19. Januar 2014

Homo-Ehe und Adoptionsrecht Mein Coming-Out

Über die Intoleranz der „Toleranten“

Die Diskussion um Hitzlsperger zeigt, dass es manchmal wichtig sein kann, sich zu outen. Daher habe auch ich hiermit mein Coming-Out: Ich bin ganz energisch gegen die sogenannte „Homo-Ehe“ und habe das Bedürfnis, dies auch öffentlich zu erklären.

Warum? Nun, die Ehe ist eine Institution, die sich unabhängig voneinander in allen Hochkulturen entwickelt und sich evolutionär bewährt hat. Sie ist überall als Verbindung eines Mannes mit einer Frau definiert. Auch Polygamie ist hier kein Gegenbeispiel, denn auch in einer polygamen Lebensform hat ein Mann mehrere Ehen mit jeweils einer Frau, die zeitgleich nebeneinander bestehen, aber nicht eine Ehe mit mehreren Frauen. Insoweit kann es überhaupt keine homosexuelle Ehe geben. Homosexuelle können natürlich zusammenleben, und ich wünsche jedem Homosexuellen eine glückliche Partnerschaft und ein erfülltes Sexualleben, aber ich wende mich energisch dagegen, dass der Staat homosexuellen Lebensgemeinschaften dieselben Privilegien verleiht wie der traditionellen Ehe.

Ja, die Ehe ist ausdrücklich privilegiert, denn „Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung“ (Artikel 6.1. des Grundgesetzes). Die Formulierung, dass Ehe und Familie „besonders“ geschützt werden, deutet ein Privileg an, denn wenn etwas besonders geschützt wird, erfährt es mehr Schutz als irgend etwas anderes. Die Privilegierung der Ehe ist also im Grundgesetz ausdrücklich vorgesehen. Diese Privilegierung liegt darin begründet, dass die Ehe eine auf lebenslangen Bestand angelegte Lebensform und daher in besonderer Weise als Schutzrahmen für Zeugung und Erziehung von Kindern geeignet ist. Sie ist daher tatsächlich das Fundament jeder funktionierenden Gesellschaft. Eine homosexuelle Lebensgemeinschaft erfüllt diesen Zweck nicht, und es gibt daher keinerlei Grund, sie in irgendeiner Weise zu privilegieren.

Auch ein Adoptionsrecht homosexueller Lebensgemeinschaften stößt auf meinen energischen Widerstand. Bei der Adoption von Kindern darf allein das Kindeswohl entscheidend sein, von daher kann es ein Recht auf Adoption schon per definitionem nicht geben. Es ist nachgerade pervers, ein Recht auf Adoption zu fordern, weil durch ein solches Recht die Kinder zum Spielball der angeblich Berechtigten würden. Nein, eine Adoption ist immer – auch, wenn heterosexuelle Paare ein Kind adoptieren – ein Privileg, und kein Recht. Warum sollte dieses Privileg aber Homosexuellen vorenthalten bleiben? Nun, erstens muss abschließend geklärt werden, ob ein Kind durch zwei gleichgeschlechtliche Pflegeeltern eine genauso gesunde Entwicklung erfährt wie durch zwei verschiedengeschlechtliche. Selbst, falls diese Frage positiv zu beantworten sein sollte, ist doch zweitens zu erwarten, dass Kinder, die bei homosexuellen Pflegeeltern aufwachsen, Herabsetzung, Erniedrigung und Verachtung von Seiten mancher Außenstehender ausgesetzt sein werden. Dies ist dann zwar nicht den Pflegeeltern, sondern dem schäbigen Verhalten einiger ihrer Mitmenschen anzulasten, doch bei der Frage nach Adoption muss eben allein das Kindeswohl im Vordergrund stehen. Somit ist es irrelevant, von welcher Seite die Gefährdung für das Kindeswohl kommt: Allein, dass sie vorhanden ist, reicht unabhängig von ihrer Herkunft völlig aus, um Homosexuellen das Adoptionsprivileg zu verweigern.

Soweit meine kurze Stellungnahme zu diesem Themenkomplex. Warum ist mir dieses Thema aber so wichtig, dass ich darüber einen Artikel verfasse? Ausschlaggebend dafür ist erstens die zunehmende Ideologisierung und totalitäre Tendenz der veröffentlichten Meinung.

Nur ein aktuelles Beispiel: Eine vollkommen harmlose Petition zum Bildungsplan 2015 für die allgemeinbildenden Schulen in Baden-Württemberg, die sich gegen die „pädagogische, moralische und ideologische Umerziehung an den allgemeinbildenden Schulen“ betreffs umfassender Akzeptanz homosexueller Lebensgemeinschaften wendet, aber zugleich ausdrücklich „das Anliegen, Homosexuelle, Bisexuelle, Transgender, Transsexuelle und Intersexuelle nicht zu diskriminieren“, unterstützt und auch feststellt: „Bestehende Diskriminierung soll im Unterricht thematisiert werden“, führt dazu, dass der Initiator als Referatsleiter im Realschullehrerverband zurücktreten muss und gegen ihn sowohl eine Dienstaufsichtsbeschwerde als auch eine Strafanzeige erstattet werden. Das ist einfach nur Irrsinn!

Doch von Seiten der politischen Linken und der von ihnen dominierten öffentlichen Meinung ist man Hass und Lüge schon gewohnt und auch nichts Besseres zu erwarten. Weit beunruhigender ist jedoch der Fanatismus, mit dem das betreffende Thema auch in liberalen Kreisen von einigen Befürwortern der „Homo-Ehe“ behandelt wird. Dies ist der zweite Grund, warum es mir ein besonderes Bedürfnis ist, mich öffentlich zu erklären.

Wenn schon die harmlose Aussage, dass ein Outing als solches nicht mutig sei, ausreicht, um einen verdienten liberalen Publizisten als „widerliche, heuchlerische, kleinbürgerliche Amöbe“ zu beschimpfen, wenn alle in dieser Frage konservativ und traditionell denkenden Menschen als solche bezeichnet werden, die Homosexuellen nur „großzügigerweise den rosa Winkel ersparen“ würden und wenn die inhaltlich vollkommen richtige Aussage , dass „Ehe und Familie für unsere Gesellschaft konstitutiv sind“ (so Bernd Lucke zum Hitzelsperger-Outing), für „einfach zutiefst ekelhaft“ und „entartet“ erklärt wird, dann läuft etwas grundlegend schief.

Daher möchte ich den entsprechenden Pöblern hiermit zurufen: Die einzigen, die zutiefst ekelhaft und entartet sind, seid Ihr, und zwar nicht aufgrund Eurer Meinung, die für sich genauso respektabel und diskutabel wie die Gegenposition ist, und auch nicht aufgrund Eurer etwaigen Sexualpräferenzen, sondern allein aufgrund Eures irrationalen Fanatismus. Bitte beherrscht Euch künftig oder wechselt wahlweise zur Linkspartei, aber blamiert nicht den Liberalismus damit, Euer Geschwätz unter seinem Label zu veröffentlichen.

Dennoch möchte ich versöhnlich schließen: Auch Ihr habt etwas Gutes, Ihr habt mich nämlich dazu motiviert, diesen Artikel zu schreiben. Von daher erweist sich wieder einmal die Wahrheit des Sprichwortes: „Niemand ist überflüssig: Er kann immer noch als schlechtes Beispiel dienen.“


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