06. April 2013

Das Putin-Interview der ARD Rotbäckchen gegen Jägermeister

Monty Putins Flying Circus: Wie man ein Sternchen durch die Manege kickt

Das ARD-Interview Jörg Schönenborns mit Wladimir Putin war ein Gespräch zwischen Huhn (Schönenborn) und Fuchs (Putin), Schaf und Schäferhund, Rotbäckchen und Jägermeister, Ahnungslosigkeit und Insiderwissen, Dreikäsehoheit und Schlagfertigkeit. Putin führte den Chefredakteur Fernsehen der Aktuellen Kamera vor wie ein Dompteur ein Löwenbaby; das war auch kaum anders zu erwarten von jemandem, der noch nicht mal zwischen einer Zwangsabgabe zur Erhaltung der Meinungseinfalt und Solidarität unterscheiden kann. Statt kluger, bohrender und sachkompetenter Fragen hakte Schönenborn den üblichen Multiple Choice-Fragenkatalog der Anti-Putin-Propaganda ab. Der russische Premier dürfte sich innerlich schief und scheckig gelacht haben, was er an einer Stelle des Interviews auch durchkichern ließ, als er den Erfinder des „Demokratie-Soli“ ganz unverblümt fragte: „Wie heißen Sie?“. Lies: „Warum stehlen Sie meine Zeit? Fragen Sie das nächste Mal doch bitte erst die Gelben Seiten, bevor Sie mich langweilen“.

Unvermeidlich war natürlich die Frage nach Putins Politik gegenüber „NGOs“, sogenannten Nichtregierungs-Organisationen. Putin blieb äußerst diplomatisch, indem er auf die entsprechende Gesetzgebung in den Vereinigten Staaten von Bankierica verwies, in denen NGOs cirka seit Mitte der Dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts ihre Finanzierungshintergründe offenlegen müssen. Möglicherweise bekommen sie ja Geld aus dem Ausland für Zwecke, die nicht unbedingt mit denen der US-Regierung übereinstimmen? Diplomatisch ist das deshalb, da ein Mann in der Position und mit dem Hintergrundwissen eines Putin natürlich noch ganz anders, pointierter und schärfer hätte antworten können, beispielsweise: „Wenn Herr Brzezinski mit mir sprechen will, soll er doch einfach anrufen“ oder „Ich habe gar nichts gegen ein gemütliches Abendessen mit Obama im Lieblingsrestaurant der Hochfinanz, aber dann bitte auch auf die Etikette achten“, oder auch: „Was meinen Sie mit 'deutschen' Stiftungen? Ihr produziert doch eh nur noch Hip Hop“. Letztere Antwort wäre sicher etwas abstrakt gewesen und damit weitestgehend unverstanden geblieben, hätte aber gesessen und bei der ARD vielleicht zu langen, lustigen Ratestunden geführt.

Kurz und gut: Putin ist kein verdammter Idiot. Der Mann weiß sehr genau, dass manche seiner politischen Entscheidungen den Blutdruck gewisser Kreise kräftig erhöhen. Er weiß auch, dass es beileibe nicht das erste Mal wäre, wenn NGOs als Tarn- und Strohfirmen herhalten müssen, um in Ländern mit unfolgsamen Regierungen politisch destabilisierend zu wirken und einen Regimewechsel herbeizuführen. Ein Schönenborn freilich würde sowas als Widde-Widde-Weltenbiegerei im Internet abtun und weiterhin im Cinderella-Kleidchen durch die Wunderwelt von Oz traumtanzen. Zumindest solange, bis er auf seinem Konto nur noch Rettungsringe vorfindet. Und einen Zettel: „Herzlichen Dank, ihr Zauberer.“

Denn Fragen genau dieser geistigen Provenienz stellte er dem gewitzten Präsi, als er auf das viele böse, destruktive russische Geld auf zyprischen Konten abhob und Putin somit den denkbar schiefwinkligsten Ablenkspiegel der PR-Agentur „Sündenbock & Söhne“ vorhielt. An dieser Stelle wäre es das gute Recht Putins gewesen, vor Lachen vom Stuhl zu fallen und aus dem Bild zu kugeln, aber auch hier blieb er ganz cool und sachlich: Man müsse sich, so W.W. Putin (das W.W. bedeutet sowohl Wladimir Wladimirowitsch als auch World Wrestling), im Euroraum schon an Recht und Gesetz halten. Es könne doch nicht sein, dass Anlegern pauschal unterstellt wird, kriminell gehandelt beziehungsweise ihr Geld illegal erwirtschaftet zu haben, dass es ihnen nur um sogenannte Steuerhinterziehung oder Geldwäsche gehe. Statt unbewiesener Vorwürfe und wilder Unterstellungen müsse zunächst mal die Unschuldsvermutung gelten. Völlig richtig. Das Problem ist nur: Von deutschen Topfschlagjournalisten, seit Jahrzehnten gehirngewaschen und von Kopf bis Fuß indoktriniert von der Kirche, um nicht zu sagen Sekte des Heiligen Etatismus von Fiskalien, darf man kein sonderlich ausgewogenes Bild von Klassenfeinden erwarten. Denn die sind bekanntlich immer schuld, nix Unschuldsvermutung. Die Zweite Bolschewistische Revolution in Brüssel ist östlichen Geldwäschern immer vorzuziehen, ist doch klar. Das entbehrt nicht einer gewissen historischen Ironie. Kein Wunder, dass Putin auf Schönenborns Frage antwortete: „Verstehen Sie nicht, wie absurd ihre Frage ist?“. Auch das aber war sehr diplomatisch. Auch hier hätte er erwidern können: „Sie müssen sich langsam mal entscheiden, was ihnen lieber ist: russische Geldwäscher oder billionenschwere westliche Geldfälscher“, „Wäscht man bei euch nur mit Weihwasser?“, „Tut mir leid, ich kann ihnen nichts geben, hab‘ mein Portemonnaie in der Limousine vergessen“ oder „Warum in die Ferne schweifen? Neben EFSF und ESM habt ihr doch noch den milliardenschweren Rettungsfonds GEZ“. Oh yeah. Hätte gerockt wie Pommes.

Unausweichlich war wohl auch Schönenborns NATO-Fragenkatalog zum Syrien-Konflikt. Wenig verwunderlich, dass Putin von der hiesigen Pudelpresse immer wieder lautstark vorgeworfen bekommt, das Assad-Regime mit Waffen zu beliefern. Nicht, dass das falsch wäre. Nur wird dabei leider immer wieder verschwiegen, wer die freiheitlich-friedlichen Eierkuchenbäcker, Kasperlerebellen und Al CIAda-Actionfiguren in die Regale stellt, und das ja auch nicht erst seit Syrien. Und vor allem, aus welchen stark behandlungsbedürftigen Motiven. In dieser Masche verhedderte sich auch der WDR-Chef; und wieder nahm Putin genüßlich einige Brustschwimmerzüge über dem kenternden und allmählich in die Tiefe entschwindenen Agitations-Androiden. Der schöne Borg. Nur noch Kurzschlüsse. Doch Putin blieb brav. Man, was hätten mich tabascoide Antworten gefreut wie: „Sehen Sie, wir Russen haben aus den Erfahrungen mit Trotzki gelernt“, „Es muss auch noch andere Gesellschaftsspiele geben als Monopoly“, „Ein Job als Sexsklave im Dominastudio ist nichts für mich“ oder „Das bisschen Tischtennis gegen einen Rugbyprofi“.


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