11. Oktober 2013

US-Haushaltsstreit Um Schuld und um Schuld und um Schuld herum

Es ist was faul im Staate. Mit einem Abzählreim zum Mitsingen

Wirft man nach längerem Aufenthalt in der Lebenswirklichkeit mal wieder einen Blick in die unifarben mausgraue Fantasy-Kümmerwelt der Politik und ihres Hofjournalismus, in die Gute-Nacht-Geschichten und Märchen aus Tausendundeiner Dollarnacht, in die immer surrealer anmutenden Daily Soaps und Sitcoms des herrschenden Zeitwahns mit ihrem falschen Lachen aus der Schuldenkonserve, bleibt einem kaum etwas anderes übrig, als Gerd-Lothar Reschke, Betreiber der Website Wertperspektive, zuzustimmen. Reschke in einem seiner „Schlaglicht“-Videos zum Thema US-Staatsverschuldung beziehungsweise Haushaltsstreit, mithin ganz allgemein zum herrschenden Geldfälschungs- und Wertevernichtungswesen: „In unseren Medien wird auf eine Weise gelogen und getäuscht, es ist einfach phantastisch. Man reibt sich die Augen und traut seinen Ohren nicht.“

Ja, es ist schon verblüffend, wie man nach jedem verbleibenden scheinargumentativen Strohhalm greift, sei er auch noch so dünn und brüchig, um die Situation irgendwie schön- und dem Leser zum Beispiel einzureden, Demonikaner und Republikraten müssten sich nur „einig“ werden und einen „Konsens“ erzielen, um David Copperfield endlich dazu überreden zu können, einen Schuldenstand von historisch beispielloser Höhe in ein kleines, grünes Duftbäumchen zu verzaubern. Als käme es noch darauf an, wer gerade als Frontmann des US-Finanzkorporatismus regiert. Ein Korrespondent des „Washingtoner Generalanzeigers“, früher bekannt als „FAZ“, empfahl gar, man solle denjenigen Ökonomen, die sich große Sorgen um einen Zahlungsausfall der Vereinigten Staaten nebst der dadurch zu erwartenden Folgen für die Weltwirtschaft machen, zurufen: „Gemach, gemach.“

„Herr Kapitän, wir haben 17 Billionen Tonnen fauliges Wasser im Rumpf, der Kahn kippt, manche Gäste bringen sich bereits mit Rettungsbooten in Sicherheit, auf den unteren Decks wird man aufmüpfig. Was nun?“

„Rufen Sie ihnen einfach zu: Gemach, gemach, kommen Sie doch bitte zurück an Bord, es wird gleich Diner serviert. Ein reichhaltiges Buffet und eine große Auswahl süffiger Cocktails warten auf Sie.“

Man fühlt sich an eine Szene aus James Camerons „Titanic“ erinnert, in der Mr. Guggenheim, statt eine Rettungsweste anzulegen, den Steward lieber um einen Stuhl bittet, um in aller Ruhe seinen Tee genießen zu können – und natürlich große Augen zu machen, als das Wasser hereinströmt und unaufhörlich steigt.

In anderen Blättchen raschelte es, es käme keine „Bewegung“ in den Streit um das „Schuldenlimit“. Nun gibt es erstens kein „Schuldenlimit“ mehr, schon gar nicht in der aktuellen Haushaltslage der USA. Der zu leistende Schuldendienst ist mittlerweile so hoch, dass kein Politiker mit noch so edlen Absichten ihn einfach per „Einigung“ in irgendwelchen Debatten oder qua Gesetzgebung noch „deckeln“ könnte. Der sogenannte „PNR“, der „Point of no Return“, ist längst überschritten. Zweitens: Das herrschende Ponzimonopol, Debitismus, Keynesianismus, Schuldgeld- oder Voodoo-Ökonomie und so weiter, wie auch immer man es nennen will, kennt nur staatliches „Wirtschaften“ auf Pump, auf Kredit, auf Neuverschuldung. So funktioniert das herrschende Kreditbetrugsmonopol nun mal; es ist angelegt auf stets steigende Schulden, es tickt wie ein Countdown einer Sollbruchstelle entgegen.

Wer das noch immer nicht glauben und Hinweisen auf dieses schuldenbasierte Funktionsprinzip der Weltreservewährung mit Alu-Hüten drohen mag, dem seien hiermit noch einmal zwei kleine Ausschnitte aus Protokollen von US-Kongressanhörungen präsentiert. Der erste stammt aus einer Anhörung des House Commitee on Banking and Currency vom 30. September 1941. Die Fragen stellte der Vorsitzende der Untersuchungskommission, der Kongressabgeordnete Wright Patman. Es antwortete Marriner S. Eccles, Vorsitzender des Board of Governors (Gouverneurs-Rates) des Federal-Reserve-Systems.

Patman: „Woher nahmen Sie das Geld, um 1933 US-Staatsanleihen in Höhe von zwei Milliarden Dollar zu kaufen?“
Eccles: „Wir erzeugten es.“
Patman: „Woraus?“
Eccles: „Aus dem Recht, Kredite zu gewähren.“
Patman: „Und es steckt nichts weiter dahinter, nicht wahr, außer dem Glauben an die Kreditwürdigkeit der Regierung?“
Eccles: „So ist es. Das ist nun mal unser Geldsystem. Gäbe es in ihm keine Schulden, gäbe es kein Geld.“

Das sollte sitzen. Umso mehr, da sich an diesem Prinzip bis heute nichts geändert hat. Und sich wohl auch nicht ändern soll, wie Eccles in einer Sitzung im Jahre 1947 durch eine ganz erstaunliche Äußerung deutlich machte.

Abgeordneter Kolburn: „Was meinen Sie, wenn Sie von einer ‚Monetisierung der öffentlichen Schulden‘ sprechen?“
Eccles: „Ich meine, dass die Bank Geld erzeugt, indem sie Regierungsanleihen kauft. Alles Geld wird durch Schulden erzeugt – entweder private oder öffentliche.“
Abgeordneter Fletcher: „Herr Vorsitzender Eccles, wann, glauben Sie, werden wir zurückkehren können zu einem freien und offenen Markt anstelle dieses gefesselten und künstlich kontrollierten Finanzmarktes, den wir heute haben?“
Eccles: „Niemals. Nicht in ihrer Lebenszeit oder meiner.“

Von einem Präsidentenhampler wie Obama, der durch entweder mit charismatischem Lächeln oder himbeergoldig gespielter Seriosität und ausgeklügelter Wichtigtuer-Gestik vorgetragene, aber zu 99 Prozent inhaltsleere Reden brilliert, zu erwarten, er würde diesem kriminellen Treiben das wohlverdiente Ende bescheren, ist naiv und illusorisch. Blödelbarde Obatrix: „Die Anhebung der Schuldenobergrenze wird Amerikaner keinen Cent kosten.“ Ich habe das nicht erfunden. Es ist ein Zitat. Dass ein Präsident (!) den Bürgern solchen Dumpfsinn auftischen kann, ohne von ihnen sogleich aus dem Amt gescheucht zu werden, lässt einen sprachlos zurück.

Denn selbstverständlich wird es bei einer „Anhebung“ des „Limits“, also einer Fortsetzung der Aufschuldung, nicht ohne Mehrbelastungen für die Bürger abgehen, und mehr noch: Sie wird den Zusammenprall mit der bitteren Realität stets steigenden Schuldendienstes nur umso härter ausfallen lassen.

Nun aber, so freuten sich auch deutsche Presse-Psychopharmakologen, sei „überraschend“ Bewegung in den Haushaltsstreit gekommen. Die bösen Republikaner unter Kommando von Imperator Palpatine zeigen sich jetzt doch etwas gesprächsbereiter, um mit Barack Skywalker den Druck, den das ganz dicht an ihrer Kehle sitzende Damoklesschwert eines drohenden Staatsbankrotts ausübt, etwas zu mindern. Zumindest für kurze Zeit, denn ein echter Schuldenabbau steht vorerst keinesfalls zu erwarten. Man spielt auf geborgte Zeit. Das ist natürlich alles andere als „überraschend“, denn welcher Politiker schlüpft gerne ins Kostüm des Schwarzen Peterle?

Sowohl Republikraten als auch Demonikaner werden den Teufel tun, in die Geschichte einzugehen als diejenige Partei, die einen Zahlungsausfall der Vereinigten Staaten zu verantworten beziehungsweise durch politische Verweigerungshaltung befördert hat. Selbstverständlich wird man sich „einigen“, sprich, die heiße Kartoffel auch weiter hin- und herwerfen, da niemand sich die Finger verbrennen will. Es handelte sich dabei wohl eher um einen Bluff, gerade auch mit Blick auf einen weiteren Zankapfel, nämlich das schlicht unfinanzierbare „Obamacare“, das die Schuldenlast der USA nur weiter hochschrauben würde. Merkwürdig, dass niemandem – oder kaum jemandem – die eigentlich sehr aufschlussreichen historischen Parallelen zwischen Roosevelts „New Deal“ und Obamas „Gesundheitspaket“ aufzufallen scheinen. Es ging – bei ersterem – nicht wirklich um „soziale Absicherung“ und geht – bei letzterem – nicht um Gesundheit, sondern, gerade im Zusammenspiel mit der fortschreitenden Schuldensklaverei und Geldentwertung (vulgo: Volksverarmung) des Fed-Systems, um mehr staatliche beziehungsweise, heute mehr denn je, korporatistische Kontrolle. Nicht umsonst hat „Big Pharma“ an „Obamacare“ kräftig mitgeschrieben. Es ist nicht mehr als ein weiterer Geldstaubsauger, eine Vampyrette im Tarnmäntelchen der Volksbeglückung.

Nun, da die Folgen der schlicht unfassbaren Ignoranz, Verblendung und ans Kriminelle grenzenden Leugnung ökonomischer Tatsachen immer offensichtlicher werden, wird man nicht lange warten müssen, bis die Verantwortlichen allerlei Sündenböcke zusammenkarren werden, um vom eigenen Versagen abzulenken. Et voilà: Schon werden wieder überall Al-Qaida-Kräfte gesichtet (wer auch sonst), es schmort in Somalia, auch wieder ein bisschen in Libyen; unbelehrbare, brandgefährliche Dummköpfe aus der Kriegshetzerfraktion in US-Politik und angeschlossenem Medienbordell, denen es trotz aller mythomanischen Bemühungen (und zum großen Glück für die Menschheit!) nicht gelang, die chemische False Flag in Ghouta Assad in die Schuhe zu schieben und einen weiteren fatalen, verheerenden Krieg loszutreten, lassen nicht locker und behaupten nun, er habe weitere chemische Waffen im Irak und im Libanon versteckt, natürlich, höchstwahrscheinlich auch in den Brüsten Dolly Busters, sämtlichen Starbucks- und McDonalds-Filialen sowie der Unterhose des iranischen Präsidenten. Wäre das alles nicht so erschreckend pinocchiös, gespenstisch laientheaterhaft, hochtransparent, entmenschlicht, unzivilisiert, unethisch, ja fast schon barbarisch primitiv, man müsste angesichts dieser kruden Vorführung eigentlich in schallendes Gelächter ausbrechen. Habe ich noch was vergessen? Ach ja – Antiamerikanismus! Dieser Vorwurf dürfte sich im derzeitigen Bonsaimeinungsklima wohl von selbst verstehen.

Albert Einstein sagte einmal: „Wenn du es nicht auch einem Sechsjährigen erklären kannst, hast du es selber nicht verstanden.“ Ein Satz, den ich mir zur Lebensmaxime erhoben habe. Ich habe deshalb weder Kosten noch Mühen gescheut, den Prozess der Entzivilisierung qua Schuldgeldsystem, wuchernden Etatismus, Fiskalismus und Zentralismus in Form eines leicht verständlichen Abzählreimes zu veranschaulichen. Mitsingen und -klatschen während des Vortrages ist ausdrücklich erwünscht – es steigert den Lerneffekt.

Zehn kleine Wählerlein schwitzen in der Scheune; einer wird Politiker, da waren‘s nur noch neune.

Neun kleine Wählerlein müssen jetzt mehr schwitzen; einer wird Finanzminister, hilft den acht mit Spritzen.

Acht kleine Wählerlein müssen fester schieben; einer teilt die Spritzen aus, da waren‘s nur noch sieben.

Sieben kleine Wählerlein fragen sich: „Warum?“; einer geht in‘s Bildungsamt, ruft: „Fragt doch nicht so dumm!“.

Sechs kleine Wählerlein ha‘m kein Geld für Strümpf‘; wir brauchen einen Strumpfminister, bleiben nur noch fünf.

Fünf kleine Wählerlein trösten sich mit Bier; das schreit nach einem Bierminister, hätten wir noch vier.

Vier kleinen Wählerlein ist das nicht geheuer; einer setzt sich ab und fordert eine Klagesteuer.

Drei kleine Wählerlein machen nun Geschrei; einer, der wird Schutzminister: „‘s braucht mehr Polizei!“

Zwei kleine Wählerlein werfen jetzt mit Steinen; einer, der wird totgeschossen, nun hängt es noch an einem.

Und jetzt alle (bitte in gedrosseltem Tempo, andachtsvoll):

Ein kleines Wählerlein plädiert für freies Leben; doch eh es sich versieht bleibt es an Panzerketten kleben.


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