27. Januar 2014

Schuldiktatur Liberté – toujours?

Schulzwang wegen mangelnder „Sozialisation“

In Frankreich will man ein Freiheitsrecht beseitigen, das es bislang ermöglichte, Kinder zu Hause zu unterrichten. Vorwand für das neue Gesetz, gegen das sich jetzt Widerstand regt, ist angeblich unzureichende „Sozialisation“ im Elternhaus. So soll Hausunterricht nur noch bei schwerwiegender Krankheit des Kindes erlaubt sein.

Galt unser westlicher Nachbar bislang als Asylregion für Flüchtlinge aus der deutschen Schuldiktatur, könnte sich das bald ändern. Weitgehend unbemerkt von der französischen Öffentlichkeit haben sozialistische Abgeordnete des Pariser Parlamentes (Sénat) am 18. Dezember 2013 eine Gesetzesvorlage eingebracht, die das Recht auf „L’instruction en famille“  massiv einschränkt. Das anvisierte Gesetz begründen Parlamentarier aus Kultur- und Bildungsausschüssen damit, „Sozialisierung” sei eines der „Ziele von Schulbildung”. Eine „harmonischere Entwicklung” von Kindern erfordere, sie die „Vielfalt der Lebensbedingungen und Kulturen von Gleichaltrigen entdecken” zu lassen. Bildung zuhause wiederum lasse diese notwendige „kollektive Dimension” der Schulerfahrung vermissen. Hausunterricht dürfe kein „Vorwand“ sein, um Kinder zu „entsozialisieren“ und „geistig, ideologisch oder religiös zu konditionieren.“ Daher dürfe „L’éducation à domicile“ nur noch in Fällen dauerhafter oder vorübergehender Krankheit oder Behinderung des Kindes erlaubt werden.

Um diese drastische Beschneidung des noch geltenden Elternrechts zu verhindern, fordert eine französische Petition im Weltnetz, die Gesetzesvorlage zu beseitigen. Bislang konnte man gut 23.500 Unterstützer gewinnen, die Petenten streben mindestens 30.000 Unterschriften an. Unterschreiben kann jedermann unter Angabe seiner ePost-Adresse, die entsprechende Software filtert Mehrfach-Unterschriften automatisch aus.

Zuspruch erhalten die Bürger für Bildungsfreiheit nicht nur aus Frankreich selbst, sondern auch aus den Benelux-Ländern sowie aus England. Nicht unberechtigt wird dort, im sogenannten „Mutterland der Demokratie”, die Entwicklung hin zur Verstaatlichung der Kinder sorgenvoll verfolgt. Dies bringt eine Kommentatorin im dringenden Aufruf zur Unterstützung der Unterschriftensammlung folgendermaßen auf den Punkt: „Macht schon, Freunde – bitte unterschreibt das! Wir wollen nicht, dass die Franzosen unsere Regierung auf komische Gedanken bringt.” In Deutschland hingegen braucht keiner zu befürchten, dass Politiker sich in Sachen Kürzung der Freiheitsrechte vom (sozialistischen) Ausland inspirieren ließen. In dieser Hinsicht genügen wir uns selbst. Schließlich ist der „Gedanke” vom kollektivistischen Schulgebäudezwang eine zuvörderst hiesige Erfindung. Sie auch umgesetzt zu haben, geht auf den deutsch-sozialistischen Vorreiter par excellence zurück, einem nicht ganz „Reinrassischen“ aus Braunau am Inn.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Der Blaue Brief.


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