21. Juni 2013

Obamas Besuch Ick bin ain Börlina ...

... ohne Füllung

Erfolg und Beliebtheit von Politikern lassen sich wunderbar an den Maßnahmen ablesen, die man zu ihrem Schutz aufwenden muss oder aufwenden zu müssen glaubt. So mancher wird sich deshalb angesichts des Abstechers, den das Obembelsche nach Klein-Washington (Codename: Berlin) unternahm, kräftig die Augen gerieben haben. Ist das hier der Irak? Beirut? Irland zu Hochzeiten der IRA? Terrorhauptstadt Berlin? Abgesichert wie eine Festung, die jahrelanger Belagerung standzuhalten beabsichtigt, mussten deutsche Bürger, die das Pech hatten, in der Nähe des Niederkunftortes des Supermaulhelden vom Planeten Krypton zu wohnen, bei sommerlicher Ofenhitze die Fenster geschlossen halten oder beim Spazierengehen Personalien vorzeigen, um dann von der Polizei nach Hause begleitet zu werden. Könnte ja sein, dass Erwin Tortenhuber, Elektroschlosser, 52 Jahre, von al-Qaida auf dem Heimweg ein Scharfschützengewehr zugesteckt bekommt oder Verbindungen zu anderen Terrororganisationen hat. So wie der Präsidentenimitator übrigens selber über seinen Auslandsgeheimdienst, was ironischerweise aber niemanden groß zu stören scheint. Wer beschützt die Bürger eigentlich vor Staatsterrorismus?

Natürlich ist da auch viel politischer Popanz im Spiel, wahrscheinlich bestehen drei Viertel dieses albernen Theaters nur aus protziger Muskelspielerei. Seht nur, wie wichtig ich bin. So wichtig, dass ich die Landeshauptstadt Deutschlands gehörig in Beschlag nehmen und für ehrfürchtige Blicke der indigenen Bevölkerung sorgen kann, die meinen Secret-Service-Agenten mit Knopf im Ohr, Rundumverkabelung, ständigem Funkkontakt zum allsehenden Auge im Drohnen- und Satellitenhimmel und dicker Schusswaffenbeule im Anzug mit leicht geöffnetem Mund dabei zusieht, wie sie mich vor möglichen Anschlägen schützen.

Nun steht das theatralische Auftreten des Allesbesseralsdievorgängermachers, den Selbstinszenierungszeremonien sturztrunkener altsowjetischer Komissköppe oder ägyptischer Pharaonen nicht ganz unähnlich, bekanntlich in umgekehrt porportionalem Verhältnis zu seinen politischen Erfolgen. Man könnte auch sagen: Würde man ihn konsequent an seinen Erfolgen messen, müsste er im Schlauchboot nach Europa paddeln und auf dem Drahtesel zum Kanzleramt radeln, aber sicher nicht Millionen von Dollar an US-Steuergeldern und viel menschengemachtes CO2 in den Himmel blasen, um in großem Stil mit dem Rasenden Falken anzureisen. Jedes Versprechen, das er den Bürgern Amerikas gab, brach er mit schöner Regelmäßigkeit; er kurbelte den militärisch-industriellen sowie Falschgeld-Komplex Amerikas an wie kaum ein zweiter Präsident (um fair zu bleiben: dafür kann er eigentlich nichts, denn er ist ja nur eine Art elitärer PR-Gag); er hält aspartamgesättigte Drei-Wetter-Taft-Reden, ohne jemals etwas wirklich Substantielles zu sagen, wobei man auch hier zu seiner Ehrenrettung hinzufügen könnte, dass er die Reden erstens ja nur abliest und zweitens diese Eigenschaft beileibe nicht nur ihm eignet, sondern eine eigentlich in jeder politischen Kaste weit verbreitete Erkrankung des kognitiven Apparats darstellt (wie sagt man mit schönen Worten möglichst wenig); er lässt sich jede Woche im ovalen Büro eine „Kill List“ vorlegen, anhand derer er dann entscheidet, welcher (angebliche) Terrorist ohne jedes rechtsstaatliche Verfahren und ohne Vorlage eines einzigen Beweises seitens der Administration mittels Drohnenschlag ermordet werden darf, zusammen mit einigen gerade dummerweise in der Nähe herumstehenden Kollateralobjekten (was von großen Teilen der hiesigen Presstitution auch noch bejubelt wird – hey Süßer, ich koste nicht viel und mache alles, was du willst); auch vom Versprechen, Guantanamo World zu schließen, den Vergnügungspark für die ganze Familie, nahm er wieder Abstand. Unter ihm werde die US-Wirtschaft aufblühen, die Schuldenlast Amerikas sinken, Arbeitsplätze aus Butterblumen sprießen, steuerliche Mehrbelastungen werde es nicht geben, auf weitere militärische Abenteuer werde er sich nicht einlassen, kurz: bla. Aber wie gesagt: Wie sollte Obama auch eine Entwicklung stoppen, die schon lange vor seiner Amtszeit ins Werk gesetzt wurde und sich seiner Kontrolle entzieht? Wirft man einen Blick in seine Wall-Street-Lobby (Codename: Kabinett), die zudem, ebenso wie die Lobbys vieler seiner Vorgänger, be- oder besser durchsetzt ist mit hochrangigen Knallchargen aus diversen Philanthropenverbänden (CFR, Trilaterale, Bildergötter), wird schnell verständlich, warum er da nicht viel ausrichten kann. Das Heft haben andere in der Hand, er blättert nur darin und liest draus vor.

Was genau er nun in Berlin wollte? Sicher auch PR betreiben, Public Relations, um seinen schwer beschädigten Ruf als Hoffnungsträger etwas aufzuhübschen. Man darf wohl vermuten, dass auch um die Euro-Krise wieder herumgeredet wurde, vielleicht beriet er sich mit dem Meinmädchenkohl auch über die schöne, neue (und vermeintliche) „Frei“handelswelt aus USA und EU, oder in anderen Worten: Sollte diese Union Realität werden, dürfen Europäer in Zukunft dann nicht nur Goldman Griechensacks traumhafte Erlöse bescheren, sondern wahrscheinlich auch den US-Staatshaushalt refinanzieren. Wie das geht? Beispielsweise über eine (ohnehin schon seit langer, langer Zeit geplante) Fusionierung von Dollar und Euro, ein weiterer Schritt auf dem Weg zur „Weltwährung“, wie man das Ding auch immer nennen will – Amero, Eurollar oder Eumerubel.

Er wird mit der Kanzlerin sicher auch über den Syrienkonflikt gesprochen haben. Hier muss man der Bundesregierung zugute halten, dass sie den geplanten Waffenlieferungen an die Rebellen (also der offiziellen Fortsetzung inoffiziell längst betriebener Politik) – zum Glück! – vorerst skeptisch und zögerlich gegenübersteht. Man muss ja nicht jeden Wahnsinn mitmachen. Vielleicht sogar, wer weiß, über den ebenfalls seit Langem geplanten Einsatz in Somalia. Die entsprechenden Schlagzeilen („al-Qaida-nahe Kämpfer in Somalia gesichtet!“) gab es bereits. Man sollte sich in diesem Zusammenhang (die Abschweifung sei erlaubt) noch einmal daran erinnern, was der amerikanische Vier-Sterne-General Wesley Clarke, ehemals Oberbefehlshaber der NATO-Streitkräfte im Jugoslawienkrieg 1999, einmal in einem Interview zu Protokoll gab. Als er einen befreundeten General kurz nach 9/11 fragte, ob nun ein Krieg mit dem Irak zu befürchten stehe, antwortete dieser: „Es ist noch viel schlimmer. Ich habe hier ein Papier aus dem Büro des Verteidigungsministers. Geplant ist,  sieben Länder in fünf Jahren auszuschalten. Erst den Irak, dann Syrien, den Libanon, Libyen, Somalia, den Sudan – und zum Schluss den Iran.“ Erstaunlich, wie schnell man Al-Qaida-Verbindungen oder „internationalen Terrorismus“ schon damals in aller Herren Ländern auszumachen vermochte. Die Pläne dazu sind also mehr als ein Jahrzehnt alt. Nur als kleine Vorwarnung, damit sich niemand wundert, wenn demnächst eventuell – aus rein humanitären Motiven, versteht sich – hier und dort wieder interveniert werden „muss“.

Das alles und noch viel mehr müsst‘ man verlachen, wenn‘s nich‘ so traurig wär‘. Und nun schlug er also in Berlin auf, begleitet von urkomischen Coverfotos in Nachrichtenmagazinchen, die ihn in die Nähe Kennedys rückten. Obama mit Kennedy zu vergleichen, das ist so, als vergliche man Kai Diekmann mit Peter Scholl-Latour, Charlotte Roche mit Jane Austen, Thomas Gottschalk mit Hans-Joachim Kulenkampff, Richard David Precht mit einem echten Philosophen, Mario Barth mit Woody Allen, Richard Chamberlain als Quatermain mit Harrison Ford als Indiana Jones, Erich Honecker mit einem Libertären, den „Gangnam Style“ mit Musik, Oliver Pocher mit Harald Schmidt, die Grünen mit Intellekt, eine aufblasbare Gummipuppe vom Beate-Uhse-Versand mit einer Frau aus Fleisch und Blut oder Dollar und Euro mit, wie man heute sagen würde, nachhaltigem Geld. Seine gewohnt inhaltsschwache „Wir umarmen uns jetzt alle und knutschen bis zum Umfallen“-Rede hielt er natürlich vor ausgesuchten Gästen. Nicht, dass nachher noch der eine oder andere populistische Buhruf die zarten Präsidentenöhrchen beleidigt. Fenster geschlossen halten bis 23 Uhr, Ausweis vorzeigen, wir begleiten Sie bis zur Haustür. Verkehrsbehinderungen, Staus! Adäquate Spiegelungen des politischen Lebens im realen.


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