21. Januar 2014

Homo-Ehe und Adoptionsrecht Ruhig Blut!

Antwort auf das „Outing“ von Manuel Peters

Ich stimme Manuel Peters voll und ganz zu: Jede Diskussion, insbesondere wenn sie unter einem liberalen oder gar libertären Dach geführt wird, muss immer auf dem Boden des menschlichen Anstands bleiben. Pöbeleien gegen den Andersdenkenden sind nicht Sache des Liberalismus. Insbesondere weil dieser sich für seine Urteilsfindung nicht auf diffuse Emotionen oder Ideologien stützt (die dann meist zu derartigen Pöbeleien führen), sondern auf Argumente der Vernunft und des Sachverstandes.

Damit aber sind wir bei der Sache selbst – dem „Outing“ von Peters in Sachen „Home-Ehe“ und Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare. In beiden Fragen ist Peters Argumentation schwach und scheint eher von (durchaus nachvollziehbaren) Gefühlen geprägt als echten, stichhaltigen Argumenten – das „Nicht-Normale“ macht eben Angst.

Beginnen wir bei dem zweiten Punkt. Peters irrt, wenn er schreibt, es gäbe kein Recht auf Adoption. Dies gibt es sehr wohl, allerdings gilt es dem Kinde, nicht den möglichen Adoptiveltern. Das Kind hat nämlich ein Anrecht darauf, anstatt in einer, meist staatlichen, Kinderverwahranstalt in einem „Zuhause“ aufzuwachsen – geprägt von Liebe, Zuneigung und Fürsorge. Ob dieses Zuhause dann von hetero- oder homosexuellen Paaren gestaltet wird, ist dabei nachrangig. Die Frage nach dem Kindeswohl ist die einzig entscheidende, wie Peters auch richtig feststellt. Dass er dabei jedoch in Zweifel zieht, dies könne in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft gleich gut gewährt werden, erscheint intellektuell unredlich. Denn er argumentiert, dass die Adoptivkinder „Herabsetzung, Erniedrigung und Verachtung von Seiten mancher Außenstehender“ erfahren könnten. Folgt man Peters Argumentation stringent, dürften beispielsweise auch Kinder aus Asien, Afrika oder Südamerika in Deutschland nicht adoptiert werden, da auch sie möglicherweise Herabsetzung, Erniedrigung und Verachtung ausgesetzt wären. Auch sollten Zuwanderer dann besser keine Kinder bekommen, denn auch diese könnten möglicherweise Herabsetzung, Erniedrigung und Verachtung erfahren... und Liliputaner! Und Rothaarige! Und und und... Mit anderen Worten: Menschen werden immer Diskriminierung durch andere Menschen erfahren, sei es in der Schule (oder später am Arbeitsplatz), in der Liebe, beim Sport oder jedem anderen gesellschaftlichen Bereich, sei es wegen körperlichen oder intellektuellen Unzulänglichkeiten, wegen ihrer Kleidung oder ihrem Elternhaus oder schlicht wegen einer zu großen Nase. Die beste Wappnung hiergegen ist ein liebvolles, fürsorgliches und dadurch haltgebendes Zuhause. Vor allem aber – um Peters Argument noch einmal von einer anderen Seite zu beleuchten – dürften Kinder, die in Heimen aufwachsen, eine viel größere Herabsetzung, Erniedrigung und Verachtung erfahren, schon allein weil es aufgrund ihrer Unterbringung evident erscheint, dass sie nicht gewollt sind – insbesondere den Kindern selbst.

Indirekt zieht Peters zudem in Zweifel, dass ein Kind, erzogen durch ein homosexuelles Paar, eine genauso gesunde Entwicklung durchmachen könne wie jenes, das von einem heterosexuellen Paar erzogen wird. Auf die körperliche Entwicklung kann sich Peters dabei wohl kaum beziehen – zumindest wenn man fairerweise annimmt, dass wer ein Kind adoptieren will, dieses in Liebe erzieht und jeden körperlichen Schaden von ihm fernhalten möchte. Also bleibt die psychische Entwicklung. Was Peters mithin impliziert ist, dass ein homosexuelles Paar die sexuelle Orientierung seines Adoptivkindes beeinflussen könnte. Mit diesem Gedanken aber geht Peters gerade jenen Gendermainstreamern auf den Leim, von denen er sich sicherlich abgegrenzt wissen will. Denn Geschlecht und damit auch geschlechtliches Begehren ist nun einmal biologisch und nicht sozial begründet. Garstig formuliert: Homosexualität ist keine ansteckende Krankheit. Allenfalls könnten die in der Tat sozial geformten Rollenmuster von Mann und Frau bei den betreffenden Kinder weniger stark ausgeprägt auftreten – was aber angesichts der sich auflösenden gesellschaftlichen Rollenmuster nicht unbedingt ein Nachteil sein muss.

Auch seine Haltung zur „Home-Ehe“ scheint befremdlich – zumindest aus liberaler beziehungsweise libertärer Sicht – und sich mehr an dem Wort „Ehe“ und bestimmten Begriffen wie Familie als an den damit verbundenen Rechten oder Pflichten aufzuhängen. Grundsätzlich ist jede freiwillige(!) Kooperation von zwei (oder mehr) Menschen zu begrüßen. Wer sich entschließt, für einander da zu sein und für einander zu sorgen, wird aber plötzlich damit konfrontiert, dass der Staat unser Leben sehr stark reglementiert hat – das gilt für Krankenbesuche ebenso wie für Autoversicherungen oder die administrativen Akte, die als Folge von Todesfällen auftreten. In all diesen Bereichen gleichgeschlechtlichen Paaren die Rechte von gemischtgeschlechtlichen Paaren vorzuenthalten, lässt argumentativ nicht sinnvoll vertreten. Dass es bei vielen dieser Fragen auch und vielmals vor allem um Geld geht, ist unbestritten. Wer aber unter dem Verweis auf  die Kindererzeugung den schwulen und lesbischen Paaren das Ehegattensplitting oder eine vergünstigte Erbschaftssteuer vorenthalten will, dem halte ich nur eines entgegen (allein aufgrund der Kürze des Arguments – es gäbe mehr zu sagen): Ich freue mich über jeden Cent, der nicht durch die staatliche Umverteilungsmaschinerie enteignet und gestohlen wird, sondern dem Bürger zur freien und damit besseren Verwendung bleibt.

Die sooft beschriene Zerstörung der gesellschaftlichen Keimzelle schlechthin, der Familie, wird durch „Homoehe“ und Adoptionsmöglichkeiten jedenfalls nicht passieren. Selbst wenn es daran interessierte Kreise gibt, müssten diese dafür deutlich mehr tun. Sogar Mao hat es mit seinem grausamen, 30 Jahre dauernden Gesellschaftsexperiment nicht geschafft, den familienlosen, kommunistischen Menschen zu schaffen. Im Gegenteil: In wenigen Tagen brechen wieder eine Milliarde Menschen auf, um das chinesisches Neujahrsfest im Kreise ihrer Familie zu feiern, und jede chinesische Familie, die es sich leisten kann, zahlt die Strafsteuer für das zweite Kind ohne mit der Wimper zu zucken. „Homoehe“ und Adoptionsmöglichkeit sind keine Bedrohung für die Familie – im Gegenteil, sie fügen dieser gesellschaftlichen Keimzelle eine kleine, weitere Variante hinzu.

Eine Bemerkung sei mir zum Abschluss noch gestattet: Die gesamte Debatte erscheint viel zu emotional aufgeladen angesichts ihrer tatsächlichen gesellschaftlichen Irrelevanz. Was geht den heterosexuellen Ehen verloren, wenn es auch homosexuelle Ehen gibt? Richtig – nichts! Wie groß ist die Zahl der Homosexuellen, die tatsächlich ein Kind adoptieren wollen? Sie dürfte verschwindend gering sein und damit letztlich genauso wenig gesellschaftlich relevant wie die gesamte Transgender-Debatte, die weniger als ein Promille der deutschen Bevölkerung betrifft. Anstatt unsere intellektuelle Kraft in Diskussionen um real kaum relevantes zu verschwenden, sollten wir unsere Energie lieber auf jene Dinge konzentrieren, die tatsächlich den gesamtgesellschaftlichen Frieden und unser aller Freiheit bedrohen.

Diese sind zahlreich genug.

Manuel Peters: Mein Coming-Out


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