06. März 2013

Energiekosten Propaganda statt Atomenergie

Wundersame politische Blüten

Peter Altmaier wütet. In einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen“ brüstet sich der Umweltminister damit, dass durch seine Kürzungspläne 300 Milliarden Euro von den Kosten der Energiewende „eingespart“ werden könnten. Blieben läppische 700 Milliarden von der Billion, die uns der Umstieg auf Sonne, Wind und Kuhdung kosten soll. Der überstürzte Ausstieg aus der Atomenergie und die massive Subventionierung des sogenannten Ökostroms kommt die deutschen Verbraucher teuer zu stehen. Ab diesem Jahr steigt die Ökostromabgabe um fast 50 Prozent. Eine durchschnittliche deutsche Familie mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden zahlt ungefähr 60 Euro mehr für ihre Stromrechnung. Die Nachricht über die Erhöhung der Ökostromabgabe führte bereits im letzten Herbst zu einer Welle der Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Die anfängliche Begeisterung breiter Schichten für die Pläne der Regierung, alsbald über ein Drittel des Energiebedarfs aus erneuerbaren Energien zu decken, ist verflogen. Stattdessen macht sich Katerstimmung breit. Selbst den Langsameren dämmert nun, dass die Umsetzung dieser grünen Ideologie in der Praxis nicht ganz billig sein wird. Laut Plänen von Altmaier soll die Ökostromumlage bis 2014 auf jetzt 5,3 Cent eingefroren werden. Was der Erklärung ihrer Erhöhung ab 2015 gleichkommt.

Dabei beteuerte Kanzlerin Merkel noch im Sommer 2011 bei einer Debatte im Bundestag, dass die Ökostromabgabe wegen des Atomausstiegs nicht erhöht werde. Der erste Warnschuss fiel bereits wenige Monate später: Am 3. Dezember 2011 stand das deutsche Stromleitungssystem kurz vor dem Kollaps. Dank der starken Winde an der Nord- und Ostsee produzierten die im Norden stationierten Windmühlen eine Menge an Strom, die das deutsche Netz nicht aufnehmen konnte. Der Strom bahnte sich seinen Weg von Nord gen Süd über die Netze der Nachbarländer Tschechien, Belgien, Holland, Polen und der Slowakei. Die Situation wiederholte sich am 19. Februar 2012. Doch da protestierten bereits alle betroffenen Länder wegen der Überlastung ihrer Netze. Die Polen kündigten den Bau von Transformatoren an, mit deren Hilfe sie künftig den Stromzufluss an der Grenze regulieren würden. Holland und Belgien drohten damit, bereits vorhandene Transformatoren auch dafür zu nutzen, den deutschen Strom abzuwehren. Der tschechische Premier Necas sagte zwar bei einem offiziellen Treffen mit Angela Merkel die uneingeschränkte und brüderliche Hilfe seines Landes zu, ließ gleichzeitig aber die Möglichkeiten des Baus eines Transformators in Hradec bei Kadan überprüfen. Deutschland kommt nicht umhin, seine Energietrassen grundlegend zu erneuern. Doch der Ausbau energetischer Infrastruktur kostet etwas – und egal, wer die Rechnung zuerst bezahlt, am Ende zahlt die Zeche der Verbraucher.

Nachrichten über Strompreiserhöhungen als Folge vom überstürzten Atomausstieg kommen der Regierung am Vorabend der Bundestagswahl nun äußerst ungelegen. Gleich mehrere Minister begannen daher ohne längeres Nachdenken, sonderbare Einfälle in den Medien zu präsentieren, wie man denn die benötigten Investitionen stemmen könnte, ohne dass es dem Wähler weh tut. Am originellsten ging Bundesumweltminister Peter Altmaier mit seiner „Energiesparinitiative“ die Sache an. Vor laufenden TV-Kameras teilte er seinen neuen Trick mit, wie der Verbraucher „den Energiekonzernen ein Schnippchen schlagen kann“. Das Umweltministerium werde hierzu ein breitgefächertes Angebot an Energieberatung übers Land ergießen, so dass jeder Bürger in die Lage versetzt werde, bis 2020 zehn Prozent seines Energieverbrauchs einzusparen – allein durch die schlauen Tipps von Altmaiers Truppe. Selbstverständlich werde diese Beratung kostenlos sein, weiß Altmaier. Woher aber sein Ministerium die Mittel nehmen soll, das werde erst „intensiv geprüft“. Dabei müsste der ganze Zirkus gar nicht umsonst sein. Immerhin wollen nun Ministerialbürokraten einer Bevölkerung das Stromsparen beibringen, die bereits seit Jahrzehnten darauf getrimmt sind, in ihren energiegedämmten, von Stromsparlampen beleuchteten Häusern nur in dicken Wollsocken und Pullovern rumzulaufen, um in den auf zehn Grad Celsius temperierten Innenräumen nicht der Kältestarre zu erliegen. Na, für so einen Spaß könnte man ruhig Eintritt verlangen!


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von Petr Bystron

Über Petr Bystron

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige