04. Juni 2013

Veranstaltungsbericht 9. Internationale Gottfried-von-Haberler-Konferenz, Teil 1

Vorträge von Prof. Erich Weede und Barun S. Mitra

Am 17. Mai 2013 fand die diesjährige „Internationale Gottfried-von-Haberler-Konferenz“ in Vaduz statt, veranstaltet vom European Center of Austrian Economics Foundation (ECAEF); das Generalthema der Konferenz lautete:

„Werden die Armen immer ärmer und die Reichen immer reicher? – Das Scheitern der Umverteilungspolitik“

Das ECAEF, mit Sitz im Fürstentum Liechtenstein, ist ein Think Tank, geht auf eine Initiative von Prinz Michael von Liechtenstein, Prinz Philipp von Liechtenstein und Kurt Leube zurück und hat sich die Wiederbelebung der „Österreichischen Schule der Ökonomie“ zum Ziel gesetzt. Ein Think Tank also, der die bahnbrechenden Theorien jener Schule – „Eigenverantwortung, individuelle Freiheit und begrenzte Regierungs- beziehungsweise Staatsmacht“ – weiterentwickelt und erforscht.

In diesem Fokus sind auch die internationalen Gottfried-von-Haberler-Konferenzen einzuordnen, deren Themen nicht nur die Ökonomie tangieren, sondern auch stets die Politik, die Gesellschaft und das einzelne Individuum. Also ganz in der Tradition von Friedrich August von Hayek, einem der wichtigsten Theoretiker der „Österreichischen Schule der Ökonomie“, welcher in seiner Freiburger Antrittsvorlesung vom 18. Juni 1962 hervorhob, dass ein Nur-Ökonom ein schlechter Ökonom ist; denn zur guten Ökonomie gehöre auch, dass man sich als Ökonom umfassend mit Staatslehre, Recht, Psychologie, Geschichte und Philosophie zu befassen habe. Neuerdings findet sich auf den Webseiten des ECAEF ein Quiz, das an diese Ideen heranführen soll und sozusagen das zum „Schnuppern“ einlädt.

Neben den internationalen Gottfried-von-Haberler-Konferenzen vergibt das ECAEF den „Vernon Smith Price“, der an einen Essay-Wettbewerb für Studierende, die Anhänger der Ideen der Freiheit sind, gekoppelt ist und so den Nachwuchs fördern hilft.

Kurt Leube ist der akademische Direktor des ECAEF, er und seine Mitstreiter sehen das ECAEF als die Keimzelle eines internationalen Zentrums der „Österreichischen Schule der Ökonomie“. Ein Zentrum, welches nicht nur Konferenzen und Seminare durchführt, sondern ein Institut, eine Fakultät mit Professoren, Forschern und Studierenden aus der ganzen Welt sein soll.

Dies ist ein ambitioniertes und wichtiges Ziel, wichtig, weil weltweit die Freunde der Freiheit in den letzten Jahren in der Defensive  stehen. Folglich kann ein Zentrum wie das ECAEF helfen, die verschiedenen liberalen Gruppierungen – Konservativ-Liberale, Ordoliberale, Klassisch-Liberale und so weiter – zu bündeln, um gegen Etatisten, Interventionisten und andere Freiheitsfeinde mobil zu machen. Die Etatisten sind auf dem Vormarsch, folglich haben sich – wie Prof. Willgerodt dies einmal formulierte – die Liberalen um den Staat zu kümmern, sonst übernehmen die Gegner den Staat und kümmern sich „liebevoll“ um die Liberalen.

Durch die beiden Sitzungsrunden der Konferenz führte Michael Wohlgemuth souverän als Moderator. Schon am Abend vorher hatte Michael Wohlgemuth seine Souveränität durch eine launige Tischrede unter Beweis gestellt. Er hatte brillant das Öko-Gutmenschentum vorgeführt, und zwar anhand der Anwandlungen von Marianne Bukert-Eulitz, einer Dame der Berliner Grünen-Fraktion, die das derzeitige Auswahlverfahren bei den „Miss-Germany-Wahlen“ als unerträglich diskriminierend für weniger attraktive Frauen und Damen ohne deutschen Personalausweis empfindet.

Prof. Erich Weede: Werden die Armen immer ärmer und die Reichen immer reicher? Das Problem der Einkommensungleichheit in globaler Perspektive

Erich Weede, emeritierter Soziologieprofessor der Bonner Universität, hielt den ersten Vortrag zum Thema – war also sozusagen der Eisbrecher, der die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu wecken hatte. Diese Aufgabe löste Erich Weede bravourös.

Für Erich Weede sind die politischen Fragen zur Einkommens- und Vermögensumverteilung in den letzten Jahrzehnten mehr oder weniger gleich geblieben. Dafür sorge schon der Neid auf die vermeintlich Reichen, der in der Bevölkerung weit verbreitet ist und so den politischen Ruf nach Umverteilung wachhält. Der Neid war jedoch nicht das Thema von Erich Weede, sondern er verglich die Wohlstandsentwicklung der Staaten aufgrund der Auswirkungen der sogenannten Globalisierung miteinander. Die Analysen einiger empirischer Großstudien, auf die Erich Weede zurückgriff, zeigen – plakativ und kurz aufgezählt – folgende Ergebnisse:

Der Export der wirtschaftlichen Freiheit in die sogenannten Drittweltstaaten riss in den letzten drei Jahrzehnten rund eine Milliarde Menschen aus einer erdrückenden Armut.

Die Übernahme wirtschaftlicher Freiheitsgrade erfolgte auch in kommunistischen Staaten. Während Maos Großer Sprung nach vorn noch wenigstens 45 Millionen Chinesen in den Hungertod trieb, setzt das heutige China vermehrt auf wirtschaftliche Freiheiten, und diese  erzeugen Dynamiken, die auch die ärmsten Chinesen stetig wohlhabender werden lassen.

Dadurch, dass die ärmeren und armen Staaten die modernen technischen Verfahren des industrialisierten Westens direkt übernehmen, kopieren oder imitieren können, haben jene Staaten die Chance, sich ökonomisch und technisch viel rascher zu entwickeln als die alten Industriestaaten. Die Armen holen gegenüber dem Westen schnell auf und schaffen so flotter den Anschluss.

Gerade die heutige Pharmazie und Medizintechnik erhöhen eben auch in den ärmeren Regionen des Globus die Lebenserwartung und -qualität erheblich.

Die von Erich Weede herangezogenen empirischen Studien spiegeln folgendes Bild:

Die wirtschaftliche Freiheit stellt den Motor der Entwicklung. Je mehr wirtschaftliche Freiheit, desto wohlhabender wird eine Gesellschaft – höheres Wachstum und eben auch viel höhere Einkommen der Armen und Ärmsten der Gesellschaft. Die vorliegenden Daten bezeugen dies für asiatische, afrikanische und lateinamerikanische Staaten. Dabei sind die Erfolge dort am größten, wo wirtschaftliche Freiheiten mit gut geschützten Eigentumsrechten ineinander verwoben sind.

Als Fazit der Ausführungen von Erich Weede kann festgehalten werden: Durch die Globalisierung der letzten Jahrzehnte haben die Unterschiede zwischen den Staaten abgenommen. Die reicheren und ärmeren Staaten sind dabei, langsam „gleicher“ zu werden!

Barun S. Mitra: Armut, Populismus und Leistung: Änderungen der Konturen der Politik in Indien (Poverty, Populism and Performance: Changing Contours of Politics in India)

Der gebürtige Inder Barun S. Mitra ist der Gründungsdirektor des Liberty Institute in Neu-Dehli, eines unabhängigen Think Tanks.

Mitra zeigte auf, dass in Indien nach der Unabhängigkeit bis in die späten 1970er Jahre ziemlich wenig Entwicklung und Fortschritt realisiert worden war. Ab den Tagen der Unabhängigkeit bis in die späten 1970er Jahre wurde Indien vom Indian National Congress beherrscht, der viele Kompetenzen und Machtbefugnisse in Neu-Dehli zentrierte. Armut wurde, trotz der Anti-Armuts-Programme, als gegeben hingenommen und etliche der Gelder jener Programme versickerten, kamen bei den Bedürftigen nicht an. Die Programme verbesserten die Lage der Armen nicht, stattdessen stärkten sie die Korruption und dienten den besitzenden Schichten. Nebenher förderten die besitzenden Kreise auch einen marktfeindlichen Populismus, der ebenfalls eine Entwicklung hemmte, welche die Lage der Armen hätte verbessern können.

Ab 1978 verlor der Indian National Congress an Macht und Einfluss, so dass es zu vermehrtem politischem Wettbewerb und zu wechselnden Machtverhältnissen kam. Neben dem politischen Wettbewerb wurde zudem der regionale Wettbewerb zwischen den einzelnen Provinzen intensiver. Notwendige Reformen wurden angegangen, und für Indien begann eine positivere wirtschaftliche Entwicklung.

Barun S. Mitra erhofft sich von weiteren Reformen, zum Beispiel bei den Landrechten und der Stärkung der kommunalen Kompetenzen, vermehrte positive Schübe für Indien.

Politischer Wettbewerb in der Demokratie und Reformen, die mehr Freiheiten und Kompetenzen auf die Regionen und die kommunalen Ebenen verlagerten und weiter verlagern werden, sind für Mitra die Schlüssel, die Indien in die richtige Richtung drängten und zukünftig auch weiter drängen sollen.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von Hubert Milz

Über Hubert Milz

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige