09. Oktober 2013

Wahrheit in den Massenmedien So selten wie Gold

„Alle Märkte sind manipulierbar“

Schon vor Jahren schrieb ich über die „Bruchteilwahrheiten“, die der Mainstream ab und an mehr de-formierend denn in-formierend in die Blätter lässt. Heute aus gegebenem Anlass wieder einmal eine kleine Momentaufnahme der inneren Verfassung der wirtschaftlichen Massenmedien. Schon länger hatte man sich daran gewöhnt, dass die sogenannten „Horte der Marktwirtschaft“ wie etwa das „Handelsblatt“ heutzutage bestenfalls noch belanglosen Entertainment-Journalismus betreiben – und meist gar nur noch mehr oder weniger aggressive Propagandisten des planwirtschaftlichen Falschgeldsystems und der selektiv korrupten Wirtschaftspolitiker sind. Dennoch gab und gibt es auch im Mainstream ab und zu Sternstunden der Wahrheit. Dies hat erfahrungsgemäß folgende Gründe:

1. Die Wahrheit ist angesichts offensichtlicher Fakten eh nicht mehr zu leugnen (etwa zu den tatsächlichen Kosten der endlosen Dauerrettungen der PIFGS durch Deutschland per ESM, EZB, Bankenunion oder auch zu den Misserfolgen der Südschiene bei der inneren Haushaltskonsolidierung).

2. Das Volk soll gedanklich auf noch absurdere Entscheidungen beziehungsweise auf noch schlimmere Aderlässe vorbereitet werden – denn allzu große Gedankensprünge auf einmal macht es nicht ohne Widerstand mit – darum darf der Mainstream bei der Salamitaktik der scheibchenweisen Enthüllung der ganzen Wahrheit ab und zu mithelfen (aber immer erst dann, wenn es zu spät ist – zum Beispiel ESM).

3. Um auf Dauer halbwegs glaubwürdig zu bleiben (und nicht noch schneller die Abonnenten an die wenigen noch unabhängigen Printmedien und vor allem ans Internet zu verlieren), muss gelegentlich auch mal ein Stück Feigenblatt-Wahrheit im Mainstream geschrieben werden – manchmal sogar eine solche, die theoretisch an Systempfeilern rüttelt.

4. Der letzte Grund aber ist der wichtigste: Selektive Korruption der vierten Gewalt bedeutet im Umkehrschluss, dass noch nicht alle Mainstream-Journalisten den Weisungen ihrer Chefredakteure, „Newsdesk“-Watchdogs und deren Weisungsgebern und Hinterleuten Folge leisten. Einige dieser Journalisten können ständiges Lügen-Müssen auf Dauer nicht mit ihrem Wissen und Gewissen vereinbaren. Im „Handelsblatt“ gehörten dazu seit Jahren vor allem der langjährige Goldexperte Ingo Narat und der in (unverfälschter!) Markt- und Geldtheorie extrem bewanderte Norbert Häring. Umgeben waren diese beiden (weitere positive Ausnahmen mag es geben) im „Handelsblatt“ seit Jahren von einer Vielzahl ahnungsloser grauer Mäuse/Praktikanten und natürlich von den oben genannten aggressiven Systemapologeten, die mit dem Totschlagwort der „Verschwörungstheorie“ gegen alle, die noch gesundes Geld und Marktwirtschaft auch im Banken- und Anleihemarkt predigen, sehr schnell zur Stelle sind.

Umso bedenklicher ist es vor diesem Hintergrund, dass am vergangenen Montag im „Handelsblatt“ ausgerechnet diese beiden bislang mutigen Schreiber in objektiv belanglosen beziehungsweise nicht zu Ende gedachten Artikeln unter ihren Möglichkeiten bleiben – was ich (und das ist eine Spekulation) für „verdächtig“ halte. Dürfen sie nicht wie sie könnten?

A.) Ingo Narat etwa schreibt auf S. 36f über die schwachen Erträge der Anlagen von Privatanlegern: „Auch Bankkunden tragen Verantwortung – sie können nicht jeden Missgriff dem Berater anlasten. … Kümmern Sie sich [selbst] um Ihr Geld! … Besser informiert … können Sie Ihrem Bankberater auf Augenhöhe begegnen.“

Ach was… Bei derart lächerlich trivialen Erkenntnissen muss man wirklich fragen, welche Zielgruppe das Handelsblatt heute hat. Will der (neue) Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs nun Grundschülern erste Schritte in Anlagetechnik vermitteln lassen? Jedenfalls stünde er dabei in seiner eigenen langjährigen Tradition der Boulevard-Ökonomie, die er schon bei der „SZ“ jahrelang unbedingt meinte ins Blatt drücken zu müssen.

Und was sollen Sätze wie dieser: „Die [Bank-]Berater sind nicht die Inkarnation des Bösen. … Der Verbraucher muss einen Rest Eigenverantwortung tragen.“

Soso… Auch hier wieder: wahlweise trivial – oder eben unangebracht verharmlosend: Warum schützt ein „HB“-Redakteur, der den gesamten planwirtschaftlichen Wahnsinn etwa im Anleihemarkt bestens kennt, die Bankberater, die genau den Auftrag haben, diese seit über 20 Jahren (und speziell seit 2008) massivst unterverzinsten Hochrisikopapiere der Staatsanleihen ihren Kunden anzudrehen? Natürlich nicht (nur) in direkter Form – sondern auch über diverse „Hochrisikoanleihe-Derivative“ namens „Lebensversicherung“, „Bausparvertrag“, „Anleihefonds“, „Riesterrente“, „Bank-Tagesgelder“. Alles sichere Wertvernichter – ganz sicher bei Laufzeiten von mehr als fünf Jahren! Ebenso riskant sind die manchmal von Bankberatern empfohlenen Papiergoldanleihen in ETF-, Zertifikate- oder Futureform. Der erfahrene Narat weiß all das natürlich. Darf nicht mal er es noch schreiben? Sehr bedenklich.

Und natürlich findet sich in diesem (für Grundschüler und naive Systemschafe) didaktisch wertvollen Gutfühl-Artikel auch kein Wort zur existenziellen Geldsystemkrise, in der wir uns befinden (und über die die hier verteidigten Bankberater ebenso chronisch schweigen), kein Wort zur ungelösten und demnächst wieder eskalierenden Euro-Krise (und damit zum Risiko von Euro-Staatsanleihen), kein Wort zur Goldpreismanipulation, kein Wort auch zur von der Zinsplanwirtschaft der Notenbanken ausgehenden umfassenden Manipulation fast aller Märkte.

B.) Kopfschüttelnd blättert man weiter im „Handelsblatt“ – und schöpft auf Seite acht kurzzeitig Hoffnung: Norbert Häring darf in seiner Kommentar-Kolumne „Stimmt es, dass…“ doch tatsächlich die selbstgestellte Frage „Stimmt es, dass … alle Finanzmärkte manipuliert werden?“ bejahen (sic). Leider nur ansatzweise: Denn das „Wie?“, das „Warum?“, das „Wer?“ beziehungsweise die „Cui bono?“-Frage sowie die Frage nach selbstverständlich strafrechtlichen Konsequenzen der hier irgendwie lapidar festgestellten Megamanipulation klärt Häring mit keinem Wort. Dabei reden wohlgemerkt von Kriminalität im Billionenmaßstab – und es ist keine Nachrichten-Kolumne, sondern ein Kommentar eines Redakteurs und Buchautors, der über all dies bestens Bescheid weiß.

Auszüge aus dem „HB“-Artikel (nicht online): „Bisher galt die Vorstellung als abwegig, die Wechselkurse der großen Währungen könnten manipuliert werden. … Täglich fünf Billionen Dollar Umsatz … Man muss umdenken. … Untersuchung, … dass sich große Marktteilnehmer abgesprochen haben, um [auch] diese Kurse zu manipulieren. … Wenn [sogar] der Devisenmarkt manipulierbar ist, dann ist es jeder Finanzmarkt, auch der Anleihemarkt, über den Staaten ihre Finanzen decken. Anleihemärkte sind hochpolitisch. … Wenn aber die Anleihekurse manipulierbar sind, bedeutet das auch, die Macht möglicher Manipulatoren über Regierungen zu stärken. … [Wer] früher von einer gewünschten Entwicklung als ‚der Markt‘ weiß, kann viel Geld verdienen.“

Alles schön und gut und richtig. Aber warum stoppt Häring an dieser Stelle? Oder wurde er vom Newsdesk/der Chefredaktion ab hier gekürzt? Ich erlaube mir, stichwortartig diese heutige Häring-Kolumne so fortzuführen, wie sie hätte vollendet werden müssen – und wo sie meines Erachtens nicht wegen fehlendem Platz auf der „HB“-Seite abgebrochen wurde:

Die „Wie“-Frage: Am Anfang und um Zentrum der Manipulation aller Märkte steht die Fähigkeit der Monopolisten um die Fed herum, Geld aus dem Nichts und ohne vorhergehenden Arbeits- und Ersparnisvorgang in Umlauf zu bringen und gar noch per Bruchteilsreserve-Banking zu vervielfachen. Dies ist auf Dauer nur möglich, indem man das Geldsystem mit illegitimem „gesetzlichem Monopolstatus“ absichert, dann einen planwirtschaftlichen Zinssatz festlegt und alle Wettbewerbswährungen (insbesondere Gold- und Silber als natürliche Währungen ohne bestechbaren Emittenten) durch Preismanipulation nach unten ausschaltet oder sie notfalls gleich ganz verbietet, bevor sie trotz Manipulation über den Papiergoldmarkt de facto wieder monetär werden.

Die „Warum“-Frage hängt engstens mit der „Wer“-Frage bzw. dem „Cui bono“ zusammen: Geld ist Macht. Trivial aber wahr. Mehr ist nicht dahinter: Neben dem natürlichen und im Prinzip ungefährlichen Motivator „Sex“ ist eben „Macht“ leider der größte Motivator der (männlich dominierten) Menschheit und ihrer machtgeilen Soziopathen. Und unnatürliches, im freien Geld-Wettbewerb chancenloses Falschgeld ist eben ein Werkzeug zu einer unnatürlichen und illegitimen Macht, die nach hundert Jahren kurz davor steht, die konkurrenzlose Weltmacht zu ergreifen, die das oberste Ziel dieser Soziopathen ist, die heute die Welt beherrschen und vergewaltigen („regieren“ oder „führen“ würde es nicht treffen - höchstens im Sinne von „Gier“ oder „in den Abgrund“ oder „ins Welt-Gulag“... ).

Die „Gold-Silber“-Frage: Oben unter „Wie“ wurde ja bereits erklärt, warum gerade die Gold- und Silberpreis unter sehr strengem „Management“ gehalten werden müssen und unter keinen Umständen zu schnell nach oben ausbrechen dürfen: das natürliche, wahre Geld kann nicht physisch aus der Welt geschafft werden; und auch nach gut 40 (Gold) bzw. gut 100 Jahren (Silber) der Demonetisierung nicht sein (gerechtfertigter) Mythos. Mithin bleibt nur die Propaganda des Mainstreams gegen Gold und Silber – und eben das Preismanagement. Wenn Häring (zurecht) über die riesigen Anleihe- und Devisenmärkte schreibt „Wenn [diese] manipulierbar sind, dann ist es jeder Finanzmarkt“, dann müsste er unbedingt hinzufügen: „… und ganz sicher der vergleichsweise winzige Goldmarkt und der geradezu mikroskopisch kleine Silbermarkt – die aber wegen ihrer Zinsbeeinflussungs-Relevanz und wegen ihres Status als Ersatzwährung die wichtigsten Märkte überhaupt sind“!

Die Frage nach Sanktionen und Konsequenzen: Schon die von Häring nur angedeutete Verschwörungs-Tatsache der umfassenden kriminellen Marktmanipulation schreit nach strafrechtlichen Sanktionen. Wenigstens aber nach der Formulierung harter Fragen, was originäre Aufgabe einer unabhängigen vierten Gewalt sein sollte: Warum sind trotz erkannter Dauermanipulation die Regulierer untätig – etwa die CFTC im Rohstoffmarkt oder die Anleihe-Watchdogs überall in der Welt? Welche Staatsanwaltschaft untersucht diese alltäglichen Betrügeien per Marktmanipulation im Billionenmaßstab? Wollen wir uns wirklich damit abfinden, dass diese Institutionen von den (theoretisch) zu beaufsichtigenden Banken selbst korrumpiert und damit stillgehalten werden? Dass die Staats-anwaltschaften (in Deutschland und anderswo) politisch weisungsgebunden und damit in diesen Fragen ganz offensichtlich untätig sind? Dass Finanzrichter trotz problemlos beweisbarer Massenmanipulation und trotz (bei ernsthafter Ermittlung) durchaus identifizierbarer Täter fast komplett untätig bleiben?

All das gehört zur ganzen Wahrheit. Es ist einfach zu wenig, wenn Häring seine heutige Kolumne mit der Feststellung beendet: „… man muss sich heute darauf verlassen, dass niemand die Fähigkeit zur [Markt-] Manipulation für politische Ziele einsetzt.“

Wie meinen? Diese Fähigkeit ist seit Jahrzehnten Realität – und in der heutigen „Vollpolitisierten Ökonomie“ gar Dauerzustand! Und die Quelle dieser Macht ist nun einmal das von den Noten- und Geschäftsbankstern aus dem Nichts kreierte Falsch- und Machtgeld mit Monopolzwangs-Status, das mit allen Mitteln der Manipulation und der staatlichen und militärischen Macht verteidigt wird. Trocknet die Quelle aus!

Leider ist die volle Wahrheit in Politik und Medien so selten zu finden wie Gold. Und wenn, dann nur in kleinsten Körnchen. Für eines dieser Körnchen sollten wir Norbert Häring heute trotz seiner bedauerlichen Zurückhaltung bei wichtigen Folgerungen dankbar sein: Die umfassende Marktmanipulation beziehungsweise Manipulierbarkeit ist nun sozusagen massenmedial-amtlich als Verschwörungstatsache festgestellt. Wir jahrelangen Manipulationsbehaupter und Verschwörungstheoretiker sind nunmehr endlich Tatsachenbehaupter.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Goldseitenblog.


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