22. Januar 2014

Wirtschaft Nicht totzukriegen

Die Mär vom geplanten Verschleiß

Geschichten vom geplanten Verschleiß, der bewussten Nutzungsdauerverkürzung zum Leidwesen des Verbrauchers haben kein Verfallsdatum. So schrieb Steven Landsburg vor einigen Jahren in einer Kolumne im Online-Magazin „Slate“: „Alle paar Jahre wieder behauptet jemand, General Electric würde zwar wissen wie man Glühlampen baut die länger als 1000 Stunden halten, uns diese aber vorenthalten, damit wir immer wieder neue kaufen. Ganz ähnlich schreibt Ann Landers unablässig Kolumnen über Feinstrumpfhosen, die nur deshalb Laufmaschen ziehen, damit sich Frauen alle zwei Wochen ein neues Paar kaufen müssen.“ (Slate, Everyday Economics, 14.10.1999, Übersetzung durch den Verfasser)

Tatsächlich ist es mal wieder soweit. In einem Gutachten für die Grünen kritisiert Christian Kreiß, Professor für Wirtschaftspolitik an der Hochschule Aalen, Kapitalisten für ihre Neigung bewusst zu Lasten der Verbraucher in ihre Produkte ein Verfallsdatum einzubauen. Natürlich wird auch wieder der alte Hut von General Electric und der absichtlich reduzierten Brenndauer ausgepackt. Doch was in diesem Gutachten als wirtschaftliche Erklärung für geplanten Verschleiß angeführt wird, hat mit ökonomischer Logik nicht viel zu tun. Ganz im Gegenteil wird den Unternehmen unterstellt, sie würden allein auf die Reduzierung ihrer Kosten abzielen, dabei jedoch nicht berücksichtigen, dass Langlebigkeit als Qualitätskriterium Relevanz für den Verbraucher hat. Zudem würde man ganz bewusst die Nutzungsdauer verkürzen, um immer wieder neue Produkte verkaufen zu können. Dass aber Langlebigkeit nicht der einzige Beurteilungsmaßstab des Verbrauchers ist und die Hersteller neben den eigenen Herstellungskosten auch die optimale Nutzungsdauer ihrer Durchschnittskonsumenten berücksichtigen, scheint dem Gutachter entgangen zu sein. Mode, technischer Fortschritt, veränderte Nutzungsanforderungen, all dies sind Rahmenbedingungen, die den Wert von Gebrauchsgütern für die Verbraucher bestimmen. Natürlich kann ein Hersteller mit hohem Kostenaufwand nahezu ewig haltende Geräte auf den Markt bringen. Doch für diesen Preis werden viele Verbraucher nicht bereit sein zuzugreifen, weil andere Faktoren lange vor Ende der Nutzungsdauer den Wert des Gutes reduzieren.

Legt die überwiegende Zahl der Verbraucher jedoch großen Wert auf Langlebigkeit, dann lässt sich durch die Unternehmen auch eine entsprechend hohe Zahlungsbereitschaft abschöpfen, mit der sich die höheren Produktionskosten decken lassen. Es macht wenig Sinn Störstellen in ein Produkt einzubauen, für dessen langlebige Version die Konsumenten Premiumpreise bezahlen wollen. Ebenso wenig sinnvoll ist es aber auch viel Geld in Langlebigkeit zu investieren, wenn die Produkte lange vor dem physischen Verschleiß auf dem Müll landen, weil Geschmack, Mode oder technische Anforderungen sich verändert haben. Oder das Gebrauchsrisiko oder Geldknappheit diktieren die Bedürfnisse der Verbraucher, wie Steven Landsburg weiter ausführt: „In den meisten Fällen fordern die Verbraucher den “geplanten Verschleiß”, weshalb Unternehmen ihn als Service anbieten. Vielleicht würden sie doch lieber keine Feinstrumpfhose für 52 Dollar kaufen, weil sie Angst haben, dass sie in der Wäscherei verloren geht. Oder sie haben die 52 Dollar gerade nicht bei der Hand. In dem ihnen der Hersteller die Möglichkeit gibt  26 Paar minderwertige Feinstrumpfhosen für je 2 Dollar zu kaufen, bekommen sie von ihm entweder das Äquivalent einer Versicherung (gegen den Verlust einer ganzen Jahresausstattung von Feinstrumpfhosen) oder einen Kredit (indem er es ihnen ermöglicht ihre Ausgaben über ein ganzes Jahr zu verteilen).“ (Slate, Everyday Economics, 14.10.1999, Übersetzung durch den Verfasser)

Gerade bei Computern und Unterhaltungselektronik, bei denen der technische Fortschritt den Gebrauchswert massiv bestimmt, lohnt sich Langlebigkeit nur in engen Grenzen. Natürlich gibt es immer wieder Verbraucher, die sich eine längere Lebensdauer wünschen. Doch Unternehmen orientieren sich im Wettbewerb am typischen Verbraucher, der ohnehin alle paar Jahre Modellpflege betreibt. Da ist es auch nicht ehrenrührig, wenn ein Unternehmen nach einiger Zeit Service und Wartung nicht mehr vornimmt, weil Aufwand und Nutzen nicht mehr in angemessener Relation stehen. Das wäre erst recht Ressourcenverschwendung. Für den Staat besteht hier schlichtweg kein Handlungsbedarf, solange der Wettbewerb funktioniert und Unternehmen sowie Verbraucher die Kosten der Produktion durch angemessene Preise decken. Es reicht, wenn sich der Staat auf seine Kernaufgaben in der Umweltpolitik konzentriert und dafür sorgt, dass neben Herstellern und Verbrauchern nicht noch Dritte die Last der Produktion in Form von Umweltbeeinträchtigungen tragen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Liberalen Instituts.


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