Definition legt dies nahe.

Fazit: Es geht Claudia Roth & Co. bei der täglichen radikalfeministischen und politisch korrekten Sprachmanipulation darum, das Bewusstsein zu kontrollieren und die Gedankenströme in die ideologisch erwünschten Bahnen zu lenken – so wie es in jedem totalitären System üblich ist. In der DDR nannte man das die Schaffung von „Klassenbewusstsein“ oder „sozialistischem Bewusstsein“. Die dahinter stehende totalitäre Vorstellung ist klar: Die Menschen haben das „falsche“ Bewusstsein, also müssen sie vom Staat per Umerziehung das „sozialistische Bewusstsein“ aufgezwungen bekommen. Und siehe da: In der „Diskussion“ um Rainer Brüderle erklärte die EU-Abgeordnete Silvana Koch-Mehrin (FDP) bei Günther Jauch ebenfalls, es gehe hier um „Problembewusstseinsschaffung“. Auch die Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen – für ihre totalitären Ideen bekannt – äußerte sich lobend, die Brüderle-Diskussion habe „das Bewusstsein für die roten Linien geschärft“. Über solche ständigen totalitären Anmaßungen, wonach das ohne staatliche Vorgaben intuitiv gelebte Alltagsleben der Bürger von einem „falschen“ Bewusstsein belastet sein soll, regt sich schon niemand mehr auf, weil man schleichend daran gewöhnt wurde. Vor diesen Hintergründen muss die aktuelle „Sexismus“-Kampagne nicht nur als Vernichtungsfeldzug gegen Rainer Brüderle und gegen eine aus Mediensicht ideologisch unzuverlässige Partei verstanden werden, sondern auch als Teil einer tiefgreifenden „antifaschistischen“ – also sozialistischen – Umerziehungsstrategie, die mit Methoden aus Orwells „1984“ einen neuen, politisch korrekten Menschen schaffen soll.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von Lion Edler

Über Lion Edler

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige