04. Juni 2013

Scheingelddroge Wenn billiges Geld ein Gesicht hätte...

...mit welchem Ausdruck würde es uns wohl ansehen?

Würde es uns auslachen, uns anlachen, uns mitleidig betrachten, belustigt oder hochmütig daherkommen, würdevoll und stolz wirken, beschämt und peinlich berührt, glücklich oder traurig, möglicherweise ängstlich oder eher beleidigt und stinksauer, vielleicht auch überfordert und ratlos, mehr verzweifelt und vom Missbrauch gezeichnet oder absolut begeistert und voller Euphorie, panisch, müde und mit verquollenen Augen oder hellwach?

Nun, ich denke, es kommt darauf an, ob Sie das Antlitz eines Lloyd Blankfein oder Jörg Asmussen tragen, Christine Lagarde oder Angela Merkel heißen, als Peer Steinbrück oder Josef Ackermann durch das Leben schreiten oder ob Lieschen Müller in Ihrem Ausweis steht, die in wenigen Jahren in Rente geht. Auch das Gesicht Peterchen Meier´s,  der ein paar Penunzen auf seinem Sparbuch anspart, um sich in einigen Jahren etwas leisten zu können oder eben Fredchen Schmidt, der mit unerschütterlichem Vertrauen an die Unverwüstlichkeit seiner Lebensversicherung glaubt, dürften anders aus der Wäsche schauen als nahezu alle, die für uns in jeder Beziehung selbstverständlich nur das Beste wollen.

Klären wir zunächst einmal, dass Geld in erster Linie ein von der Allgemeinheit akzeptiertes Tauschmittel ist, was den Handel unter den Menschen enorm erleichtert. Als man noch den ganzen Tag mit der störrischen Ziege durch die Welt marschieren musste, um sie gegen eine noch viel störrischere Kuh zu tauschen, waren zum einen äußerst beschwerliche Zeiten und zum anderen auch recht streitträchtig, wenn man sich nicht einigen konnte, wie viel Ziege dem entsprechenden Anteil Kuh entsprach. So wurde das Geld in Umlauf gebracht, dass die jeweiligen Tauschprozesse erleichtern und dem Gerücht, dass der Mensch ein intelligentes Wesen sein soll, durchaus Rechnung getragen hat. Dieses Gerücht konnte in der Zwischenzeit aus der Welt geschafft werden.

Zu Beginn der Zeit war das Geld ein reines Sachgeld. Es fußte auf der Grundlage, dass die beteiligten Personen – bevor sie es zum Zwecke des Tauschs einsetzten – zuerst dafür arbeiteten,  es dann ansparten und erst in Folge für Konsumbedürfnisse oder Investitionen nutzten. Das waren im wahrsten Sinne des Wortes goldene Zeiten. Von diesen Zeiten haben wir uns vollständig verabschiedet.

In unseren heutigen Zeiten ist das, was wir als Geld bezeichnen, in niederträchtigster Weise nur noch eine Fratze. Die Verhältnismäßigkeiten sind in Billionen von Euros, Dollars und Yens vollkommen untergegangen, wir haben den Überblick verloren und daran ändert sich auch nichts, wenn uns die Regierungen auf der ganzen Welt erklären, dass sie die Dinge „im Griff“ haben. Gar nichts haben sie, sie sind absolut rat- und vor allem hilflos.

Regierungen sprechen vom Sparen und verwechseln dies mit dem Kürzen von Ausgaben. Gespart hat keine einzige von ihnen und das schon seit Jahrzehnten nicht mehr, denn Sparen ist nichts anderes als etwas nicht auszugeben, was man hat. Davon sind sie aber meilenweit entfernt. Das Einzige, was wir haben, sind Schulden. Das ist aber nichts, was man „hat“ sondern das, was man anderen schuldet, also das, was andere haben. Diese simple Tatsche ist zu den Herrschaften nur noch nicht durchgedrungen.

In 2012 haben die 27 Regierungen der EU-Staaten rund 520 Milliarden Euro mehr ausgegeben als sie eingenommen haben. Da vom Sparen zu sprechen ist eine Farce und eine bodenlose Unverschämtheit. Die weltweite Gesamtverschuldung liegt bei rund 250 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (in offiziellen Zahlen) – komisch, oder? Wo stünde denn die Welt, wenn wir noch viel mehr gespart hätten?

Wenn Sie einen ganz erheiternden Moment erleben wollen, gehen Sie doch mal zu Ihrer Bank und sagen dort, dass Sie ja schon 20.000 Euro Schulden „haben“, im Prinzip vollkommen bankrott sind , Sie nur deshalb überleben, weil ihre Familie und Freunde ihren Lebensunterhalt und Ihre Rechnungen bezahlen, sich daran aufgrund Ihrer mangelhaften Kompetenzen auch in absehbarer Zeit nichts ändern, aber alles sehr viel besser aussehen wird, wenn man Ihren Kreditrahmen erhöht. Damit wären sie sofort wieder zahlungskräftig und die Problematik gelöst.  Es dürfte schwer werden, nicht in hohem Bogen unter Kündigung der geschätzten Kundenverbindung aus den heiligen Hallen herauszufliegen.

Nun wird der ein oder andere einwenden, dass man den Privatmenschen, der mit seinem eigenen Geld im Feuer steht nicht mit dem Volkvertreter vergleichen kann, der mit dem Steuergeld anderer Leute haftet. Da haben diese Menschen Recht. Die zweite Variante ist wesentlich unmoralischer!

Vor einigen Wochen wurden 10 Milliarden Euro nach Zypern überwiesen. 10 Milliarden Euro für Zypern entsprechen 2,6 Billionen Euro unserer Wirtschaftskraft. Dieser Irrsinn ist mit Worten nicht mehr zu beschreiben. Griechenland hat seit Ausbruch der vermeintlichen Finanzkrise die Löhne im öffentlichen Dienst um rund 30 Prozent angehoben. Alles finanziert mit billigem Geld, das in Strömen floss. Kein Gedanke daran, dass der zu zahlende Zins in den meisten Ländern nur aufgrund der völligen Fehlkonstruktion des Euros so niedrig war und in keinerlei Hinsicht den tatsächlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entsprach. Immer raus damit, irgendjemand wird schon dafür gerade stehen.

Ludwig Erhard (1897 – 1977), der zweite Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland (und einer der wenigen Lichtblicke, wenn man die Vergangenheit betrachtet) hat als ausgebildeter Wirtschaftsfachmann sehr treffend bemerkt, dass jede Ausgabe des Staates auf einem Verzicht des Volkes beruht. Jeder Cent, der an Schulden aufgetürmt und nicht für nachhaltige und sinnvolle Investitionen genutzt wird, ist ein Verrat an der Zukunft und kann mit überhaupt gar nichts gerechtfertigt werden.

Diese enormen Schulden sorgen dafür, dass wir – sollte der zu zahlende Zins nur um ein jämmerliches Prozentpünktchen steigen – faktisch mausetot sind. Derzeit sind wir bei fast null Prozent angekommen, viel weniger kann es nicht werden.  Diese Minizinsen wirken sich auf definitiv alle klassischen Sparvorgänge der „normalen“ Menschen in einem den meisten noch nicht bewussten, aber dafür umso brutaleren Ausmaß negativ aus.

Für jede Regierung der Welt ist die Niedrigzinspolitik ein Geschenk des Himmels, sorgfältig über viele Jahre durch ihre bürgerverachtende Politik vorbereitet und mit der Hilfe ihrer Freunde und Partner aus den Reihen der Hochfinanz und der Großkonzerne, die sich über viele Jahre durch Privilegien und Subventionen gegenüber anderen Marktteilnehmern ein dickes, jeden harten Winter überstehendes Polster anfressen konnten, ausgeführt.

In dieser Konstellation ergibt sich eine unfassbar gnadenlose Enteignung, die das Wort „Umverteilung“ ganz neu definiert.  Um diesem Irrsinn dann noch den letzten hinterlistigen Todesstoß zu versetzen, wird die ganze fiese Nummer als Kapitalismus verkauft, den es unbedingt zu bändigen gilt. Diese Begriffspervertierung ermöglicht auf unfassbare dreiste Weise, dass nach noch mehr Gesetzen und Vorschriften geschrien wird und die Bevölkerung sich selbst den Hals umdreht.

Ein perfides Spiel, dass dazu führt, dass sich demnächst jeder, der über 60.000 Euro im Jahr verdient und ganz bedeutend zum Wohlstand dieses Landes beiträgt, als „Reicher“ so lange finanziell und moralisch gejagt wird bis er freiwillig entweder all seine Errungenschaften abgibt oder aber demoralisiert das Weite sucht, nur um einem unrettbaren System den Dienst zu erweisen.

Das nicht gedeckte Papiergeld galt lange Zeit als Garant für Wohlstand. Nun zeigt sich, und wir stehen hier noch ganz am Anfang, dass wir lange getanzt haben – nach der x-ten „Krise“, die in Wahrheit nur eine Aneinanderreihung von ständigen „Krisen“ ist – müssen wir für die Musik bezahlen.

Das nicht gedeckte Papiergeld, das nun auch noch so popelig billig ist, sorgt dann dafür, dass wir nicht nur für die Musik zahlen, sondern den Saal auch noch bis auf den letzten Krümel aufräumen müssen. Diese Räuberbande bringt sogar den Teufel zum Weinen.

Internet

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