30. Juli 2013

Überwachung Invasion der intelligenten Maschinen vom Mars

Sie wollen doch nur spielen!

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„Im Verfolg unserer informationellen Freiheit untergraben wir die Freiheit“, schrieb Thomas Schmid in seinem Artikel „Die wohlfeilen Gedanken des Joachim Gauck“ vom 26. Juli auf Welt Online im Rahmen der Diskussion über die „Causa NSA“. Eine völlig verquere Logik: Indem man etwas tut, das in freiheitlichen Gesellschaften eigentlich selbstverständlich sein sollte, nämlich seine Freiheiten zu nutzen, unterminiert man sie. Nein. Eben nicht. Und schon gar nicht „wir“: Es sind nicht diejenigen in Verantwortung zu nehmen, die doch tatsächlich geglaubt haben, sich unbehelligt, unbeschnüffelt und -beglubscht im Netz bewegen zu können, sondern diejenigen, die ihre pathologische Überwachungs- und Kontrollsucht, ihr virulentes Machtmenschentum im angeblichen Interesse der „Sicherheit“ nicht in den Griff bekommen.

Es ist kein „wir“, das seine Freiheit selbst bedroht, sondern ein außer Rand und Band geratener Moloch namens zentralistische Macht und Herrschaft, der sich da austobt. Schmid weiter: „Wir sondern, meist freiwillig, das riesige Datenmaterial ab, das intelligente Maschinen ohne böse Absicht in Machtwissen umschütteln, das am Ende die Idee vom Menschen als Subjekt gegenstandslos machen könnte.“ Schon richtig, dass wir freiwillig viel von uns preisgeben, auf Facebook, Twitter, Google+ und diversen anderen sozialen Netzwerken. Ebenso richtig aber ist, dass niemand die Überwacher zwingt, mitzulesen, Datensammlungen und Persönlichkeits- sowie „Bewegungs“-Profile anzulegen und von technokratischer Omnipotenz und -präsenz zu träumen. Schmid suggeriert fälschlicherweise, es handele sich lediglich um eine Art verselbständigten technischen Rationalismus, dessen Produkte quasi ein Eigenleben zu führen beginnen, um automatisch ablaufende Mechanismen einer technetronischen Sphäre, die nicht mehr in Haftung menschlicher Moralbegriffe genommen werden könne. Er blendet damit vollständig aus, dass die sogenannten „intelligenten Maschinen“ nur so intelligent sind wie ihre Programmierer, nur so gut oder böse wie die Motive ihrer Benutzer. Es stecken sehr wohl höchst dubiose Absichten hinter der Nonstop-Bespitzelung; die Computer der NSA und anderer Geheimdienste sammeln ihre Daten nicht aus Langeweile im Standby-Modus, unschuldig mit den LEDs ihrer Harddisk-Betriebsanzeige zur Decke blinzelnd, weil sie sich in ihrer harmlosen Intelligenz unterfordert fühlten, sondern weil sie zum Zwecke der Überwachung programmiert wurden – von Menschen. Es ist kein zu Bewußtsein gelangtes Skynet nach dem Vorbild aus James Camerons „Terminator“, sondern politisches Kalkül. Es ist kein ethisch ungreifbares maschinelles, sondern bewusstes menschliches Macht- und Herrschaftsstreben, das darauf abzielt, vom Hügel technischer Superiorität die Massen generalstabsmäßig überblicken zu können. Es ist kein noch ungenügend reflektiertes Anders'sches „prometheisches Gefälle“, das den Menschen in Unfreiheit und Unmündigkeit stürzte, sondern eine Bande größenwahnsinniger Technokraten.

Link:

„Die Welt“: „Die wohlfeilen Gedanken des Joachim Gauck“


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