12. Juni 2013

Roland Baader-Auszeichnung 2013 Vierter Teil der Rede des Preisträgers

Ausblick und Verpflichtung

ef-Autor Peter Boehringer erhielt am 31. Mai 2013, dem ersten Abend der „Mark Banco-Anlegertagung“ in Hamburg die „Roland Baader-Auszeichnung 2013“. eigentümlich frei veröffentlicht an dieser Stelle seine Dankesrede exklusiv in vier Teilen. Peter Boehringer thematisierte ausführlich das Werk Roland Baaders und unterzog es mit viel Sachverstand einer kritischen Analyse. Hier nun der vierte und letzte Teil des überaus lesenswerten Vortrages. Am Textende ist der Downloadlink zum Volltext der Rede zu finden.

Roland Baaders Ausblick

Baader blieb zwar zeitlebens Optimist, dass die Welt noch rechtzeitig zur Idee des natürlichen Minimalstaats würde zurückkehren können. Und dass so die andernfalls absehbare Katastrophe der Freiheit und des Humanismus noch vermieden werden könne. Er hoffte immer auf einen guten Ausgang, wofür er ja auch intellektuell und appellativ kämpfte. Dennoch wurde wie wohl bei fast allen Markt-und Gesellschaftsbeobachtern sein Ausblick im Laufe der Jahrzehnte düsterer.

Pessimismus verpackte er zwar gerne distanzierend in Zitate, etwa von Ludwig von Mises: „Ich wollte Reformer werden, doch ich bin nur ein Geschichtsschreiber des Niedergangs geworden.“

Oder in ein düsteres Zitat von Benjamin Constant „In gewissen Epochen muss man den ganzen Kreis des Wahnsinns durchlaufen, um wieder zur Vernunft zu kommen“

In den Freiheitskeimen II von 2011 erfolgte dann gar eine späte Selbstreflexion seiner eigenen Arbeitsmotivation:„Hat jemand, der unablässig für die Freiheit eintritt, überhaupt noch eine Erfolgsaussicht? Zumindest eine: die Selbstachtung nicht zu verlieren!“

Aber natürlich folgte Baader auch Mises´ optimistischer Hauptmotivation, die dieser 1958 so formulierte:

„Alles was heute im sozialen und wirtschaftlichen Leben geschieht, ist das Ergebnis von Ideen. Was not tut, ist der Kampf gegen schlechte Ideen. Wir müssen die falschen Ideen durch gute ersetzen. Diese Ideen müssen der Öffentlichkeit so vorgestellt werden, daß die Menschen sie verstehen und überzeugt werden.“ [aus Mises: „Vom Wert der Besseren Idee“]

Genau dies wäre die enorm hohe Aufgabe einer freien Presse. Wenn beispielsweise in Europa die „Rettungen“ des Euros nicht endlich gestoppt werden, werden wir uns in wenigen Jahren im Zustand der breiten Verarmung der Massen und in einer elitär und streng kontrollierten Planwirtschaft befinden, die wegen der dann umfassend durchsetzbaren Zensur jedenfalls für leistungswillige und geistig freie Menschen einem großen Gefängnis gleichkommen wird.

Meine Verpflichtung aus dem Preis: Aufklärung über die besseren Ideen

Im Nachruf auf Roland Baader schrieb ich Januar 2012: „Freiheit, Wahrheit, Natürlichkeit, Markt und Mensch! Werte, die in Symbiose zusammengehören und die nur gewaltsam-totalitär voneinander getrennt werden können.“ Ob sie am Ende wirklich obsiegen, ist heute leider offen. Ein Grund mehr, dafür zu kämpfen.

Verneigen wir uns vor dem Lebenswerk von Roland Baader. Mir ist der heutige Preis große Ehre – und noch größere Verpflichtung, diesen Kampf weiterzuführen. Soweit möglich in dem Stil, den Roland Baader selbst meisterlich beherrschte und auch ganz offen bezeichnete als „Popularisierung auf hohen Niveau“. Genau das brauchen Freiheitsgedanken, denn wenn sie vom populus nicht gelesen werden, werden sie nicht mit Überzeugung gelebt.

Mein Aufruf darum – speziell an Politiker und an Jugendliche: Lest Roland Baader! Fast auf jeder Seite wird Wissen sehr klar ausformuliert, das für die wichtigsten Entscheidungen unerlässlich ist. Wenn er mal polemisch war – dann war das nur der Dringlichkeit des Aufrüttelns geschuldet und der Tatsache, dass wir nur re-agieren auf die tägliche intellektuelle Beleidigung durch die Systemmedien, die die Krisenrealität zunehmend nur noch absurd und schizophren-verdrängend darstellen. Baaders warnende Worte dazu: „Wo die Lüge einkehrt, verschwindet die Freiheit.“

Roland Baader hat die Werke vieler freiheitlich-liberaler Geistesgrößen / Riesen seit der Antike auf gut zehn Bücher und mehrere Hundert Aufsätze verdichtet und die Kernthesen in eine relativ kompakte und sprachlich eingängig-prägnante Form gebracht. Damit hat er die Essenz der großen Denker der Freiheit einer zeitknappen Leserschaft zugänglich gemacht. Dies trotz der eingängigen Sprache ohne großen Niveauverlust ggü. den Originalen und ohne inhaltliche Verfälschungen. Natürlich hat er auch eigene, neue Ideen eingebracht – und in diesem Sinne auch die Forschung weitergebracht. Aber ich denke, er würde mir nicht übel nehmen, wenn ich die Vermittlungs-Leistung als sein großartigstes Verdienst bezeichne!

Roland Baader und seine geliebte Frau Uta leisteten diese Vermittlungsarbeit der besseren Idee übrigens auch in der eigenen Familie: Roland Baader sah schon vor Jahrzehnten die grassierende Ver-Bildung der Jugend in Schulen – also das Problem der Vermittlung von Falschwissen: Baader selbst hat erzählt, dass Uta und er sich unter Mühen immer wieder die Zeit nahmen, nach den Schulvormittagen ihrer drei Kinder diesen „ideologischen Schrott“ durch entsprechende, vermutlich nicht politisch korrekte aber eben wahre Erklärungen zum Gelernten wieder aus den Köpfen zu räumen. Wer aber kann das schon zeitlich und intellektuell leisten? Und so bleibt allen anderen nur: „Baader lesen, Baader-Wissen vermitteln!“.

Ich sehe es auch als eigene Aufgabe, die leider zunehmend ausgegrenzten Ideen des Marktes und der individuellen Freiheit an neue Leserschaften heranzutragen. An Leser, die in der systembedingten Hektik des höchstverschuldeten Kondratieff-Vorwinters leider vielfach kaum noch Zeit haben, weil sie verzweifelt im Hamsterrad Milliarden an Zinsen auf Billionen-Gebirge von Kreditfalschgeld erwirtschaften müssen. Wir müssen speziell auch junge Leser erreichen, die in Zeiten der Bologna-und Pisa-Verbildung (für die sie nicht viel können – man lese von Baader „Die belogene Generation“) mangels unmanipuliertem Fakten-und Geschichtswissen oft gar nicht mehr ohne Weiteres in der Lage sind, historisch-ökonomischen Kausalketten zu folgen. Trotzdem müssen wir die abstrakten Freiheits-Werte des Marktes und ihre existenzielle Bedeutung vermitteln und weitergeben. Nicht nur in Buchform, sondern auch in interaktiven Formen wie eben in polit¬ökonomischen Veranstaltungen oder in Artikeln, Internet-Foren und Blogs.

Wie sonst könnte in Zukunft von der Jugend noch das Motto erfüllt werden, das hier gegenüber am Hamburger Rathaus, über dem Haupteingang eingeschlagen ist:

„Libertatem Quam Peperere Majores Digne Studeat Servare Posteritas.“ „Die Freiheit, die die Vorfahren errungen haben, möge die Nachwelt würdig bewahren“

In diesem Sinne ist die heutige Auszeichnung für mich hohe Motivation, weiter mit meinen Mitteln über Markt und Freiheit aufzuklären. Herzlichen Dank dem Preiskomitee für die Roland Baader-Auszeichnung. Danke posthum an Roland Baader für sein Lebenswerk. Und Ihnen für Ihre geschätzte Aufmerksamkeit.

Download

Volltext der Rede Peter Boehringers


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