11. April 2013

Aus dem Bundestag Freiheitsberaubung

Absolutismus reloaded

Früher hat der Adel seine Bauern zum Frondienst gezwungen. Sie mussten Unkraut jäten und Äcker pflügen. Das war mühsam. Die Gegenleistung dafür war, dass die Bauern vor äußeren Feinden geschützt wurden.

Der moderne Frondienst ist die Vermögensbildung. Bürger müssen mühsam Vermögen bilden, auch und gerade zum Vorteil des Staats. Dieser schützt es vor bösen Feinden – den unberechenbaren Kapitalmärkten, die über den Sparer herfallen, ihn ausrauben und sein Hab und Gut brandschatzen. Davor will der Staat uns Bürger bewahren und sagt mit sanftem Druck, wie und wo wir unser Geld anzulegen haben, in Institutionen wie Versorgungswerken, der betrieblichen Altersvorsorge und in Lebensversicherungen. Da ist es sicher, so das Versprechen. Immerhin sorgt der Staat dafür mit Anlagerichtlinien, Steueranreizen und Garantien. Und noch besser: Diese Institutionen deponieren das Geld ja selbst beim Staat, indem sie seine Schulden aufkaufen. Was könnte sicherer sein?

In Wahrheit geht es um Freiheitsberaubung. Vorbild steht das Modell der geschlossenen Gesellschaft, denn der Staat wird zum Selbstzweck. Der Staat bewahrt die Fassade des von Staats wegen sicheren Vermögens. Risse in dieser Matrix werden zugekleistert, die widersprüchliche Wirklichkeit umgedeutet. Ein Beispiel hierfür ist die offensichtliche Manipulation des Goldpreises. Da spitzt sich die Eurokrise in Zypern erneut zu und die japanische Notenbank druckt sich die Finger wund. Dennoch fällt der Goldpreis.

Wie ehrlich gemeint das Versprechen vom Schutz des Vermögens ist, zeigt eine andere Entwicklung. Der Kampf gegen jedes Sparen außerhalb des staatlichen Schutzsystems hat gerade erst begonnen. Unter dem Banner der Schwarzgeld- und Steuerhinterziehungsbekämpfung werden „Geschäftsmodelle“ von halben Inselstaaten in Frage gestellt und der Zugang zu Offshore-Oasen geschlossen. Italien und Spanien schränken den Bargeldverkehr ein, Zypern verhängt Kapitalverkehrskontrollen und Schweden will das Bargeld ganz abschaffen. All das dient nicht zuletzt dazu, die Wettbewerber des Staats in der Branche der Vermögensbildung auszustechen.

Der Fälscher wird so viel Geld drucken, wie er kann, ohne aufzufallen. Genauso wird der Staat so viel Geld drucken und genau so viel Steuern erheben, dass er damit davonkommt, so viel, dass es nicht zu viel Proteste gibt.

Information

Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in der am 22. April erscheinenden Mai-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 132


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von Frank Schäffler

Über Frank Schäffler

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige