06. April 2013

Geldsystem Beelzebubs Triumph II

Von der „Bank of England“ zum Zentralbankwesen

Von den ersten Anfängen des am Volk begangenen Betruges bis zum heutigen Tag sind viele Jahre ins Land gegangen.

Ein Blick in die Vergangenheit und es kann einem ganz traurig ums Herz werden, wenn man bedenkt, dass die Zeit des klassischen Goldstandards (1815 -1914) eine Zeit der Stabilität und Prosperität war, wenn man dies mit den heutigen Verhältnissen vergleicht. Er war zwar nicht perfekt, da der Grad der Golddeckung zwischen 20 und 100 Prozent schwankte, aber im Rückblick erscheint dies doch als das „goldene Zeitalter“.

Diesem Zeitalter war keine rosige Zukunft gegönnt, denn mit der Gründung des Federal Reserve Systems (FED), einem von der amerikanischen Regierung getragenes und eingesetztes, allerdings privat geführtes Kartellabkommen, auch „Zentralbank“ genannt, konnte die Bank der Banken unter dem Deckmäntelchen „zum Schutz der amerikanischen Bevölkerung“ von nun an unbegrenzte Geldsummen gegen unterschiedlichste Sicherheiten wie Staatsanleihen ausgeben. Die “Bank of England” sollte als Vorbild dienen.

Eine Zentralbank in Amerika stieß zunächst nur auf sehr wenig Gegenliebe, war doch den freiheitsliebenden amerikanischen Bürgern ein solches System sehr suspekt, zumal zwei vorherige Versuche bereits kläglich gescheitert waren. Wenn sie zu diesem Zeitpunkt schon gewusst hätten, wie recht sie behalten sollten!

Mit der im November 1914 endgültig geglückten Implementierung der FED begann der größte Betrug der jüngeren Geschichte.

Die FED, die offiziell der Öffentlichkeit dienen sollte, jedoch in Wahrheit ganz andere Motive verfolgte. Durch die FED konnte „Geld aus dem Nichts“ durch die von der Regierung ausgegebenen Staatsanleihen geschaffen werden. Die offizielle Golddeckung gab es zwar nach wie vor, aber wen kümmerte das schon? Weiterhin wurde die Kontrolle der Reserven anderer Banken möglich, die Konkurrenz war somit viel leichter auszuschalten und falls etwas schief gehen sollte, bei den ganzen kreativen Vorgängen, konnte man die Verluste den Steuerzahlern anhängen. Was für eine wahnsinnige Erfindung! Jeder, der so etwas privat macht, wandert in den Knast!

Mit dem Kriegsausbruch 1914 endete das Zeitalter des Goldstandards, denn der erste Weltkrieg verschlang Unsummen, die nur deshalb finanziert werden konnte, weil die Menge der Papierzettelchen von nun an in kreativer Weise ausgeweitet wurde. Der Metallgeldbestand und der Papiergeldumlauf hatten sich in den Jahren 1875 – 1913 gerade einmal verdoppelt, das Buchgeld vervielfachte sich, was daran lag, dass Buchgeld nicht vom Goldstandard gedeckt sein musste. Nun kam zu diesem Umstand noch  das sogenannte „Fractional Banking“ verschärfend hinzu, dass in seiner ganzen Hässlichkeit Thema des dritten Aktes sein wird.

Als der Krieg für Deutschland verloren war, ging das Elend weiter. Frankreich, das ein scharfes Auge auf die weltweit viertgrößten Goldvorräte Deutschlands legte, hatte zudem eine unheilvolle Wut auf die deutschen Nachbarn im Herzen. Sie forderten Wiedergutmachung und waren bei den Reparationszahlungen, die mit dem Versailler Vertrag Deutschland aufgebürdet wurden, gnadenlos.

Mit der Weimarer Republik Anfang der Zwanziger Jahr war der Untergang der deutschen Währung besiegelt. Die Bilder der Hyperinflation gingen um die Welt. Meine Urgroßmutter wusste zu berichten, dass sie, wenn sie essen ging, immer vor dem Essen zahlte. Nach dem Essen hätte sie den Rechnungsbetrag nicht mehr aufbringen können. Den Menschen, die damals Aktien besaßen, wurden damit beschwichtigt, dass die Börsengewinne die Verluste ausgleichen würden. Dass die Gewinne in einer im Todeskampf liegenden Währung ausgezahlt wurden, war anscheinend den Menschen nicht bewusst und so öffnete sich die Schere der Vernichtung von Ersparnissen immer weiter.

Erst mit der im November 1923 eingeführten Rentenmark, die von der Reichsmark abgelöst wurde und wieder durch Gold besichert war, hielt sich bis 1948, wenn auch nur, wieder einmal kriegsbedingt durch den Zweiten Weltkrieg, auf lächerlich niedrigem Niveau.

Die „Roaring Twenties“ waren eine Zeit der ultimativen Geldmengenausweitung, stolz präsentiert durch die Zentralbanken und die Regierungen. Die Welt ertrank in Geld, was zu einer enormen Börsenentwicklung führt. Die grundsätzliche Golddeckung war eine Farce, die Regierungen überschwemmten die Märkte mit Liquidität, der keinerlei realer Wert mehr entgegenstand. Eine Welt des absoluten Wohlstands, der nahezu vollständig schuldenfinanziert war. Das interessierte aber niemanden, waren doch die Zeiten für alle Beteiligten eine wahre Wonne. Nur sehr wenige sahen kommen, was unweigerlich kommen muss, wenn man mit Geld um sich schmeißt, was man eigentlich nicht hat.

Das böse Erwachen kam mit dem Börsencrash in 1929. Übermut wird in den meisten Fällen bestraft und dieser Übermut war grenzenlos gewesen. Die in Amerika beginnende Krise wuchs zur Weltwirtschaftskrise aus, da viele andere Länder viel zu stark im Ausland verschuldet waren. Als diese ihr Kapital abzogen, fiel die Welt in sich zusammen.

Am 5. April 1933 hatte Franklin D. Roosevelt eine ganz grandiose Idee und forderte von seinen Bürgern alles im Eigentum stehende Gold an den Staat abzuliefern. Als dies geschehen war, stieg der Goldpreis stark an, folglich wertete der nun in den Händen der Menschen befindliche Dollar deutlich ab. Dieser Eingriff stellte eine Form der Enteignung von fast 70 Prozent des Eigentums amerikanischer Bürger dar.

In der Bretton-Woods-Arä, die von 1944-1971 dauerte, wurde ein internationales Währungssystem in Gold geschaffen. Diese Verankerung fand in Verbindung zum US-Dollar statt und festigte den selbigen als Weltleitwährung. Insbesondere der Vietnam Krieg und die dramatischen Ausgaben im Rahmen des von Präsident Johnson durchgeführten „Great-Society- Programs“  stellten für die USA gewaltige Staatsausgaben dar, die sie nur bedienen konnten, weil sie sich zum einen mithilfe der FED reich gedruckt hatten und zum anderen alle 44 Mitglieder des Bretton-Woods-Abkommen an den US-Dollar gebunden waren.

Aus dem Goldstandard war ein Dollar-Standard geworden.

Ein echter Geniestreich, dem Frankreich allerdings das Licht auslöschen wollte. 1967 forderte Charles de Gaulle, dem die Gelddruckorgien der Amerikaner zunehmend auf die Nerven gingen, Frankreichs Goldbestände ein und wollte zum klassischen Goldstandard zurückkehren. Das fanden die Amerikaner gar nicht witzig, wären sie doch ziemlich im Eimer gewesen, wäre aufgeflogen, dass die Papiergeldmengen längst weit über die Goldbestände hinausgeschossen waren.

Also schloss Präsident Nixon während der Sendezeit zu „Bonanza“ am 15. August 1971 das Goldfenster. Die absolute Supermacht wollte sich von den Fakten nicht beirren lassen und hebelte – mir nichts – dir nichts – eine Vereinbarung aus, die zuvor 44 Staaten unterzeichnet hatten. Die amerikanische Regierung war schon immer recht einfallsreich.

Seit diesem Tag ist die Golddeckung, wenn sie am Schluss auch nur noch ein Schein ihrer Selbst war, Geschichte. Regierungen mochten sie sowieso nie besonders gern, denn ein sparsamer, verantwortungsvoller Staat ist bei den Bürgen nicht sehr beliebt. Da der Staat kein eigenes Geld hat, muss er es sich entweder über Steuern holen oder Schulden zu Geld machen. Die zweite Variante tut erst später weh, deswegen wird sie so gern genutzt. Der Polarstern, das Gold, ist hierbei nur hinderlich, denn mit ihm herrscht Disziplin.

Seit den frühesten Tagen des Zentralbankwesens bis zum heutigen Tag haben alle diese Einrichtungen kläglich versagt. Auch unter den wachsamen Augen der „stabilen“ Bundesbank entwertete sich die D-Mark seit 1948 bis zur Einführung des Euros um rund 90Prozent, seit die Europäische Zentralbank am Ruder ist und mit dem Euro ein echtes „Schätzchen“ den Weg in unsere Portemonnaies gefunden hat, ist in nur gut 10 Jahren eben dieser um rund 50 Prozent eingebrochen. Der Dollar ist heute nur noch ein Häufchen Elend, der Yen – ach, vergessen wir das einfach!

Es ist eine Schande! Seit dem Tag, wo Zentralbanken vor den negativen Folgen Schulden in Geld umzuwandeln, geschützt sind, gehen die Währungen den Bach runter. Die Währung ist aber die Lunge einer Nation – wenn ihr die Puste ausgeht, sehen wir alle ziemlich alt aus.

Der Kreditgeber der letzten Instanz ist nicht, wie es immer dargestellt wird, die Zentralbank. Der Kreditgeber der letzten Instanz ist der Steuerzahler!

Dieser Artikel ist Teil II Susanne Kablitz' Reihe namens „Beelzebubs Triumph“ zur Historie des Geldsystems. In den kommenden Tagen werden drei an diesen Artikel anschließende Beiträge die Entwicklung zum staatlichen Geldmonopol weiterverfolgen:

III. Gute Zinsen, schlechte Zinsen

IV. Alle lieben „Funny Money“

V. Wenn Schulden die Freiheit kosten

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