13. Januar 2014

Mandela und Scharon Die Farm der Toten

Vor dem Tod sind alle gleich, aber…

Zwei Politiker, beide sind tot. Einer aber ist toter als der andere. Nur für diesen gilt das Wort, nichts als Gutes über ihn zu reden. Dem anderen darf man hemmungslos ins Grab hinterhertreten.

Ich möchte gewiss nicht behaupten, Ariel Scharon sei ein besserer Mensch gewesen als Nelson Mandela. Ich will und kann an dieser Stelle die Lebensleistung und den Charakter der beiden Männer nicht beurteilen. Es ist zweifellos erlaubt, Scharon zu kritisieren. Es ist zweifellos erlaubt, Mandela zu bejubeln.

Ich fühle mich allerdings angeekelt von Leuten, die noch vor einem Monat massiv über einen Christoph Blocher herfielen, weil er es gewagt hatte, dem Chor der Mandela-Bejubler leise zu widersprechen – und die heute dem israelischen Ex-Premier folgende Schlagzeilen ins Grab mitgeben:

– „Israels Ex-Ministerpräsident gestorben: Der Hass auf Scharon ist immer noch lebendig“ (Rheinische Post)

– „Nachruf: Scharon, der zynische Krieger“ (Zeit Online)

– „'Schlächter', 'Bulldozer', Kämpfer, Führer, Politiker: Trauer und Häme über Scharons Tod“ (n-tv.de)

– „Ariel Scharon ist tot: Der Bulldozer rollt nicht mehr“ (taz)

– „›In einer Woche dürfte die Person Sharon vergessen sein‹“ (Basler Zeitung)

Gratulation. Ja, liebe Journalisten, Ihr seid echt moralisch überlegen.


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Martin Johannes Grannenfeld

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