24. September 2013

Fidel Castro Die antisemitische Revolution

Kapitalismuskritik in ihrer natürlichen Endphase

Antisemitische, antiliberale Ideologien gehören zum festen Inventar des sozialistischen Gedankengebäudes. Von den braunen, den nationalistisch gesinnten Sozialisten kennt man eine solche Denke zur Genüge. Doch in Vergessenheit geraten scheint mehr und mehr, dass auch ihre roten Genossen immer wieder eifrig gegen die jüdische Religion als vermeintlichen Quell des ach so schäbigen Kapitalismus wetterten. Nicht minder scharf. Nicht minder aufrührerisch. Nicht minder bösartig. Bis in die heutige Zeit spielten und spielen die Kollektivisten mit den Derivaten antisemitischer Hetze. Wenn auch in feinster Körnung. Süßlich verpackt in allerlei Kokons eines „gerechten“ Kampfes gegen den Markt, gegen das Individuum, gegen das Eigentum. Der spitznasige, im mit Golddukaten gefüllten Tresor badende Geldsack spukt auch heute noch im Kopf manch eines verträumten Salonbolschewisten. Was dieser heute nur ungern zugeben möchte: Seine Altvorderen waren dem braunsozialistischen Despoten aus Braunau auf ideologischem Feld allzu oft allzu nah. Von einem dieser gespenstischen Weisen soll nun berichtet werden.

Zu Beginn der 1940er besuchte Fidel Castro eine von spanischen Jesuiten geführte katholische Schule. Seine Lehrer sympathisierten offen mit dem europäischen Faschismus. Er selbst suchte als 15-jähriger Jungspund noch seine ideologische Prägung. Und fand sie. Über den Campus der Schule spazierte er gern mit Hitlers „Mein Kampf“ in den Händen. „Der Verrückte“ nannten ihn seine Mitschüler. Auch und besonders weil er gerne Mussolinis und Hitlers Gesten und Mimik vor dem Spiegel nachahmte.

Spinnereien eines Halbstarken, könnte man meinen. Doch was mit harmloser Mimikry begann, gebar in den folgenden Jahren den klassischen sozialistischen Gewaltexzess.

Nach dem gescheiterten Sturm auf die Moncada-Kaserne im Juli 1953 wurde Castro zu einer 15-jährigen Haftstrafe im Zuchthaus auf der Isla de Pinos verurteilt. In seiner Verteidigungsrede vor Gericht sprach er den berühmt gewordenen Satz: „Die Geschichte wird mich freisprechen.“ Nicht wenige Historiker sehen hier eine fidele Anlehnung an Adolf Hitlers Verteidigungsrede im Prozess zum Münchner Putschversuch 29 Jahre zuvor. Hitler schloss diese mit den Worten: „Mögen Sie uns tausendmal schuldig sprechen, die Göttin des ewigen Gerichtes der Geschichte wird lächelnd den Antrag des Staatsanwaltes und das Urteil des Gerichtes zerreißen; denn sie spricht uns frei.“ Fidel Castro durfte das Zuchthaus schon im Mai 1955 wieder verlassen.

Die Reihe der Parallelen lässt sich fortführen. Nach der Machtübernahme im Januar 1959 gab Castro umgehend umfangreiche Morde, Exekutionen, Haftstrafen und Verbannungen in Auftrag. Potentielle politische Konkurrenz wurde schnell ausgeschaltet.

1960 wurde die kubanische Presse endgültig gleichgeschaltet. Unter anderem 200 Radiostationen und sieben Fernsehstationen fielen unter Castros Kontrolle.

Wie deutsche Juden 30 Jahre zuvor mussten auch kubanische Juden schmerzhaft unter einer sozialistischen Regierung leiden. Diesmal rot lackiert. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatten sich viele Menschen jüdischen Glaubens auf Kuba niedergelassen. Viele kamen im Laufe der Jahre aus Europa nach Havanna, um den Repressionen in der Heimat zu entgehen. Vor Castros Ära eröffneten sich hier für Unternehmer gute Chancen. Jüdische Immigranten gründeten Firmen, Schulen und Synagogen auf Kuba. Damit sollte es jedoch bald vorbei sein. Das Puebla Institute berichtete 1991 in seiner Studie „Castro’s War on Religion“ von 300.000 auf Kuba lebenden Juden vor Castros Machtübernahme. Auf 2.000 ging diese Zahl bis 1967 zurück.

Im Oktober 1960 gründete Castro die „Komitees zur Verteidigung der Revolution”. Sie waren Augen und Ohren der Partei. In Form von staatliche organisierten „Nachbarschaftsvereinen“ dienen sie noch heute der engmaschigen Überwachung aller Bürger. Spitzel unter dem Deckmantel behördlicher Wohlfahrt. Castros Variante der Hitlerjugend, die weiterhin aktive Pionierorganisation José Marti wurde wenige Monate später aus der Taufe gehoben. Sie formulierte folgende Arbeitsschwerpunkte: Training der Pioniere zu zukünftigen Frauen und Männern zur Fortführung des Werkes der Revolution, Weckung des Sinns für soziale Verantwortung und der Liebe zum Vaterland, Formung des Habitus der Arbeit in den Kindern, Einimpfung der Liebe zu den Märtyrern und Helden des Vaterlandes.

Gegner Castros wurden als „Konterrevolutionäre“ oder „CIA-Agenten“ bezeichnet, oft ohne Gerichtsverfahren verurteilt. Die Haftbedingungen waren erbärmlich. 1965 wurden Arbeitslager eingerichtet. „Militärische Einheiten zur Unterstützung der Produktion“ ihr Name. Castros Weggefährte Che Guevara begründete die Lager damals folgendermaßen: „Sie sind für Menschen, welche Verbrechen gegen die revolutionäre Moral begangen haben.“ Später wurden dort aber auch „soziale Abweichler“ einschließlich Homosexueller und HIV-Infizierter inhaftiert.

Und auch in der großen Geopolitik wollte Castro mitspielen. Während der von ihm organisierten Trikontinentalen Konferenz in Havanna 1966 verabschiedeten die Delegierten eine Resolution, in der sie zum außenpolitischen Bruch mit Israel aufriefen. Alle Handelsbeziehungen sollten gekappt werden. Wenige Wochen später eröffnete Castro dank tatkräftiger Unterstützung des KGB mehrere Trainings-Camps, in denen fortan Terroristen für den Einsatz gegen Israel ausgebildet wurden. Berichte der einschlägigen Nachrichtenagenturen aus den 1970er Jahren berichteten von mehreren hundert Gewalttätern, die Castro bis dato habe ausbilden lassen.

In den vergangenen Jahren ruderte Castro anscheinend etwas zurück, kritisierte anti-israelische Bestrebungen aus dem Iran und bedauerte die Verfolgungen und Pogrome der 1930er Jahre in Deutschland: „Man hätte denken müssen, sie würden untergehen, aber ihre Kultur und Religion hielten sie als Nation zusammen. Es gibt nichts, was mit dem Holocaust verglichen werden kann.“ Doch von den eigenen Verbrechen schweigt er weiterhin beharrlich. Warum auch nicht? Kritik von intellektueller Seite muss Fidel Castro auch heute nicht einstecken. Sein Sozialismus war hipp. Und ist es immer noch. Am langen Ende rechtfertigt der Zweck dann anscheinend doch die Mittel. Jedenfalls dann, wenn sich der Zweck einer sattroten Einfärbung erfreuen darf.


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