14. August 2013

Wochenrückblick Wahnsinn, warum schickst du mich durch die Presse?

Schon toll, was man mit dem gedruckten Wort so alles machen kann

War eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis man auch hierzulande versuchen würde, skeptischen Bürgern kontroll- und überwachungspathologische Symptome des Neototalitarismus irgendwie etwas schmackhafter zu machen. Neigt man in Deutschland doch schon länger dazu, so manchen Trend aus Politik, Falschgeldwirtschaft oder Film- beziehungsweise Propaganda-Industrie des Unrechts- und Schurkenstaates USA, in dem mittlerweile kaum ein Tag vergeht, ohne dass aufmüpfige Bürger wegen schiefer Blicke sofort zu Boden getasert werden, Regimekritikern schnell die Steuerbehörde IRS auf den Hals gehetzt wird, um sie mit endlosen Papierbergen zum Schweigen zu bringen und in die Verzweiflung sowie ins innere Exil zu treiben oder Senatoren wie „Insane McCain“, wie er sogar von Parteikollegen genannt wird, sich einen gar nicht so kalten Krieg zurückwünschen, schnell nachzuäffen.

Kein Wunder also, dass Deutschlands bekannteste Zeitung zur Überbrückung der Zeitspanne zwischen abführend wirkendem Frühstückskaffee und herzhafter Defäkation, die „BILD dir transatlantische Meinungen“, nun ein hochnotpeinliches Scheingefecht mit dem „Zerrspiegel“ inszeniert, dem ehemaligen Nachrichtenmagazin für Leser, die das Denken gerne in die ideologische Leitzentrale in Hamburg outsourcen. Ganz nach dem Vorbild der urigen Untertanen-Einschüchterungs- und Versaudummungsaktion „Al-CIAda nach Gefängnisausbrüchen jetzt um 50 Prozent gefährlicher! Greifen Sie zu, solange der Agitationsvorrat reicht!“, wurde jetzt in Deutschland schnell eine „Light“-Version des US-Vorbildes auf die Beine gestellt, ein kleines Remake sozusagen, Tenor: Habt euch nicht so. Es dient doch wirklich nur guten Zwecken! In diesem Fall dem Aufspüren eines entführten Journalisten. Ja nee, is‘ klar. Sowas kommt natürlich wieder rein zufällig genau dann, wenn das Stimmungskesselchen pfeift – genau wie mein Schwein, wenn man allen Ernstes von mir erwartet, für dieses C-Movie auch noch ein Ticket zu lösen, ohne dass man mir dafür zum Trost wenigstens eine große Tüte Popcorn hin- und eine 3D-Brille bereitstellt. Wenn ihr mich schon unbedingt für dumm verkaufen wollt, dann gebt euch dabei doch bitte ein bisschen mehr Mühe.

War ja schon das Original-Drehbuch nur schwer zu ertragen. Es enthielt zum Beispiel Dialoge wie folgende:

„Hi Achmed, was gehd'n?“
„Hey Abdullah, Alda, un wie? Hasse das Uran für die schmutzige Bombe schon zusammen?“
„Jo. Hab's innem alten Wäschetrockner im Keller zusammengeschleudert.“
„Cool. Und den Bio-Shit?“
„Auch fett. Lieferung kommt nächste Woche per Post.“
„Also nächste Woche Schnupfen in New York, danach Pilze in Washington?“
„Alda, aber sowas von! Grüß Fatimah von mir!“

Wie konnte die Obembel-Administration erwarten, solche hurtig zusammendilettierten No-Brainer hätten auch nur den Hauch einer Erfolgschance? Der Zuschauer sollte also glauben, die Gangstarapper von al-Qaida würden – in vollem Bewusstsein, ein bevorzugtes Ziel der Nachrichten- und Geheimdienste, mithin also auch der National Stasi Agency, zu sein und rund um die Uhr beäugt und belauscht zu werden – am Telefon (nochmal: am Telefon!) ganz entspannt ihre Terrorpläne beschnacken? Das üben wir aber nochmal. Obwohl ... vielleicht ist gerade das ja die Folge eines Überkonsums schlechter Action-Blockbuster, deren Storys nicht selten noch viel krassere Logiklöcher aufweisen. Abgefärbt?

Die GJ (Grünfaschistische Jugend) ruft in Kooperation mit autonomen Sturmabteilungsleitern zu entschlossenem Handeln gegen die AfD auf. „Raus ihr Europa-Skeptiker, raus ihr Europa-Skeptiker“, zetern die Berufstoleranzler, die unermüdlich gegen jede tatsächliche oder auch nur vermeintliche Form von Rechtsextremismus tapfer kämpfen – und dabei nicht merken, wie sehr sie sich in Denken und Handeln bereits angepasst haben. Die AfD, hieß es, habe angeblich sogar über einen Abbruch ihrer Wahlkampfbemühungen nachgedacht. Nun könnte man das alles nur der grün-jugendlichen, demokratischen Schutzstaffel und ihren autonomen Benzin- und Steinelieferanten in die Schuhe schieben, aber das wäre unfair. Schließlich setzen sie dabei doch nur konsequent das in die Tat um, was ihnen von Berliner, Hamburger, Frankfurter oder sonst irgendwelchen Würstchen monatelang vorgebetet wurde: Europa-Skeptiker! Populistische Euro-Kritiker! Rechtspopulisten! Nationalistische Souveränitisten! Ach, das hört ihr nicht gerne? Tja, Wahrheit tut weh. Ihr habt zu dieser Stimmung wesentlich mit beigetragen. Früher nannte man sowas Hetze, Verleumdung, Diffamierung, stammtischige Stimmungsmache oder auch nur politische Arschküsserei. Heute liegt es als mehrlagiges Premiumqualitäts-Toilettenpapier an Kiosken aus.

Jakob Augstein quetschte mal wieder einige Tropfen sozialphilosophischer Brillanz aus seinen gordisch verknoteten Hirnsträngen und mahnte, die Menschen müssten sich entscheiden zwischen „Demokratie und Kapitalismus“. Wer rührt dem Mann bloß jeden Morgen die Drogen in den Kaffee? Abonnenten werden sich darüber jedoch freuen, denn Publikationen wie der „Zerrspiegel“ oder der „Freitag“ werden demnächst gratis zu haben sein. Ja nun? Oder möchte Herr Augstein etwa auch noch Geld mit dem von ihm verlegten Schriftwerk verdienen? Ist der Mann etwa anti-demokratischer Kapitalist? Früher mussten solche Leute nachsitzen oder besuchten gleich Schulen für Lernbehinderte. Heute erben sie bekannte Namen und werden Verleger. Dann aber jammern, wenn Kulturpessimisten seufzen: Es geht bergab!

Die deutlich fühlbare Teuerungsrate von Lebensmitteln, ja also, äh, ist die Schuld von Missernten. An sich ist daran auch nichts auszusetzen. Natürlich kann es vorkommen, dass die Verknappung irgendwelcher Güter – aus welchen Gründen im Einzelnen sie auch immer erfolgte – für ihre Verteuerung sorgt. Dass man aber dank Vorwahlkrampf glaubt, die Bürger über die wahren Ursachen, die eben nicht nur in schlechten Witterungsbedingungen, sondern volkswirtschaftlich verhagelten Entscheidungen in Sachen Währungspolitik zu suchen sind, ständig hinwegtäuschen zu können, dieser immer größere Risse zeigende Theatervorhang wird spätestens nach der Bundespuppenkistenwahl im September gelüftet beziehungsweise weiter zerfleddert. Man muss leider davon ausgehen, dass solche Meldungen eher den Zweck erfüllen, Wähler zu narkotisieren und zu paralysieren, damit sie das Kreuz wieder zum selben Berg tragen.  Möchte man den letzten Umfragewerten glauben, steht zu befürchten, dass die im Volk äußerst beliebte schwarz-gelbe Koalition der Erfüllungsgehilfen auch nächstes Jahr wieder den im Volk äußerst beliebten Karlspreis für ihre Bemühungen um eine im Volk äußerst beliebte, stärkere falschgelddoktrinäre Integration beziehungsweise Inflationierung und Verarmung Europas bekommt. Sollte die AfD bis dahin nicht vor den Grünhemden in die Schweiz oder irgendein anderes Land geflohen sein, könnte sie ebenfalls den Sprung schaffen. Vielleicht sogar die einzige Gruppierung momentan, die das Ponzi-Monopol ins Visier nimmt, aber ich möchte hier keine Werbung für eine Partei machen, sondern gebe der Vernunft den Vorzug und schaue pfeifend zur Decke.


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