06. November 2013

Sankt Martin „Hochnäsige Wohltätigkeit“

Die linke Sicht auf die Nächstenliebe

Ganz ehrlich, wenn ich heute darüber lese, dass in Kindertagesstätten, in denen unsere Kleinen doch angeblich so toll zu erwachsenen, selbständig denkenden Menschen erzogen werden sollen, das Sankt-Martins-Fest in „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“ und ähnlichen Unfug umbenannt werden soll, um Kinder anderer Religionszughörigkeit nicht auszuschließen, wenn ich dann höre, wie die Partei Die Linke in NRW auf diesen Zug aufspringt und behauptet, dass „man keinen Sankt Martin braucht, der dem Lichterzug auf dem Pferd voranreitet“ um zu der Einsicht zu gelangen „dass es richtig sei, den Mantel zu teilen und den Armen zu helfen“ dann überkommt mich schon eine gewisse Wut über diese ganze Mischpoke von Weltverbesserern, die einer noch immer christlich geprägten westlichen Kultur vorzuschreiben gedenkt, wie viel Religion noch geht und was nicht mehr politisch korrekt ist.

Das vorneweg gesagt möchte ich gerne erläutern, wie die Vorstellung der Linken eines Sankt Martin in Wirklichkeit aussehen: Was Sankt Martin nämlich im Gegensatz zu seinen Kritikern, wie Rüdiger Sagel, Vorsitzender der Linken in NRW, auszeichnet, ist, dass er freiwillig an jemanden gibt, der Not leidet. Nun, vielleicht tue ich Herrn Sagel auch unrecht, wenn ich ihn mit der restlichen linken Politikerkaste in einen Topf werfe – aber die politische Linie dieser Partei (wie im übrigen der meisten anderen im Bundestag vertretenen Parteien auch, nur in unterschiedlichen Nuancen) besteht darin, den heiligen Martin zu zwingen, seinen Mantel zu teilen um dann als Partei/Regierung darüber zu entscheiden, wer den Mantelteil denn bekommen soll. Angesichts der Menge der am Wegesrand sitzenden Bettler wird der Heilige Martin sogar verdonnert, mehr als die Hälfte seines Mantels abzugeben, bis alle einen gleich großen Teil haben, in etwa taschentuchgroß, und elendig erfrieren. Die reine Existenz eines „reichen“ Martin mit seinem warmen Mantel ist ein Affront für eine sozialistische Partei – Martin ist nämlich durch seinen Reichtum indirekt mitverantwortlich dafür, dass der Bettler zu erfrieren droht! Darum ist es nur „gerecht“, ihm seinen Mantel und sein Pferd gleich mit (vom Schwert wollen wir gar nicht erst reden) zu entreißen und diese Güter in die staatliche Obhut zu geben, der viel besser entscheiden kann, wie dieser unmäßige Reichtum Verwendung finden sollte (dass für diese wohltätige Aufgabe ein angemessener Obolus bei den Zwangsverteilern verbleiben muss, versteht sich wohl von selbst).

Selbst der Bettler kommt nicht gut weg. Denn von ihm wird berichtet, dass er Martin danken möchte. Diese Demut ist es aber, die ihn in seiner Armut hält. Er hat – so die Denkweise der Umverteilungspolitik – ein Recht auf den halben Mantel (und mehr) von Martin, daher ist sein Dank kontraproduktiv zur Erlangung einer gerechteren weil „gleicheren“ Gesellschaft. Eigentlich ist schon die Bitte, ihm zu helfen, eine fehlgeleitete Unterwürfigkeit. Eigentlich hat er das Recht, den Mantel einzufordern, notfalls auch mit Gewalt. Da das aber die wenigsten Bettler tun, ist es in den Augen der Sozialisten der Staat, der reiche Soldaten wie Martin berauben muss, damit die Armen zu ihrem Recht kommen.

Wer sich in einem solchen Weltbild erst mal zu Hause fühlt, für den ist eine Welt von vielen kleinen Martins, denen schon in Kindergärten beigebracht wird, dass es eine christliche Tugend ist, zu teilen und die aus einem inneren, womöglich religiösen Antrieb heraus, ihr Hab und Gut unkontrolliert teilen wollen, eine Horrorvorstellung. Gönnerhafte Reiche die in einem Anflug von hochnäsiger „Wohltätigkeit“ ihren mit Sicherheit ungerecht erworbenen Reichtum mit dankbaren unschuldig Bedürftigen teilen – und das auch noch vor dem Hintergrund nicht eines Dankes dieser Armen sondern aus einem Glaubensantrieb? Da sei Marx, Engels und Stalin davor!

Bei der Gelegenheit: wer im Internet den Liedtext von „Sankt Martin“ sucht, stößt auf eine erkleckliche Anzahl von Seiten, auf denen die letzte Strophe fehlt. Um den Folgen vorzubeugen hier der ganze (mir bekannte) Text:

Sankt Martin, Sankt Martin,
Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind,
sein Ross das trug ihn fort geschwind.
Sankt Martin ritt mit leichtem Mut,
sein Mantel deckt ihn warm und gut.

Im Schnee saß, im Schnee saß,
im Schnee, da saß ein armer Mann,
hatt' Kleider nicht, hatt' Lumpen an.
„O helft mir doch in meiner Not,
sonst ist der bitt're Frost mein Tod!“

Sankt Martin, Sankt Martin,
Sankt Martin zieht die Zügel an,
sein Ross steht still beim armen Mann.
Sankt Martin mit dem Schwerte teilt
den warmen Mantel unverweilt.

Sankt Martin, Sankt Martin,
Sankt Martin gibt den Halben still,
der Bettler rasch ihm danken will.
Sankt Martin aber ritt in Eil'
hinweg mit seinem Mantelteil.

Sankt Martin, Sankt Martin,
Sankt Martin legt sich still zur Ruh'.
Da tritt im Traum der Herr hinzu.
Der spricht: „Hab Dank, du Reitersmann,
für das, was du an mir getan.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Papsttreuen Blog.


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