13. Januar 2014

Feminismus Angst vor der Freiheit

Gegen den Strich gebürstet

Alice Schwarzer und Co. haben kürzlich eine seltsame und sehr unfreie Diskussion über Prostitution angestoßen. Aus der Sichtweise der Hohepriesterin der Emanzipationsbewegung sind Frauen immer Opfer, Männer bzw. Freier die Täter. Vielleicht ging es der Feminismus-Ikone aus Wuppertal bei dem ganzen medialen Spektakel auch weniger um die Rechte der Frauen als vielmehr um kapitalistische Gewinnmaximierung. Schließlich galt es, ihr neues Buch „Prostitution – Ein deutscher Skandal“ möglichst gut zu verkaufen.

Auch in unserem Nachbarland Frankreich will man der Prostitution an den Kragen. Mit dem Slogan „Lass mir meine Nutte“ haben sich einige Prominenten gegen den neuen moralischen Furor zur Wehr gesetzt, unter anderem der Erfolgsautor Frédéric Beigbeder. Iris Radisch hat in der „Zeit“ Beigbeder sogleich als „Bordellgänger“ denunziert, um ihn so ins moralische Abseits zu befördern.

Dabei lehrt ein Blick in Beigbeders fantastisches Buch „Ein französischer Roman“, dass es sich bei dem ehemaligen Werbetexter aus sehr gutem Haus um einen wahren Freigeist handelt, der gegen Tabus und Denkverbote anschreibt. Eine staatlich verordnete „Rückkehr zur Moral“ hält er für „Faschismus pur“. Schon Oscar Wilde hat gesagt: „Man kann niemanden per Verordnung dazu zwingen, ein guter Mensch zu sein."

Beigbeder wurde 1965 geboren. Während wir uns gern einreden, dass unsere Eltern und Großeltern unter muffigen und unfreien Verhältnissen litten, zeigt der Autor, dass das Gegenteil der Fall ist. In der Jugend seiner Eltern wurden die Freiheiten nämlich immer größer, in seiner eigenen Jahr für Jahr kleiner. Ein falsch verstandener Mainstream-Liberalismus hat heutzutage dazu geführt, dass dieser Liberalismus all die Geisteshaltungen nicht mehr toleriert, die er für eine Abweichung von der Norm hält. Nicht nur Raucher können hiervon ein Lied singen. Demnächst wird wahrscheinlich auch noch der bloße Gedanke an eine Zigarette unter Strafe gestellt.

Gegen den Strich gebürstet sind auch Beigbeders Anmerkungen zum Feminismus. Frauen dürfen nicht mehr „nur“ Hausfrau sein. Nein, die „Sklaverei des Feminismus“ hat dazu geführt, dass sie unter einer Doppel- und Dreifachbelastung zu leiden haben. Früher „zogen die Frauen die Kinder groß, jetzt ziehen sie die Kinder groß und müssen außerdem arbeiten."

Dass Beigbeder zusätzlich noch schreibt, dass er auf abenteuerlichen Umwegen zu einem Leser der literarischen Rechten geworden sei, nur weil die Bücher lustiger waren als die von Sartre und Camus, dürfte für die Gesinnungshüter dann endgültig zu viel sein. Es lohnt sich, Beigbeder zu lesen. Warum haben nur unsere deutschen Schriftsteller oft so viel Angst vor der Freiheit und haben sich von den Altvorderen wie Walser und Grass immer noch nicht emanzipiert?


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