27. November 2013

European Students for Liberty Regionalkonferenz in München

Die liberale Zukunft verheißt Gutes

Zum zweiten Mal trafen sich die European Students for Liberty zur deutschen Regionalkonferenz in München. Knapp 180 junge Teilnehmer aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und darüber hinaus versammelten sich, um einander kennenzulernen und Vorträgen liberaler Persönlichkeiten zuzuhören. Für viele war es wie im Jahr zuvor das erste reale Treffen mit Gleichgesinnten, die man bereits in Sozialen Netzwerken kennengelernt hatte.

In den Räumlichkeiten des CVJM München ging es am Samstagmorgen um 9 Uhr los. Nach Begrüßungsansprachen des Organisators Michael Landl, Regionaldirektor der European Students for Liberty, und der heimischen Münchner Libertarier stieg man dann schon in das Tagesprogramm ein.

Zuerst sprach Prof. Gerd Habermann von der Hayek-Gesellschaft über. „Jedermann als Unternehmer seines eigenen Lebens“. Er ermutigte die junge Generation Verantwortung für ihr eigenes Leben zu übernehmen. Es brauche keinen Staat, der alle bevormunde und für alle sorge. Zweifelsfrei eine Botschaft, mit der die anwesenden Studenten übereinstimmten. Alle haben sie selbstverantwortlich die teils weite Anreise und Unterkunft organisiert um dabei zu sein.

Staatliche Überwachung lässt sie dabei nicht zurückschrecken. Diese war Thema einer Panel-Diskussion, die vom Theologie-Promovenden Clemens Schneider moderiert wurde. Dr. Barbara Kolm vom Austrian Economics Center,  Dr. Franz Schnellhorn vom frisch gegründeten Think-Tank Agenda Austria und Prof. Christian Hoffmann vom Liberalen Institut Zürich diskutierten über „E-Medien: Überwachungsgefahr oder Chance für die Freiheit?“ Der Tenor war zwiegespalten: staatliche Überwachung sei sicherlich ein Problem, über das man die Vorteile Sozialer Netzwerke für den Liberalismus aber nicht aus den Augen verlieren dürfe. Christian Hoffmann etwa lobte die Möglichkeit sich nicht nur eigene Netzwerke aufzubauen, sondern auch über seinen Zirkel hinaus Außenstehende für die Ideen der Freiheit zu begeistern.

Nach ausreichender Stärkung in der Mittagspause sprach der Amerikaner Matt Kibbe von FreedomWorks. In seinem englisch-sprachigen Vortrag „Hostile takeover. How libertarians take over politics“ sprach er über die Erfolge der freiheitlichen Bewegung in den USA. Soziale Netzwerke seien dabei ein wichtiger Grundpfeiler. Bei über 4,3 Millionen Facebook-Likes seiner Organisation hätten Online-Kampagnen ihre Wirkung. Auf Grundlage seines Buches, das er den Anwesenden kostenfrei zur Verfügung stellte, machte er außerdem deutlich, wie Libertäre langsam, aber sicher die Politik zunehmend beeinflussen. Sein energischer Vortrag macht Hoffnung, auch für Deutschland und Europa.

In den darauf folgenden Break-Out Sessions konnten sich die Teilnehmer für drei eher praktischere Themen entscheiden. Zwei der deutschen Mitorganisatoren der Konferenz, der Verfasser dieser Zeilen sowie Bernhard Kuske, sprachen über die „Organisation von Studentengruppen“ respektive „Wie kann gesellschaftlicher Wandel entstehen?“. Gerüstet mit neuem Wissen sind nun viele junge Studenten motiviert, auch an ihrer eigenen Hochschule die Ideen der Freiheit auf den Campus aktiv zu verbreiten. Andere Teilnehmer wohnten dem später kontrovers diskutierten Vortrag des Unternehmers Julian Arndts bei. Er sprach über „Sind wir wirklich frei? Die Willensfreiheit in Philosophie, Physik, Biologie, Ökonomik und Politik“.

Prinz Michael von und zu Liechtenstein folgte mit einem Vortrag zu „Mehr Staat versus Unternehmertum“. Er lobte sein Land dafür, stets unternehmerfreundlich gewesen zu sein. So würden Unternehmer sich  aktiv in die Politik des kleinen Staates einbringen, der es zum Wohlhabendsten in Europa geschafft habe. Damit dies so bleibt hat er sich mit seiner Organisation, dem European Center Of Austrian Economics Foundation; den Ideen der Freiheit verschrieben und unterstützte auch diese Regionalkonferenz großzügig.

Letzter Redner des Tages war der Hamburger Philosophie-Professor Rolf Puster. „Freiheit recht verstehen. Eine Revolution“ schöpfte aus den Tiefen der Philosophie um noch einmal allen deutlich zu machen, wofür man sich eigentlich einsetzt. Seine Gedanken erregten dabei manch Widerspruch im Publikum, das auch nach dem Vortrag noch rege mit ihm weiterdiskutierte. Die Bereitschaft zur gemeinsamen Diskussion war überhaupt ein wichtiger Pfeiler der Konferenz. Dies machte Pusters Vortrag nach Teilnehmerstimmen zum inhaltlich interessantesten der Konferenz. „Why Liberty“ heißt auch der Titel des neuen Buches der Students for Liberty, von dem knapp 2.000 Exemplare an die Studenten und ihre heimischen Gruppen zur Weiterverteilung verteilt wurden. Eine deutsche Übersetzung ist geplant.

Freilich war die Veranstaltung damit noch nicht gelaufen. Bei der anschließenden Liberty Party im Park Cafe München wurde zu Bier und bayrischer Kost diskutiert und neue Bekanntschaften vertieft. Selbst das staatliche Tanzverbot, bedingt durch den Totensonntag am folgenden Tag, konnte viele Libertäre nicht von einer langen Nacht abhalten.

Den Tag reflektierend lobten viele Teilnehmer nicht nur die Vorträge, sondern vor allem die Gelegenheit zur informellen Kommunikation mit Gleichgesinnten. Während des ganzen Tages konnten sich Interessierte darüber hinaus auf der „LibertyFair“ mit diversen freiheitlichen Organisationen, etwa dem Wiener Institut für Wertewirtschaft, unterhalten. eigentümlich frei, Hauptsponsor der Konferenz, verschenkte Hefte und drehte Interview-Videos für den eigenen Youtube-Kanal. Auch die Gruppe Sons of Libertas interviewte viele junge Menschen und die Referenten. ESFL-Lokalkoordinatorin Carolin Rippke moderierte souverän und stets mit einem Lächeln durch die Konferenz. Die Vielzahl unterschiedlicher privater Gespräche hinzufügend entstand so eine breite freiheitliche Atmosphäre, an die man sich noch gerne erinnern wird.

Wer wie viele Teilnehmer kaum die nächste Konferenz erwarten kann, muss sich nicht bis in den Herbst gedulden. Bereits vom 14. bis 16. März 2014 findet erstmals in Berlin die dritte Europäische Konferenz der European Students for Liberty statt. Libertäre aus ganz Europa werden dabei drei Tage lang die Humboldt Universität Berlin  zum Zentrum des Widerstandes gegen Bevormundung, Überwachung und Zwang machen. Eine Teilnahme lohnt sich nach den Erfahrungen der Münchener Konferenz – so der Student Florian Miethe: „Es war grandios so viele junge Menschen treffen zu dürfen, die das Lebensgefühl ‚Freiheit‘ teilen, mit ihnen zu diskutieren, neue Freundschaften zu schließen und alte aufzufrischen. Ich freue mich jetzt schon auf das Wiedersehen 2014 in Berlin!“ 


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