07. Mai 2013

Zweierlei Terror Wie konnte es so weit kommen?

Der Teufel hat sich schick gemacht

Dossierbild

Meine schlimmsten Befürchtungen über die Begleitung des NSU-Prozesses durch die Medien wurden noch übertroffen. Die sogenannte Berichterstattung über den Prozess wird als eine Mischung aus antifaschistischem Hollywood-Spektakel und einer Berlinale gegen rechts aufgeführt. So ist es denn auch nur bezeichnend, wenn Felix Menzel im Weblog der „Blauen Narzisse“ zutreffend feststellt: „Was man von der ‚BRIGITTE‘ erwartet hätte, machen alle anderen Medien auch zu dem Mittelpunkt ihrer Berichte: Wie hat Zschäpe die Haare? Frisch gefärbt. Wie kleidet sie sich? Wie eine Geschäftsfrau.“

Wobei die „taz“ allerdings in Bezug auf die von mir schon im Voraus befürchtete Boulevardisierung diesmal in Schutz genommen werden muss, wie auch Menzel richtig feststellt. Den Gipfel der zeitgeistigen Peinlichkeiten stellte wieder einmal nicht die „taz“, sondern der Springer-Verlag dar. Beispielhaft nennt Menzel den Journalisten Daniel Hähle, der die Zschäpe-Anwälte in der Mittagspause beim Gang zum Bäcker abfotografiert, wobei eine Anwältin laut Hähle „genervt und gereizt“ gewirkt habe. Dass Hähle selbst der Grund für diese Genervtheit und Gereiztheit ist, kommt ihm offenbar nicht in den Sinn. Wenn Deutschland und seine Medien und Politiker auch nur ansatzweise zu einem würde- und pietätvollen Umgang mit einem solchen Prozess in der Lage wären, würde man sich sarkastische Bemerkungen zu einem solchen Thema verkneifen.

Bei allem Abscheu über rechtsextremen Terror – aber wir sollten auch den journalistischen Terror nicht vergessen. Denn als Terror kann man das schon bezeichnen – zumindest als Terror fürs Gehirn. Und Vergleichen heißt ja nicht gleichsetzen.

Der „Nationalsozialistische Untergrund“ (NSU) bekommt Konkurrenz: Bei der Berichterstattung über den Prozess präsentierte sich ein medialer Untergrund, in Fachkreisen auch unter der Abkürzung „MEU“ bekannt. Im Vergleich zum NSU ist der MEU noch deutlich schwerer zu fassen. Der MEU soll es einmal zustande gebracht haben, mit seinen Verblödungsstrahlungen zehn Kleinunternehmer gleichzeitig einem Hirntod zuzuführen. Politik und Gesellschaft haben bei der Verfolgung des MEU-Terrors haarsträubende Fehler begangen und waren falschen Fährten gefolgt. Nun haben wir den Salat.

Vor diesem Hintergrund muss sich unsere Gesellschaft jetzt unbequeme Fragen stellen: Wie konnte es passieren, dass eine kleine Clique von pseudoseriösen Boulevard- und Zeitgeistjournalisten jahrzehntelang verblödend, gehirnwaschend, boulevardisierend und wertezerstörend durch Deutschland zogen, ohne dass es zu massenhaften Abo-Kündigungen und einem gesellschaftlichen Aufschrei gekommen wäre? Ist unsere Gesellschaft auf dem medialen Auge blind? Erschreckend ist auch, dass es offenbar Verbindungen zwischen dem MEU und der Partei „Die Grünen“ gibt: Nach Studien sympathisieren rund 36 Prozent der deutschen Journalisten mit der Öko-Partei. Fotos zeigen Grünen-nahe Journalisten auf der Internetseite der „Süddeutschen Zeitung“. Über ein Verbotsverfahren ist daher umgehend nachzudenken.

Am Wichtigsten ist jedoch: Wir alle müssen unsere Gedanken künftig besser wägen und bedenken, dass wir keinesfalls ein Klima schaffen dürfen, in dem journalistischer Terror gedeihen kann. Denn aus kranken Gehirnen können Artikel werden.


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