26. August 2013

Serie (A)Soziale Marktwirtschaft

Serienstart

Es ist schon ein kleines Wunder, daß die Politik sich nach dem zweiten Weltkrieg für eine marktwirtschaftliche Ordnung entschieden hat. Die Zeichen der Zeit standen auf Planwirtschaft. Die jahrzehntelange sozialistische Propaganda hatte den Kapitalismus scheinbar endgültig diskreditiert. Die großen Volksparteien SPD und CDU setzten auf die Verstaatlichung der Schlüsselindustrien. Deshalb muß man den beiden Gruppierungen Gesellschaft für wirtschaftswissenschaftliche und soziologische Forschung um Walter Eucken und dem Freiwirtschaftsbund um Otto Lautenbach, die die Aktion Soziale Marktwirtschaft gegründet haben, einigen Respekt zollen, daß sie sich mit einem marktwirtschaftlichen Wirtschaftskonzept durchgesetzt haben. Sie haben maßgeblich den damaligen Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard beeinflußt.

Nach 50 Jahren “Sozialer Marktwirtschaft” ziehen wir Bilanz. Und die sieht nicht gut aus. Eine Staatsquote von über 50 Prozent, die Staatsverschuldung ist auf über 3 Billionen DM angewachsen, über 4,5 Millionen Menschen sind erwerbslos und die Sozialversicherungssysteme sind marode. Dies alles läßt an dem Erfolg der Sozialen Marktwirtschaft zweifeln.

Diese Serie zeigt die Gewinner und die Verlierer der Sozialen Marktwirtschaft. Gewinner des Bürgerkrieg um den Steuerkuchen sind die großen Lobbyverbände wie z.B. die Gewerkschaften, die durch ihr staatlich abgesichertes Monopol marktgerechte Löhne verhindern und somit Erwerbslose von der Arbeit aussperren. Wohnungsunternehmen, die Milliarden durch das System des sozialen Wohnungsbaus verdienen. Subventionierte Werften und Bergwerke, die unwirtschaftlich arbeiten und damit notwendige Gelder für den Strukturwandel unproduktiv nutzen. Staatliche Zwangskrankenversicherungen und Pharmaverbände, die alternative Behandlungsmethoden und schwarze Listen für unbrauchbare Medikamente verhindern. Eine staatliche Rentenversiche rung, die über 20 Prozent des Bruttoeinkommens wegsteuert, die dies in absehbarer Zeit mit einer Einheitsrente auf Sozialhilfeniveau belohnt. Dies sind nur ein paar der unzähligen Beispiele, die wir in der Serie um das Mysterium der Sozialen Marktwirtschaft genauer in die Lupe nehmen und aufzeigen wie der “Rheinische Kapitalismus” wirklich ist, weder kapitalistisch noch sozial.

Information

Diesen Artikel entstammt der im März 1998 erschienenen Ausgabe eigentümlich frei Nr. 1


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Jörn Grunert

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