13. September 2013

Alternative für Deutschland „Spiegel“ auf „BILD“-Niveau

So macht man Propaganda

Das einstige Flaggschiff der deutschen Presselandschaft „Der Spiegel“ hat offenbar ernsthafte Probleme. Seit Jahren befindet sich die Auflage im Sinkflug und die verbleibende Leserschaft vergreist mit dem Blatt. Nun entschied sich die Verlagsleitung, mit der Zeit zu gehen. Die allgegenwärtige Boulevardisierung der Medien soll nun wohl auch dem „Spiegel“ neue Leserschichten erschließen. Statt profunder politischer Analysen wird dem „Spiegel“-Leser eher seichte Kost vorgesetzt.

Der Trend sollt durch den Wechsel des „BILD“-Reporters Nicolaus Blome in die Chefetage des „Spiegels“ auch personell zementiert werden. Dabei wäre es gar nicht nötig. Die „Spiegel“-Reporter liefern sich bereits jetzt ein Wettrennen mit Ihren Kollegen vom „BILD“ um die dreckigsten, manipulativsten und am schlechtesten recherchierten Artikel.

Ein schönes Beispiel ist die Berichterstattung über die AfD. Beide Blätter arbeiten hier bereits jetzt mit den gleichen Methoden.

So wird zum Beispiel im Inhaltsverzeichnis der aktuellen Ausgabe des „Spiegel“ ein Artikel über die AfD mit den Worten angekündigt: „Extremisten: Rechtsradikale unterwandern die Alternative Deutschland.“ In dem so beworbenen Text von Melanie Amann findet sich jedoch für die Behauptung kein Beweis. Trotzdem postuliert man in der zweiten Überschrift: „Die ersten Landesverbände warnen vor Unterwanderung“.

Die Quelle der Behauptung ist ein Zitat des Hamburger AfD-Chefs Jörn Kruse. Der Beweis liest sich dann so: „Der Hamburger hört auch von AfD Mitstreitern aus Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt Klagen über rechten Zulauf“. Recherche nach Hören-Sagen also. Naja, wozu die ganzen Länder bereisen, wenn man die Infos zum Ortstarif auch in Hamburg bekommt, nicht wahr? Schließlich muss man bei den sinkenden Einnahmen aus dem Verkauf kostenbewusst arbeiten.

Neben Kruse fährt der „Spiegel“ dann  noch einen Zeugen der Anklage auf: René Stadtkewitz, den Chef der gescheiterten Partei „Die Freiheit“. Der „schätzt“, es seien insgesamt 350 von 2600 Mitgliedern der Freiheit in drei Wellen zur AfD übergewechselt. (Dabei Hatte die Freiheit nie mehr als 2000 Mitglieder. Nachdem sie im September bei der Wahl ins Berliner Abgeordnetenhaus ganze 1% der Stimmen bekam, und dadurch nicht einmal in die Gunst der Wahlkampfkostenrückerstattung kam, verließ knapp die Hälfte der Mitglieder das sinkende Schiff, so dass sie im Moment realistisch gesehen bei knapp  1000 Mitgliedern sein dürfte.)

Mit der gleichen Masche arbeitet auch die „BILD“. In einem am 24. Juni dieses Jahres auf bild.de veröffentlichten, lieber nicht namentlich gekennzeichneten Glanzstück des investigativen Journalismus, reichte der „BILD“-Zeitung als Beweis für die Unterwanderung der AfD durch rechte Kräfte die Aussage des NPD-Vize Uwe Meenen, er habe auf dem AfD-Parteitag gut zwei Dutzend bekannte Gesichter gesehen.

Eines muss man dem „Spiegel“ zu Gute halten. Er bringt im Fließtext dann doch auch ein Paar Fakten unter, welche die tendenziösen Überschriften-Kreationen etwas relativieren. Wer sich also durch die Horror-Überschriften hat nicht abschrecken lassen und den ganzen Text liest, bekommt in dessen zweiten Hälfte Erstaunliches zu lesen. Zum Beispiel die Tatsache, dass „gemessen an den 16.000 AfDlern die Zahl der unerwünschten Freunde sehr klein sei“ und „viele weder Amt noch Listenplatz hätten“. Aha. Es sind also wenige, haben keinen Einfluss, sind aber trotzdem sehr, sehr gefährlich.

Wie schön, dass die Autorin des Textes, Frau Amann, ihren Lapsus mit der zu hohen Anzahl der Freiheit-Mitglieder noch im gleichen Artikel mit einer nach unten korrigierten Anzahl an AfD Mitgliedern auszugleichen versucht. Von denen gibt es nämlich mittlerweile über 20.000. Und: „Die allermeisten Mitglieder haben keine rechten Positionen. Wir sind eine Partei der Mitte“, so Elke Fein, AfD-Vorstandsmitglied in Baden-Württemberg.

Liebe „Spiegel“-Jungs und -Mädels: Toi, toi, toi. Das macht Ihr wirklich schön. Ihr seid auf gutem Weg! Aber an Euer großes Vorbild, die „BILD“, kommt Ihr doch noch nicht ganz heran.  Die schaffte es tatsächlich, in einem Beitrag von Hanno Kautz und Stephan Haselberger einen Absatz mit der Beschreibung des tätlichen Angriffs von vermummten Tätern auf Bernd Lucke mit der Überschrift zu versehen: „Die Partei schürt Hass“.

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