08. Februar 2013

Stimmungskanone EU „Ich war schon öfter in New York, ich kauf‘ auch gerne Menschen ein ...

... ich war noch niemals richtig frei“

Was macht man, wenn der Chef selbst nicht stubenrein ist? Man unterstellt ihm 2.000 neue Helferlein, die das korrekte Arbeiten einer zentralen Bankenaufsicht unter seiner Führung gewährleisten sollen. Erwartbare Folge wird sein, dass man schon kurze Zeit später wieder hitzige Debatten über eine Draufsicht auf die Aufsicht ausficht. Es scheint in manche Köpfe einfach nicht reinzugehen, da können selbst Sumo-Ringer bei allem Drücken und Quetschen nichts machen: In solchen gigantischen bürokratischen Kontrollapparaten sind Korruption und Machtmissbrauch bereits vorprogrammiert. Das ist kein Pessimismus, das sind Erfahrungswerte. Es sei denn, sämtliche der geplanten 2.000 neuen Beamten wären absolut unbeställmpflich.

Das ist die Kurzform für: Absolut unbestechlich, also unanfällig gegen Druck von oben („Ihnen sind Unregelmäßigkeiten in den Büchern aufgefallen? Da fällt mir gerade ein: Mögen Sie ihren Job?“) und unempfänglich für liebevolle Zuwendungen („Kompromissvorschlag: Du hältst die Schnauze und wirst dafür mein persönlicher Assistent, inklusive monatlichem Gehaltsplus von 1.000 Euro und schmuckem Dienstwagen“). Die Frage, was sich durch eine zentrale Bankenaufsicht ändern oder bessern soll, stellt sich natürlich vor allem deshalb, da auch alle bisherigen Kontrollmechanismen die Abzocke von Millionen europäischer Steuerzahler nicht verhindern konnten;  es gibt bereits nationale Bankenaufsichtsbehörden, die dem kriminellen Treiben dennoch hilflos gegenüber standen, ja es noch nicht mal erahnt zu haben scheinen; trotz allen Sicherheitsgurtgezurres konnte eine Riesensudelei wie der Libor- und Euribor-Skandal nicht verhindert werden; trotz demokratisch legitimierter Parlamente steuerte man exorbitante Geldsummen im Rettungsboot in volkwirtschaftliche Atemnot.

All das soll sich durch eine zentrale Aufsicht ändern? Also durch die Zentralisierung der ursächlichen Mechanismen des Betrugs? Und wenn du ganz fest daran glaubst, schenkt dir der Weihnachtsmann einen Jumbojet? Wenn an der Spitze einer solchen politischen Mutation dann auch noch eine lebende Definition von Ethik wie Mario Draghi sitzt, werden Zweifel an ihrem Sinn und Zweck wohl erlaubt sein. Denn nicht obwohl, sondern natürlich gerade weil Draghi der EZB vorsteht, waren zwielichtige Deals wie derjenige der weit über Wert verhandelten Banca Monte Dei Paschi Di Siena mit Goldman-Kollegen wie Monti, von dem vor allem der angeblich ehemalige Brötchengeber in New York profitierte, überhaupt erst möglich.

Um solche und andere Zweifel zu zerstreuen, möchte die EU nun auch verstärkt im Internet herumschleichen, um Anti-EU-Populismus und Euroskeptizismus auf die Schliche zu kommen. Also noch eine Zentralglucke? Zusätzlich zu einer Banken- also auch eine Meinungsschrankenaufsicht? Außerdem muss dieser falsche Wortgebrauch endlich aufhören. Es geht nicht jedem Kritiker um antieuropäisches Gedankengut, wie immer wieder von führenden Brüsseler Bolschewiken nahegelegt wird, sondern um kerngesundes Misstrauen gegenüber zentralistischen, also freiheitsfeindlichen Machtmonstern. Mit „Europa“ haben diese ja nur insofern zu tun, als dass sie auf die traurige kontinentale Blütezeit der Blumen des totalitären Bösen rückverweisen sowie auf die ehemalige Sowjetunion. Man möchte nun also verstärkt Konversationen im Netz beobachten und sich beispielsweise auch in Forendebatten einmischen, um der anthropogenen Diskussionsklimaerwärmung entgegenzutreten. Wie schon für die vor Kurzem publik gemachten Vorschläge der „Beratergruppe der EU-Kommission“ (lies: Putschisten gegen die Meinungsfreiheit und -vielfalt) in Sachen medialer Qualitätssicherung (lies: Sicherung von Linientreue) gilt auch hier wieder: Wer zu spät kommt, den bestraft die längst existierende Political Correctness.

Denn man könnte frotzeln, es mache doch gar keinen Unterschied mehr, ob die teils politisch, also „von oben“ verordnete Desinformation in deutschen Massenmedien (Absprachen zwischen Politik und Chefredaktionen im Bundesabkanzelamt), teils aus Gründen wie Konformitätsdruck beziehungsweise Mitläufertum, Angst vor beruflichen Sanktionen oder manchmal auch nur Unwissenheit bereits vorhandene Gesinnungsüberwachungs- und Wadenbeißermentalität einfach im bisherigen „inoffiziellen“, also stillschweigend akzeptierten und gut andressierten Konsens weiterbetrieben oder nun eben offiziell auf EU-Ebene institutionalisiert würde. Vorsätzlich gelogen wurde und wird sowieso, egal ob zum Euro oder EU-Auslandseinsätzen mit Brotaufstrich („denn nur wo ‚al-Qaida‘ draufsteht, sind auch Ressourcen drin!“). Also? Warum unnötig Geld ausgeben – es ginge mit Sicherheit wieder in die Millionen – für Strukturen, die es doch schon gibt?

Der wichtige Unterschied ist natürlich, dass jeder Zuschauer, -hörer und Leser selbst entscheiden kann, ob er die Mätzchen weiterhin mitmachen will oder nicht, sich also lieber alternativen Informationsquellen zuwendet. Noch. Würde die bisher nur auf Absprachen hinter verschlossenen Türen oder in verschlossenen Köpfen beruhende Mythomanie aber gesetzlich zementiert, könnte das sehr viel schwieriger werden. Nicht umsonst schnürte man in letzter Zeit für diese „Neuen Medien“ testweise eine Schlinge nach der anderen. Hier hilft nur Wachsamkeit der Bürger und die Bereitschaft, Kontrollfreaks entsprechend deutlich Bescheid zu stoßen, wenn sie über die Stränge zu schlagen drohen.

Des weiteren möchte man die künftigen Winstons ermutigen, politisch auffällige Zeit-Mitinsassen rechtzeitig zu melden. Wer sich also durch öffentlich geäußerte Kritik am sozialdemiurgischen Großexperiment EU (lies: Verschiebebahnhof für Finanzaristokraten und Spielplatz politischer Menschenpopler) als Populist, Abweichler, Spinner, Rebell, Aufsässiger, Aufständischer, Abtrünniger, Dissident, Delinquent, psychisch Instabiler, Radikaler und so weiter verdächtig macht, oder, so wie ich, schon durch das Tragen einer Glatze von vornherein nur Rechtsextremist beziehungsweise Nazi sein kann oder Mitglied rechtshetzender Medienfronten, der soll wohl mit einem Eintrag ins Klassenfeindbuch rechnen müssen. Entsprechende Forschungen im Bereich der Mikrodrohnentechnologie werden ja auch schon betrieben. Sollte sich also beim sommerabendlichen Grillen eine Libelle auf dem Rand des Bier- oder Schorleglases niederlassen und ihr Köpfchen schieflegen, ist Vorsicht geboten: Am anderen Ende des Insekts könnte ein Taschenbillard spielender Wahrheitsministrant jedes Wort mithören und aufzeichnen. Einfache Abhilfe, kostengünstig und höchst effizient: Fliegenklatsche, zusammengerollte Zeitung oder Pantoffeln.


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