05. Februar 2013

Drogen Markt statt Staat

Das Vermächtnis des Platzspitz

Vor 20 Jahren wurde der Platzspitz, der geschichtsträchtige Park im Herzen Zürichs, zwangsgeräumt. Mit Hilfe von Gummiknüppeln und Wasserwerfern vertrieb die Züricher Polizei damals hunderte Drogendealer und –süchtige, die das Bild des Parks jahrelang verunstaltetet hatten. Eine Lösung des Problems blieb allerdings in weiter Ferne.

Abhängige aus der ganzen Schweiz und dem Ausland trafen sich seit 1986 in Zürich und ließen sich im Platzspitz nieder. Zeitweise beherbergte der Park 3.000 Drogenkonsumenten. An den Flüssen Limmat und Sihl, die das Gelände einrahmten, bauten die Süchtigen Barracken. Kleine Dörfer entstanden und wurden immer wieder von der Polizei geräumt. Zürich erwarb sich einen zunehmend negativen Ruf. Mitten in der wohlhabenden Bankenmetropole hatte sich Europas Markt- und Konsumplatz Nummer eins für illegale Drogen etabliert. Die Anwohner beschwerten sich mit Recht regelmäßig und eindringlich bei den zuständigen Behörden. Der Höhepunkt wurde 1991 erreicht. In diesem Jahr mussten Sanitäter 3.600 Menschen nach Überdosen im Platzspitz wiederbeleben. 21 Drogensüchtige starben dort. Die Räumung des Parks am 5. Februar 1992 führte jedoch zunächst nur zu einer Verlagerung des Problems. Das Suchtmittelklientel sammelte sich von nun an am stillgelegten Bahnhof Letten, wenige hundert Meter flussabwärts. „Wenn die harten Drogen freigegeben würden, würde ich keine drei Monate überleben“, bekannte damals ein 21-jähriger, in Zürich aktiver Dealer gegenüber der „Zeit“. Er profitierte wie seine Kollegen von der Kriminalisierung. Hohe Preise, niedrige Qualität.

Erst 1995 erkannte die Politik, dass pure Repression gegen die Konsumenten keine positive Wirkung erzielt. Die Poliklinik Zokl 2 begann damit, Heroin ärztlich zu verschreiben und den Konsum zu betreuen. Der Schwarzmarkt wurde damit zu weiten Teilen trockengelegt. Die Begleitumstände des Drogenkonsums wurden wesentlich gemildert. Drogensüchtige konnten von nun an sicherer konsumieren, waren weniger auf dubiosen Stoff und verunreinigtes Besteck angewiesen. Für sie war wieder ein relativ normales Leben möglich. Ein legaler Heroinmarkt konnte sich in Zürich jedoch trotz dieser Medizinalisierung nicht durchsetzen. Die Vorbehalte blieben. Medizinischer Apparat und Wohlfahrtsstaat nisteten sich gemütlich in dieser Nische ein.

Dennoch zeigte die angedeutete Liberalisierung des Drogenkonsums, wo der wahre Kern des Drogenproblems liegt. Prohibition und Repression waren die Ursachen für die verheerenden Zustände im Platzspitz und sind es noch heute in all den anderen „Spritzenparks“ und Drogenszenen dieser Welt. Sie sind Auslöser für Gewalt und Verbrechen. Dagegen würde eine gänzliche Liberalisierung von Heroin und anderen heute illegalen Drogen dazu führen, dass Drogenabhängige qualitativ hochwertige Substanzen zu einem erschwinglichen Preis erwerben und in den eigenen vier Wänden konsumieren könnten. Drogenhändler wären aufgrund des Wettbewerbs auf einem legalen Drogenmarkt dazu angehalten, ein sicheres Produkt und gute Produktinformationen anzubieten. Sie müssten zudem für Mängel haften. Der schmierige Kleindealer von nebenan hätte auf einem offenen und freien Drogenmarkt keine Chance. Die den illegalen Markt stets begleitende Beschaffungskriminalität würde drastisch zurückweichen.

Auch wenn eine solche Liberalisierung noch in weiter Ferne liegt und die Versorgung von Drogensüchtigen aus den Wohlfahrtskassen finanziert wird, bleibt festzustellen, dass jeder bislang gegangene Schritt in Richtung Legalisierung positive Folgen zeitigte. Die Schweiz besitzt heute eine der geringsten HIV-Infektionsraten unter Drogensüchtigen. In den USA ist die Rate der sich ansteckenden Abhängigen um das Achtfache höher, in Thailand um das Zwanzigfache. In beiden Ländern herrschen drakonische Anti-Drogen-Gesetze. Die massenhafte Kriminalisierung von Drogenabhängigen in den USA und ihre Unterbringung in staatliche und halbstaatliche Gefängnisse kosten die Steuerzahler jedes Jahr mehr als 50 Milliarden Dollar.

Murray Rothbard bezeichnete Nelson Rockefellers Anti-Drogen-Gesetze von 1973 als „Inbegriff des Irrglaubens, ein soziales Problem mit Gefängnis und Gummiknüppel lösen zu können.“ Deshalb auch hier: Markt statt Staat!


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