01. Juli 2013

Essay Freies Marktgeld, bitte!

Staat, Freiheit, NWO-Demokratur

Winston Churchill soll bekanntlich einmal gesagt haben, die Demokratie sei die schlechteste aller Herrschaftsformen – mit Ausnahme aller anderen. Mit ziemlicher Sicherheit spielte er damit auf eine Frage an, die auch Peter Boehringer in seinem Artikel „Demokratie: Für den bürgerlichen Minimalstaat“ im Rahmen der hitzigen Diskussion Demokratie versus Privatrechtsgesellschaft im Sinne Hoppes stellte: Welche tragfähige, praktikable Alternative zu ihr gäbe es denn? Boehringer behauptet, ohne jede minimalstaatliche Kontrolle, also zentralistisch organisierten Überbau, der einen für alle verbindlichen ordnungsrechtlichen Normenkatalog aufstellt und dessen Zusammenhalt gewährleistet, würde die von Hoppe und seinen Anhängern geforderte 100 Prozent staatsfreie Privatrechtsgesellschaft in eine Art privatextremistische Anarchie, ein „Jeder gegen Jeden“ explodieren. Dass er dabei als Beispiel ausgerechnet private Söldnertruppen wie Blackwater ins Feld führt, dient allerdings nicht seinem Anliegen, denn gerade Blackwater handelt ja im Auftrag des staatlichen Gewaltmonopols und mit dessen Billigung. Oder besser gesagt: Im Auftrag des NWO-Machtkomplexes, auf den sich auch Boehringer in seinem Artikel mehrfach bezieht, aber dazu später mehr.

Ich würde nicht so weit gehen wie Boehringer, manchen allzu glühenden Anhängern Hoppes gleich „Extremismus“ zu bescheinigen, sondern vielleicht eher von „Geschichtsvergessenheit“ sprechen oder einem manichäischen Eifer, der es sich mit seiner „Gut-und-Böse“-Dichotomie zwischen „privat und Staat“ manchmal sicher ein bisschen zu einfach macht. Denn manche Diskutanten scheinen in der Tat zu glauben und erwecken durch ihre Argumentationen den Eindruck, der Staat sei aus dem Weltraum gekommen, um auf dem Rücken der Menschheit zu landen, er sei ihnen ganz überraschend und unrechtmäßig übergestülpt worden. Es habe ja nie einen „Gesellschaftsvertrag“ zwischen Herr und Knecht gegeben, so ließen sich ihre Argumente zusammenfassen, die Macht des Staates beruhe zu 100 Prozent auf Übertölpelung der Untertanen. Zum Übertölpeln gehören aber nunmal zwei: Der Übertölpler und der Übertölpelte. Oder in den Worten Obi Wan Kenobis aus „Star Wars“: „Wer ist der größere Tor? Der Tor oder der, der ihm folgt?“

Sie blenden gerne die Tatsache aus, dass der moderne Staat das Produkt zivilisations- und kulturgeschichtlicher Prozesse ist, die nicht nur Jahrzehnte oder Jahrhunderte, sondern Jahrtausende dauerten. Ich lese immer wieder, Staaten würden willkürlich ein bestimmtes Territorium zu ihrem erklären, um dessen Bewohner dann auspressen zu können. Diese Territorien sind aber nicht nur reiner politischer Willkür entsprungen, sondern beruhen nicht zuletzt auch auf einem nach wie vor aktiven Abgrenzungs- und Gruppenbildungsbedürfnis der Menschen; kulturelle, mentalitätsgeschichtliche, ethnische und andere Grenzpfähle zeichneten die Umrisse heutiger Nationalstaaten in die Weltgeschichte. Es lässt sich darüber streiten, wie wahrscheinlich es ist, dass solche über exorbitante Zeiträume gewachsenen Machtstrukturen und Herrschaftsverhältnisse, die sich quasi in den Köpfen „eingeschliffen“ und das Bewusstsein geprägt haben – erst recht seit Erfindung beziehungsweise Missbrauch massenhypnotischer Indoktrinations- und Dauerbeduselungstechniken (Presstitution, staatliche Schule und Verbildung) –, sich mir nichts dir nichts aus den Köpfen waschen, einfach abschalten lassen durch eine vollständige Abschaffung des Staates – schon wende sich alles zum Besseren. Wer das glaubt, vergisst, dass zu einer erfolgreichen Überwindung überkommener, tradierter Herrschaftssysteme eben immer zwei gehören: der Herrscher sowie der Beherrschte.

Letzterer wird in den Diskussionen „pro und contra Staat“ aber nicht selten außer Acht gelassen; die Frage, wie sich ein erfolgreicher Bewusstseins- beziehungsweise Mentalitätswandel weg vom Untertanengeist hin zu mehr Freiheitssinn bewerkstelligen ließe, geht dabei manchmal fast völlig unter. Die Diskussionen bleiben nicht selten auf staatsrechtlicher oder -philosophischer Ebene stecken – und übersehen dabei die massenpsychologische Dimension auf empirischer Basis. Kleines Beispiel: Ich durfte als Zeitzeuge dem erstaunlichen Spektakel beiwohnen, dass am selben Tag, da eines der folgenschwersten Gesetze der jüngeren europäischen Geschichte abgesegnet wurde („ESM“), die lieben mündigen Bürger in erklecklicher Zahl Fußballergebnissen höchste Priorität gaben. Kurz und schmerzlos: So kann keine Demokratie auf Dauer funktionieren.

Ich bin mir ehrlich gesagt auch nicht sicher, ob eine direkte Demokratie, die mir ebenso wie Boehringer eigentlich symphatisch ist und von der er behauptet, sie hätte die politischen Exzesse unserer Zeit nicht zugelassen, hier tatsächlich zu einem wesentlich anderen Ergebnis geführt hätte. Denn ihr Funktionieren beruht auf einer Grundannahme, deren Berechtigung durchaus fraglich ist: einer gleichmäßigen Verteilung der zur „richtigen“ Beantwortung gesellschaftlich relevanter Fragen nötigen Kenntnisse und Kompetenzen, kurz, alle sind gleich klug, gebildet und informiert, alle treffen zum Beispiel volkswirtschaftlich „vernünftige“ Entscheidungen. Demokratie heißt nun mal Herrschaft der Mehrheit. Kann man wirklich davon ausgehen, dass eine Mehrheit sich in einer unmittelbaren Abstimmung ebenso entschieden hätte wie die gerade mal fünf (!) Euro-Kläger vor dem Bundesverfassungsgericht? Erst recht in einer Zeit, da stattliche Teile dieser Mehrheit entweder auf der „Gehaltsliste“ des Staates stehen oder eben dank erfolgreicher Indoktrination sich gar keine anderen als staatlich organisierte und gelenkte Verhältnisse mehr vorstellen können, also eher zu seinen Gunsten entscheiden beziehungsweise das Abstimmungsergebnis dementsprechend verzerren würden? Zugegeben, solche Fragen sind eher akademischer Natur, denn ob eine direkte Demokratie funktioniert, weiß man banalerweise erst dann, wenn man sie auch ausprobiert, was hierzulande bislang nicht der Fall ist.

Solche Überlegungen haben (von meiner Seite) nichts mit einem negativen Menschenbild oder gar „Volksverachtung“ zu tun, sondern lediglich mit einer nüchtern-realistischen Einschätzung der „Ist“-Situation. Diese wurde in einer neulich auf Facebook kursierenden Karikatur vorzüglich zusammengefasst, wenn auch unter einem anderen Aspekt. Zu sehen waren zwei Theater- oder Kino-Eingänge. Über einem stand: „Wahrheiten, die uns wehtun“ – keinerlei Resonanz. Über dem anderen: „Lügen, die uns unterhalten“ – die Schlange war endlos, ein echter Blockbuster. Professor Hans-Jürgen Bocker sagte zu diesem Problem einmal (aus langjähriger Erfahrung), sobald man bestimmte unliebsame Wahrheiten anspreche, störe man die „Komfortzone“ vieler Menschen, sie würden das nicht gerne hören. Solange das aber der Fall ist, stehen die Erfolgschancen direkter Abstimmungen wiederum zur Disposition. Bevor man also endlose Debatten über die möglichen Vorzüge staatlicher „Soll“-Zustände führt, sollte man erst einmal ausklamüsern, warum die bereits vorhandenen Mitsprache- und Widerstandsrechte von Seiten der Mehrheit eher stiefmütterlich in Anspruch genommen wurden und werden.

Im Grundgesetz steht dieser ominöse Satz, irgendwas mit „... wird Widerstand zur Pflicht“. Ich stimme mit Boehringer deshalb auch überein, dass keinesfalls Grundgesetz oder Verfassung das Problem sind, sondern die regelmäßigen Brüche derselben durch die politische Elite, die er zu Recht als „NWO-Demokratur“ bezeichnet. Wie weit es mit unserer „Elite“ bereits gekommen ist, konnte man unlängst wieder an der Chuzpe Papst Helmut I. ablesen, Ursache und Wirkung zu vertauschen: „In einer Krise darf man nicht so genau auf die Verfassung gucken.“ Als hätte man sich bei der Euro-Zerrettung jemals um die Verfassung geschert, als wären nicht gerade fortwährende Vertrags- und Rechtsbrüche die Ursache der Verschärfung des Debakels. Aber genau das war ja von vornherein Zweck der Übung ganz im Sinne der NWO: Ohne die „eine, große Krise“ lässt sich den Massen die „Neue Ordnung“ eben nicht ohne Weiteres anempfehlen. Um sie errichten zu können, hat man dank des durch elitäre Meisterschaft herbeigeführten Kuddelmuddels dann ja den nötigen Vorwand, die Verfassung und andere hinderliche Rechtstexte endlich aushebeln zu können.

Ich schreibe das alles nicht zur Entlastung oder Rechtfertigung des Staates. Es ist ja völlig richtig: Er bricht regelmäßig die Gesetze, die einzuhalten er seine Untertanen mit elterlicher Strenge und großen (aber meistens leeren) Worten ermahnt. Er möchte sie entwaffnen mit dem kreuzdummen Argument, dies diene der „Sicherheit“, dealt aber selber mit Waffen wie Hein Blöd und führt extrem fragwürdige Kriege (oder beteiligt sich an ihnen), die langfristig höchstens böses Blut aufrühren, das irgendwann wahrscheinlich zurückspritzen wird (aber auch das ist gewollt: schaffe mehr „Sicherheitsbedürfnis“ bei den Bürgern, das natürlich nur durch mehr staatliche „Sicherheitsmaßnahmen“ zu decken ist ...). Er gibt vor, den internationalen Frieden zu fördern qua Beseitigung „böser“ Regime, während er gleichzeitig solche unterstützt, die er gemäß den eigenen Ansprüchen, doch nur Ringelpietz mit Anfassen in den Rest der Welt tragen zu wollen, theoretisch sofort bombardieren müsste (Assad muss weg, aber Panzer für Saudi-Arabien – wollt ihr mich verarschen?).

Er kriminalisiert mit kriminellem Elan jeden sogenannten Steuerhinterzieher, genehmigt sich selber aber gerne mal das eine oder andere Schlupfloch. Alle sollen sich an die Regeln halten, natürlich vor allem die Knechte, aber ranghohe Staatsbeamte naschen selber gerne heimlich aus Töpfen, die sie öffentlich als Giftschränke für das sogenannte „Gemeinwohl“ etikettieren. Er wird nicht müde, in greller Überzeichnung beziehungsweise Verzerrung der tatsächlich herrschenden ökonomischen Verhältnisse der freien Marktwirtschaft oder dem Kapitalismus die Schuld an allen Verwerfungen unserer Tage zu geben, beweist aber durch ineffizientes Wirtschaften und sinnloses Verbrennen marktwirtschaftlich erschwitzter Steuergelder höchstes ökonomisches Ungeschick.

Er gibt vor, sich mündige, gut informierte, selbständig denkende Bürger zu wünschen, händigt diesen dann aber statt Informationsmappen zur volkswirtschaftlichen Weiterbildung lieber Bummsköfferchen aus, in denen die Kleinen lernen, wie man es sich selbst macht, damit sie nicht merken, dass sie es vom Gang Bang des Staates schon genug besorgt bekommen. Er dämonisiert herzlich wenig überraschend das herrlich dezentrale Internet als Hort des Terrorismus oder erklärt es zum vermeintlich „qualitätsmindernden“ Pfuhl für Vollidioten und Derhatjaeinenknalltheoretiker, während er über eine mittlerweile beängstigend gleichgeschaltete, angebliche „Vierte Gewalt“ (wohl eher Fünfte Kolonne) Tag für Tag und Woche für Woche Propaganda, Desinformation und zwerchfellzerreißend dämliche Gehirnwäsche in allerfeinstem Orwellschem Neusprech als massenhypnotische Staatspheromone versprühen lässt („die im Volk äußerst beliebte Angela Merkel“; „der im Volk äußerst beliebte Wolfgang Schäuble“; „Angela Merkel und Wolfgang Schäuble sind im Volk äußerst beliebt!“; „Jetzt glaubt das endlich, oder wir heulen!“). Stefan Blankertz brachte diese Problematik in seinem „Libertären Manifest“ auf den Punkt: Der Staat gibt vor, die Menschen vor ihrer Schlechtigkeit schützen zu wollen, wird aber von Menschen gemacht. I rest my case.

Genug Kabarett. Boehringer traf den Nagel zielsicher auf den Kopf: Falschgeldsystem und die von ihm finanzierten „selektiv korrupten Eliten“ („NWO-Demokratur“) sind die Hauptursachen unserer heutigen Probleme. Wir haben eine repräsentative Demokratie, ja – nur repräsentiert sie leider nicht das Volk. Um kurz auf den „NWO-Machtkomplex“ einzugehen – er lässt sich in wenigen einfachen Worten beschreiben, man braucht es nicht unnötig zu verkomplizieren: Es handelt sich um eine unheilvolle Verbindung aus privatem, dynastischem Geld- und staatlichem Gewaltmonopol. Entgegen einer immer noch weit verbreiteten Meinung haben wir es nicht mit einem ausschließlich staatlichen Geldmonopol zu tun. Dieses befindet sich im Besitz weniger Familien beziehungsweise Dynastien, die, ebenso wie andere Dynastien (oder Monarchien) vor ihnen in der Menschheitsgeschichte, eine möglichst langwährende Kontinuität ihrer Machtposition und ihres Herrschaftsmodells dadurch sicherzustellen trachten, dass sie erstens bekanntlich fast ausschließlich interfamiliär heiraten und zweitens die Spitzenpositionen in den von ihnen kontrollierten Unternehmungen möglichst nur mit ihresgleichen besetzen (über sogenannte „interlocking directorships“, „verzahnte Direktorien“).

Man könnte von einem Finanz-, Industrie- und Polit-„Adel“ sprechen, der peinlichst genau darauf achtet, dass nach Möglichkeit nur diejenigen in Führungspositionen aufsteigen, die mit ihrer Agenda kompatibel sind. Wer abweicht, verliert – je nach seiner Position in der Nahrungskette beziehungsweise auf der Machtpyramide – entweder „nur“ seinen Job oder gar sein Leben. Ihr Personal rekrutieren sie mittels strenger ideologischer Zuchtwahl aus diversen „Geheimgesellschaften“. Weshalb ich übrigens auch nicht verstehe, warum manche sich nach der Monarchie zurücksehnen, hörte diese doch strenggenommen nie auf zu existieren. Sie wechselte lediglich den Besitzer und die Methoden. Was unser Geldsystem betrifft, haben wir nach wie vor eine Art Aristokratenherrschaft; die heutige Scheindemokratie, die Illusion, zwischen Alternativen wählen zu können, beruht auf der irrigen Annahme, innerhalb eines Käfigs voller Narren (Ponzimonopol), zu dessen Insassen auch das politische Playmobilpersonal gehört, sei eine „freie Wahl“ möglich. Das erwartbare Schlafschaf-Mähmäh, es handele sich dabei um Dasistdochallesquatschtheorien überlassen wir denjenigen, die nichts dazulernen und auch weiter ins offene Messer laufen wollen.  

Warum diese an Paranoia grenzende Geheimhaltung, die schon um die Gründung einer der verhängnisvollsten Erfindungen der Geschichte, das Federal-Reserve-Falschgeldsystem, betrieben wurde? Simpel (und damit wären wir bei der Machtproblematik): weil ein Mensch, der nicht weiß, dass er an einem Pokerspiel mit gezinkten Karten teilnimmt, dieses für ganz „natürlich“ halten wird, für eine Kette voneinander unabhängiger, zufälliger Ereignisse, für historische „Schicksalhaftigkeit“. Wann hätte Herrschaft sich jemals gerne in die Karten schauen lassen? Um ihr Widerstand leisten zu können, muss man sich ihrer Existenz und ihrer Wirkungszusammenhänge erst einmal bewusst sein.

Das bedeutet natürlich nicht, dass nun jedes einzelne wirtschaftliche oder politische Ereignis inszeniert, jede Wahl, jede Zeitungsmeldung manipuliert wäre. Wir werden den Ursachen der heutigen Misere (auf wirtschaftlicher wie politischer Ebene) aber nie auf den Grund gehen, wenn wir die andere Extremposition beziehen, uns also weiterhin in die Tasche lügen und so tun, als nähmen diese Kreise überhaupt keinen Einfluss auf das Weltgeschehen. Im Gegenteil, ihr Einfluss ist immens und es ist höchste Zeit, ihn zurückzudrängen; ansonsten wird auch eine direkte Demokratie eher schlechte Karten haben. Hier hilft nur unermüdliche Informations- und Aufklärungsarbeit, die auch jeder einzelne für sich selbst leisten muss, da man sie vom Mainstream eher nicht erwarten kann. Die brandgefährliche Verbindung aus privatem Bankenkartell, also aus feudalistisch-dynastischem Falschgeld, mit dem staatlichen Gewaltmonopol sowie dem militärisch-industriellen Komplex stellt die größte Bedrohung unserer Zeit für Frieden und Freiheit dar.

Ich bin deshalb felsenfest davon überzeugt, dass „freies Marktgeld“ in diesem Sinne ein äußerst wichtiger Schritt wäre, eine praktikable Lösung, um dem „NWO-Monopol“ entgegenzuwirken und seine Macht in die Schranken zu weisen. Ein solches System konkurrierender Marktgeldsysteme könnte sich auch sehr positiv auswirken auf von Staatskritikern zu Recht befürchtete, etwaige wiederaufflammende Machtgelüste und -mutationen eines ranken und schlanken Minimalstaates hin zu einer Riesenkrake – ganz einfach deshalb, weil die Bürger des betreffenden Staates dann ja die Wahl hätten zwischen miteinander im Wettbewerb stehenden Systemen. Ihr wollt unser Geld verhunzen? Kein Problem, dann wechseln wir eben zu einem Konkurrenten, der ein anständigeres, ehrlicheres Geschäftsgebaren an den Tag legt, der nicht die Vermögen seiner Anleger, Sparer und Rentner kaputt inflationiert. Diese Möglichkeit besteht derzeit ja (leider) nicht. Die Menschen sind auf Gedeih und Verderb dem Kreditbetrugsmonopol ausgeliefert, in den USA also dem Dollar, in der EU dem Euro. Ich hab‘s so im Urin, dass ein Minimalstaat, eingebunden in ein solches System konkurrierender Marktgelder, es sich dreimal überlegen würde, bevor er pausenlos Recht und Gesetz bricht und seine Bürger beklaut wie die Panzerknacker auf Koks. Das mag – im anarcholibertären Sinne – keine hundertprozentig zufriedenstellende Lösung sein (ob es eine solche überhaupt gibt, sei dahingestellt), aber auf jeden Fall ein erster, bedeutender Schritt hin zu mehr Freiheit.

Es gibt nichts Gesünderes als einen Wettbewerb der Ideen im Misesschen Sinne. Wer weiterhin am Geldsozialismus (und seinen scheindemokratischen Pirouetten) festhalten will, braucht doch nur einen Blick auf den Scherbenhaufen zu werfen, den er derzeit Woche für Woche vor unser aller Augen weiter auftürmt. Eine Monopolstellung, erst recht bei etwas für Volkswirtschaften so lebenswichtigem wie Geld, wird meiner Meinung nach immer, ausnahmslos, der denkbar größte Magnet für Machtmissbrauch und Korruption sein. Ich werde deshalb bei der anstehenden Bundestagswahl keiner Politik meine Stimme geben, die dieses Problem nicht entschlossen und konsequent angeht. Ich wähle keinen Politiker, der meint, mir Sand in die Augen streuen und mich verblöden zu können: Steuererhöhungen, die Reichen sind schuld, die Wirtschaft möge doch bitte den Staatshaushalt sanieren, den politische Bauchrednerpuppen versaut haben, „schärfere“ Gesetze gegen Finanzmarkt und Banken beziehungsweise immer neue Regulierungen und ähnliche Augenwischereien – die, das ist so sicher wie das kirchliche Amen, in Zukunft ebenso leicht aufgeweicht oder umgangen werden wie in der Vergangenheit. Siehe „LIBOR“-Skandal trotz vorhandener Bankenaufsichtsbehörden und diverser anderer „Kontrollinstanzen“, beispielsweise des sich bei der Euro-Zerrettung selbstverständlich „aus Versehen“ verrechnenden, „unabhängigen“ IWF (der ja Teil der Hochfinanzmafia ist). Damit braucht man mir nicht mehr zu kommen. Jede Partei, die sich nicht klipp und klar gegen das bestehende Geldschöpfungsmonopol und die dahinterstehenden Machtverhältnisse wendet, ist für mich unwählbar. Erst nach Klärung dieser Verhältnisse, erst, wenn diese Schattenpolitik und -herrschaft, das Wissen über ihre Existenz und Funktionsweisen öffentlich diskutiert wird, werden wir überhaupt eine Chance haben, ihr entgegenzuwirken. Ansonsten besteht die große Gefahr, dass wir nur von einer Machtmatrix in die nächste stolpern.

Ich bin außerdem überzeugt, dass ein solches System wettbewerblicher Marktgelder langfristig auch den oben angesprochenen Mentalitätswandel mit sich brächte – weg von Zentralismus, Etatismus, Kollektivismus, hin zu mehr bürgerlichem Eigensinn, einem schärferen Bewusstsein für die „Machtproblematik“ sowie einem regeren Interesse an wirtschaftlicher Freiheit. Und wer weiß – vielleicht lässt sich dadurch eines Tages ja tatsächlich die schöne Utopie vom staatsfreien Miteinander verwirklichen.


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