14. November 2013

Gleichheitswahn Der gleiche Gedankenpool

Ein skeptischer Blick auf die Koalitionsverhandlungen

Hausaufgaben gehören abgeschafft, findet Sigmar Gabriel. Warum? Ganz einfach: in sozial benachteiligten Familien vermutet er einen geringeren Bildungsstand, sodass die Kinder bei den Hausaufgaben nicht unterstützt werden können, was wiederum soziale Unterschiede über Generationen betoniere. Ob es von Vorteil – auch für das Land in Summe – sein könne, wenn Familien mit hohem Bildungsstand ihre Kenntnisse an die Kinder weitergeben? Egal, es widerspricht der Gleichheitsideologie eines Sozialdemokraten!

Löhne gehören angeglichen, findet die SPD gemeinsam mit der CDU in den Koalitionsverhandlungen. Warum? Ganz einfach: weil es nicht sein kann, dass heute Frauen aufgrund ihrer Berufswahl oder ihres Ausbildungs- und Lebensweges weniger verdienen als Männer. Ob es sein kann, dass es sich bei dem sogenannten „Gender-Pay-Gap“ nur um eine Chimäre handelt, weil diese Lücke sich umso weiter schließt, bis auf wenige Prozent, wenn eben jene Lebensläufe berücksichtigt werden, es im Grunde also objektive Kriterien sind, die zu einer unterschiedlichen Bezahlung führen? Egal, es widerspricht der Gleichheitsideologie der Neosozialisten aller Parteien!

Eine Bezahlung unter einem bestimmten Lohn darf es nicht geben, findet das Verhandlungsteam der SPD in den Koalitionsverhandlungen. Warum? Weil jeder aufgrund seines Arbeitsplatzes in der Lage sein sollte, einen am Durchschnitt orientierten Lebensstandard halten zu können. Ob es sein kann, dass es nun mal Tätigkeiten gibt, für die die Leistungsempfänger, letztlich die Kunden, nicht mehr bezahlen wollen, dass man mit einem Mindestlohn Arbeitsplätze und/oder Unternehmen, gerade im Mittelstand gefährdet, dass man mit einem Mindestlohn ein mehr oder weniger hartes Berufsverbot für Niedriglohnempfänger verhängt? Egal, es widerspricht der Gleichheitsideologie so vieler Sozialpolitiker ohne tiefere Kenntnisse in Betriebs- und Volkswirtschaft.

Der hohe Exportüberschuss eines Landes gehört bestraft, findet die EU-Kommission. Warum? Weil der Exportüberschuss des einen Landes ein Exportdefizit anderer Länder bedingt, also Unternehmen dieser Länder mit starker Konkurrenz leben müssen, gegen die sie nicht erfolgreich sein können. Ob es sein kann, dass ein Exportüberschuss einfach aufgrund einer hohen Leistungsfähigkeit der Exportnation geschaffen wird und sich die Defizitnationen Gedanken über ihre eigene Leistungsfähigkeit machen sollten, statt sich bei den „erfolgreichen“ zu beschweren (oder ob es gar das Symptom einer Schwäche eines Landes sein kann, einen so hohen Exportüberschuss zu haben)? Egal … schon klar, oder?

Was dabei hoffentlich klar wird: Die Einmischung des Staates stellt das Grundübel dar. In dem Versuch, angeblich ungerechte Ungleichheiten einzuebnen, verfällt man in immer abstrusere Ideen, diese Gleichheit, die die Natur des Menschen (und der Gesellschaften) nicht vorsieht, herzustellen. Das ist der Unterschied zwischen Gerechtigkeit und Gleichheit, Markt und Sozialismus, Vernunft und Ideologie, Freiheit und Etatismus! Regierungen haben keine Lösungen, sie erschaffen mit Scheinlösungen neue Probleme - frei nach dem Motto „Wenn Sie glauben, dass die Probleme nicht schlimmer werden können, dann warten Sie mal unsere Lösung ab!“ Die einzige Lösung, leider nicht sehr populär und unter Vertretern der Politik kaum mehrheitsfähig: Weniger statt mehr staatlicher Einfluss! Ich bin aber wenig optimistisch, dass eine solche Option beispielsweise in den laufenden deutschen Koalitionsverhandlungen diskutiert werden könnte.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Papsttreuen Blog.

ef über das Thema

Der randianische Wahnsinn der Lohngerechtigkeitsdebatte


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