18. Juni 2013

Aus dem Bundestag Eintopf fürs Volk

Über die neue grüne Umerziehung

Rot, gelb, grün. Was das bedeutet, lernen wir von klein auf. Bei Rot stehen, bei Grün gehen. Klare Signale im Verkehr, die jeder kennt. Doch Ampeln regeln inzwischen nicht nur den Verkehr.

Für Gaststätten gibt es die Hygiene-Ampel. Die Verbraucherschutzminister der Bundesländer sind Fans von ihr. Wenn es nach den Grünen geht, lenken sie demnächst zusätzlich unser Essverhalten. Die Ampel auf Nahrungsmitteln führt uns ans Licht. Zucker und Fett sind schlecht und Vitamine und Grünkerne gut. Die Ampelfarben zeigen uns an, was die Grünen für gesund und was sie für schädlich halten.

Und was für die Mahlzeit gilt, muss doch auch für die Geldanlage sinnvoll sein. Also ist es konsequent, die Ampel auch für die Vermögensberatung vorzuschreiben. Staatsanleihen sind gut, sicher und grün. Aktien sind schlecht, unsicher und rot.

Zu viel Fleisch ist schlecht für das Klima und gegen den Tierschutz, SUV fahren unsolidarisch und für 199 Euro in den Urlaub zu fliegen, beutet die Arbeiterklasse im Bruder- und Schwesterstaat aus. Gemüse muss „Bio“ sein und Eier kommen aus Freilandhaltung. Neulich habe ich mir einen Heizstrahler für den Garten gekauft, der einen Aufkleber trug: „30 Prozent weniger CO2“ – da kauft man doch mit gutem Gewissen.

Die bis dahin unbekannte Albert-Schweitzer-Stiftung hat jüngst die Bundestagsabgeordneten befragt, ob sie einen verbindlichen vegetarischen Tag, einen „Veggietag“, in der Bundestagskantine befürworten. Kein Scherz: Die Bundestagsabgeordneten sollen darüber entscheiden, ob ihre Mitarbeiter zum Kantinenpreis Fleisch essen dürfen. Für uns Abgeordnete bleibt ja stets der teurere Ausweg in ein Restaurant.

Das Ergebnis der Umfrage spricht Bände. Für einen verpflichtenden „Grünkerntag“ sprach sich eine Mehrheit aus. 86 Prozent der Linksfraktion, 82 Prozent der SPD, 38 Prozent der CDU/CSU, 0 Prozent der FDP, aber 100 Prozent der Grünen. Das Ergebnis zeigt: Die Grünen als postmoderne Jakobiner sind der politische Arm einer Umerziehungskultur. Wenn das so weitergeht, wird bald auch der Eintopfsonntag wieder eingeführt.

Information

Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in der am 24. Juni erscheinenden Juli-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 134


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von Frank Schäffler

Über Frank Schäffler

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige