12. April 2013

Aktuell Nachrichten aus aller Welt

Kleiner Flug übers Kuckucksnest für den Monat April

Die SPD soll ihren neuen Wahlkampfslogan – „Das Wir entscheidet“ – einer Zeitarbeitsfirma gemopst haben. Das passt gleich in zweierlei Hinsicht perfekt: Erstens entschied bei Sozialisten schon immer ein ausgeprägtes Wir-Ego einer kleinen Funktionärselite, nämlich über ein schwaches Kollektiv-Ich.  Im herrschenden Geldsozialismus ebenso wie im von diesem schon seit jeher nicht umsonst kräftig geförderten, real existierenden politischen, sei‘s nun National- oder Internationalsozialismus, sei‘s im Osten oder Westen. Erzählt mir mal was Neues. Zweitens ist die Sozialismus GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haltbarkeit) in der Tat eine Firma, gegen die die Zeit arbeitet.

Der weltbekannte, für seine Rolle als Friedensnobelpreisträger im zivilisationskritischen, arg symbolüberladenen Historiendrama „Der diskrete Charme der Oligarchie“ ausgezeichnete Präsidentendarsteller Barack bin Bürger am Verladen geriet neulich für kurze Zeit in Negativschlagzeilen, als er die Attraktivität einer befreundeten Staatsanwältin lobte. Dabei weiß dank Hollywood doch eigentlich jedes Kind, dass man die nicht küsst, auch nicht verbal in Form von Komplimenten. Besonders heikel: Die Dame ist farbig. Der Mann ist also nicht nur Sexist, sondern auch Rassist. Warum lobt er ausdrücklich eine farbige Person? Unterstellt er, Farblose seien weniger hübsch? Oder sind Frauen in nicht-juristischen Berufen per se monochrom? „Das ist ein sexistisch-rassistischer Skandal, für den Sie sich entschuldigen sollten, Herr Präsident“, twitterte Es daraufhin wütend. Und weiter: „Es reibt sich jetzt mit der Büßerlotion ein und entschuldigt sich, und zwar weltweit!“. „Kein Problem“, antwortete der begnadete Synchronsprecher prompt. Er habe ohnehin mehr als genug Zeit, da seine Arbeit überwiegend von Drohnen erledigt werde.

Fast wie auf Bestellung kommt der jüngste Fleischskandal. Auch er war eine reine Zeitfrage. Nicht nur in der Lebensmittelindustrie. Heutzutage wird ja nicht nur Fleisch falsch oder erst gar nicht deklariert. So steht beispielsweise auf Diebstahl verharmlosend „Haircut“, aus Sadomaso-Schuppen wird plötzlich ein „Internationaler Währungsfonds“, „Geschlossene Gesellschaft“ heißt heute „Weltbank“, Foltermethoden wie das berüchtigte „Schuldenboarding“ werden als „Solidarität mit Europa“ ausgegeben, Opas viel kritisiertes Verhalten im Zweiten Weltkrieg mutiert zu niedlich-süßen M&Ms (Menschenrechte & Militärhilfe) – schmilzt nur im Mund, nicht im anderen Land –, Zementblöcke an Füßen zum Versenken von Mafiagegnern etikettiert man kurzerhand als Rettungspakete und der Pferdekopf im Bett nennt sich „Politik“.

Man soll ja keine „Ad-hominem“-Argumente verwenden, aber manchmal sind die personellen Steilvorlagen in der Rubelzone einfach zu verlockend. Zum Beispiel bei Michael Harris, ehemals Finanzphilister Zyperns, Absolvent der Kaderschmiede „London School of Economics and Political Science“ und vormals in einer Forschungsabteilung der zyprischen Zentralbank sowie für die Weltbank tätig. Das allein genügt eigentlich schon, um zumindest ein bisschen skeptisch zu werden, aber dann kommt noch das Äußere hinzu. Gut, dafür kann er ja nix, dennoch – der Mann könnte glatt aus einem Gangsterepos von Martin Scorsese stammen, „Goodfellas“ oder „Casino“. Den passenden Anzug hat er schon, fehlen nur noch Hut und Maschinenpistole. Warum nur sehen viele dieser Retter aus wie fleischgewordene Fahndungsfotos? Merkwürdig auch, dass auffällig viele der in sämtliche bisherigen Skandale rund um die Einheitswährung und ihre Zerrettung Verwickelten mehr oder weniger aus demselben Club stammen. Entweder waren oder sind sie bei Goldman Sachs, JPMorgan, der Federal Reserve oder anderen, sagen wir mal, „systemrelevanten“ Banken angestellt, so wie zum Beispiel der ehemalige Chef der griechischen Notenbank (vorher bei der Fed), der zusammen mit Vlad Mario Griechenland beim Anlegen des Sprengstoffgürtels half, sind Mitglieder in der „Group of Thirty“ (G30) oder ähnlichen Wackeldackelzüchtervereinen der Hochfinanz, arbeiteten für die Weltbank oder den IWF und so weiter. Anschelm, wer da Zusammenhänge wittert. Sorry. Konnt‘s mir nich‘ verkneifen.

Ansonsten gibt es im Rubelraum nichts Neues, alles beim Alten. Das heißt konkret: Finanzbedarf in Zypern höher als erwartet. Portugal braucht neue Milliarden. Frankreichs Wirtschaftsdaten verdüstern sich. „Selbst Experten“ überrascht von schwachen Konjunkturdaten. Ihr könnt mich langsam mal gern haben. Wenn Ihr wirklich nicht in der Lage wart, das Absehbare zu erkennen, was selbst ich als Laie ohne wirtschaftswissenschaftliches Studium hinbekomme, dann gebt Eure Expertise bitte zum Sondermüll.

„Der Spiegel“ konnte mit dem Aufmacher „Kim-Jong BUMM“ über die trotzigen Nukleareskapaden des kommunistischen Diktators Nordkoreas seinen großen Vorsprung vor dem „Mad Magazin“ abermals festigen. Es ist ja schon pervers genug, dass in Nordkorea massenhaft Menschen verhungern, während der geliebte Führer des Volkes glaubt, mit Atomschlägen drohen zu müssen – ob diese nun ernstzunehmen sind oder nicht. Zwar dürfte es sich eher um Drohgebärden handeln; andererseits sollte man das Risiko solcher Konfrontationen auch nicht unterschätzen. Denn fast noch perverser ist doch, dass die ganze Situation dem, äh, Ausland nun auch nicht so ungelegen kommen könnte wie nach außen hin gerne behauptet wird. So ein kleiner Krieg dank Bumm Bumm Kim, wegen des Iran oder aus welchem Grund auch immer könnte das laute Knallen platzender Heißluftgeldballons und das Massengestöhne  wilder One Night Stands mit den Konten der Bürger geschickt übertönen. Wäre ja nicht das erste Mal. Schließlich ist alles erlaubt und nichts unmöglich – so das Motto der Tricktechnik-Spezialisten und Maskenbildner.


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