18. Oktober 2013

FDP Was ist zu tun!

Machen statt zuschauen

Der FDP wird bescheinigt, dass sie zu herzlos und kalt dahergekommen sei. Das mag sein. Parteiliberale schlagen häufig eine Politik vor, die etwas unbürokratischer oder marktnäher daherkommt als die Politik der Sozialdemokraten in den anderen Parteien. Doch zielgenauere Mindestlöhne oder ein gerechterer Ausgleich bei der EEG-Umlage machen die FDP nicht beliebt, sondern beliebig. Gleichzeitig nehmen Parteiliberale häufig die Zuschauerperspektive ein. Vor dem Fernseher sitzend, Rotwein schlürfend und den Käseteller verspeisend machen wir schlaue Vorschläge zur Wirklichkeit des Lebens von Leuten, denen es nicht selten viel schlechter als uns geht.

Doch eine freie Gesellschaft baut nicht auf Zuschauer, sondern auf Macher. Das Genossenschaftswesen unter Schulze-Delitzsch hat sich 1848 aus eigenem Antrieb gegründet. Krupp hat seine Sozialwohnungen Anfang des 19. Jahrhunderts aus eigenem Antrieb und Überzeugung errichtet. Die SAP ist deshalb Marktführer, weil sie die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter aus eigenem Antrieb überdurchschnittlich fördert. Daraus erwachsen selbstbewusste Arbeitnehmer, Arbeitgeber und damit auch Bürger, die nicht bei jedem Windstoß des Lebens nach dem Wohlfahrtsstaat rufen. Wieso hat meine Region Ostwestfalen-Lippe so viele erfolgreiche Familienunternehmen? Weil die Eigentümer hier verwurzelt sind und sich in Sportvereinen und karitativen Organisationen sozial engagieren. Nicht weil der Staat das von ihnen verlangt hat, sondern aus eigenem moralischen Antrieb. Das ist im besten Sinne gelebte Praxis der Sozialverpflichtung des Eigentums.

Die Aufgabe der Liberalen sollte es sein, diese Eigeninitiative zuzulassen und zu fördern. Versuchen Sie sich einmal als Unternehmer an der Gründung eines Kindergartens für Ihre Mitarbeiter! Sie werden sehr schnell an der staatlichen Regelungswut scheitern. Liberale müssen wieder Genossenschaften gründen, Kindergärten initiieren, Selbsthilfeorganisationen ins Leben rufen und sich nicht mit einem Weinglas in der Hand zurücklehnen, sondern aufstehen. Daraus entsteht dann der gesellschaftliche Unterbau einer freien Gesellschaft, die schließlich auch wieder eine parlamentarische Vertretung haben wird. Bis dahin müssen wir mit der Erinnerung an den liberalen Reichstagsabgeordneten Eugen Richter vorlieb nehmen, der 1887 sagte: „Die Mehrheit dieses Reichstages ist ein Angstprodukt der Wähler.“

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