12. Juni 2013

Euro-Dinner for everyone Dieselben Lügen wie letztes Jahr?

Warnung: Dieser Artikel wirkt sicher lustlos

Die „Deutschen Wirtschafts-Nachrichten“ veröffentlichten in einem Artikel vom 6. Juni eine Situationsanalyse zur Euro-Krise von Gunnar Beck, Jurist an der University of London. In einem anderen Artikel des Portals ging es um die vorsätzliche Täuschung europäischer Bürger durch den IWF. Dieser habe in einem hausinternen Dokument eingestanden, die Prognosen zu Griechenland geschönt zu haben. Natürlich sind solche Enthüllungen für vom Mainstream eingelullte und ‑geschläferte Leser wichtig, könnten sie doch erstens dazu beitragen, dass noch mehr Menschen endlich die Augen öffnen, zweitens dem unseligen, dummen Gerede von den „Verschwörungstheorien“ mit Blick auf die künstlich verschärfte Krise endlich das längst überfällige und wohlverdiente Ende setzen. Für Kenner der Materie kommen sie freilich nicht überraschend, wissen diese doch längst, dass der IWF – zusammen mit der Weltbank – Teil derjenigen mafiosen Strukturen beziehungsweise desjenigen Machtkomplexes der Hochfinanz ist, die der griechischen Regierung den Eintritt in die Währungsunion durch tatkräftige Unterstützung beim Fälschen der Bilanzen überhaupt erst ermöglichte (über Mitarbeiter von Goldman Sachs sowie den ehemaligen Chef der griechischen Notenbank, der vorher Direktor einer der zwölf Banken des hochkriminellen Federal-Reserve-Systems war).

Wer angesichts des Euro-Tohuwabohus heute immer noch argumentieren möchte, es sei doch völlig unlogisch und weit hergeholt zu behaupten, man hätte das alles vorher wissen können, dem sei das neue Buch Dr. Udo Ulfkottes mit dem vorzüglichen Titel „Raus aus dem Euro – Rein in den Knast“ empfohlen. Es enthält einige hochinteressante Äußerungen von Euro-Kritikern der ersten Stunde aus Politik und Wirtschaft, die tatsächlich schon vor Einführung der Einheitswährung in der Lage waren, das angeblich Unvorhersehbare erstaunlich exakt vorauszusagen. Schon dadurch lässt sich jeder Hinweis auf die vermeintliche Unabwägbarkeit oder Unvorhersehbarkeit mühelos widerlegen: Denn wenn schon eine kleine Handvoll deutscher Politiker, Staats- und Verfassungsrechtler sowie Professoren der Wirtschaftswissenschaften dazu fähig waren – glaubt irgendjemand ernsthaft, sie seien die einzigen gewesen? Man habe sich also nirgendwo sonst denken können, was passieren würde? Das mag sicher eine märchenhaft tröstliche Vorstellung sein, nur ist sie höchst unrealistisch. Zur Erinnerung: Es war Alan Greenspan, der in seiner Zeit als Chef der Federal Reserve öffentlich erklärte: „Der Euro wird kommen, aber er wird keinen Bestand haben.“ Hellseherische Geistesblitze? Ganz sicher nicht.

Von der drohenden Transferunion über die endlosen Zerrettungspakete bis zum erwartbaren Endzustand großer sozialer Spannungen und wiederaufflammender internationaler Reibereien wusste der „harte Kern“ der in gewohnt geistloser Manier als nationalsouveräxtremestische Anti-Europazipopulisten besudelten Kritiker tatsächlich schon im Voraus, was geschehen würde. Dabei war kein Hexenwerk im Spiel, keine Zauberei, keine übersinnlichen Fähigkeiten, sondern lediglich eine gesunde Portion Sachverstand. Solchen kann man sich übrigens selbst beibringen; dazu muss man noch nicht einmal Ökonomie-Experte sein. Ein gesundes Maß Neugier und Lernbereitschaft genügt völlig – vorausgesetzt natürlich, es gelingt dem eigenen Vorstellungsvermögen, das schon in der Grundschule antrainierte hochsensible Bewusstsein für gesellschaftlich überaus relevante und zukunftssichernde Themen wie zum Beispiel die Lebensweisen Transsexueller zu sprengen ...

Das Internet-Portal Geolitico schreibt zu den Ausführungen des Universitätsdozenten Gunnar Beck über das merkwürdige Verhalten des Bundesverfassungsgerichts in Sachen Rettungspolitik (es geht um ein bewusstes Hinauszögern des Urteils über den ESM, das Präsident Andreas Voßkuhle anläßlich eines Studentenempfangs an der Universität Oxford angekündigt haben soll): „Das hat Gunnar Beck, wie gesagt, nicht zum ersten Mal geschrieben, der Widerhall in der deutschen Presse ist aber überschaubar, nämlich inexistent. Investigative Anstrengungen, um diese Behauptungen zu verifizieren oder zu falsifizieren, wurden bis jetzt wohl nicht unternommen. Niemanden in der Mainstreampresse scheint es zu interessieren, dass der höchste Richter im Staat eventuell befangen ist, dass er absichtlich ein Verfahren so lange verzögert, bis so viele Fakten geschaffen wurden, dass sie auch ein Gericht nicht mehr rückgängig machen kann.“

Nun muss man über den Mainstream doch eigentlich kein Wort mehr verlieren. Er hat sich durch sein viel zu langes Ignorieren und Totschweigen von Fakten, erst recht durch die fortgesetzten Beihilfeleistungen zu Verbrechen aller Art (vom Totretten des Euro bis zur hurramilitaristisch-euphorischen Unterstützung des „Krieg ist Frieden“-Ungeistes lügenbasierter Kriege) längst selbst ins Abseits geschossen. Ich vermisse ihn schon lange nicht mehr. Er ruhe in Frieden!

Sollten die Behauptungen Gunnar Becks bezüglich Herrn Voßkuhle tatsächlich stimmen, wäre das natürlich ein Justizskandal allererster Güte, der mühelos jedes Dirndl und jede Lederhose platzen ließe. Dann müsste, um weiteren Schaden vom Bundesverfassungsgericht abzuwenden, eigentlich ein sofortiger Rücktritt Voßkuhles die Folge sein. Allerdings müssten diesem dann konsequenterweise noch viel mehr Hüte folgen – nämlich derjenigen, die wider besseres Wissen der Öffentlichkeit nach wie vor dieselben Lügen zum Teuro einsäuseln. Die Frage ist nur: Wie oft muss man das alles denn noch wiederholen? Wie viele (altbekannte) Lügen, „neue“ Skandale und Enthüllungen braucht es, um Schlafschafe von der Weide zu treiben? Da kriegt ja nicht nur der Euro die Krise.


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