06. Februar 2014

Deutsches Gold Rätselhaft ins Stocken geraten

Bundesbank rückt von konkretem Rückholungszeitplan ab

Aus aktuellem Anlass veröffentlichen die Initiatoren der Aktion „Holt unser Gold heim“ ein kleines Update aufgrund immerhin medial-rhetorisch und zum Teil auch inhaltlich bemerkenswerter neuer Entwicklungen: Das „Handelsblatt“ veröffentlicht heute (6.2.2014) volle drei Seiten ausschließlich zur Goldreserve der Deutschen – verwahrt bekanntermaßen durch die Deutsche Bundesbank, die Fed, die Banque de France und die Bank of England. Unter der vermutlich bewusst doppeldeutigen Überschrift „Schweigen ist Gold“ liefern gleich vier „Handelsblatt“-Redakteure um den wohl seniorsten und in Geld=Gold-Fragen kompetentesten Norbert Häring herum eine in Teilen durchaus kritische Abhandlung mit vielen den Lesern dieses Blogs gut bekannten Fragen.

Fragen, für die wir noch vor wenigen Tagen und seit Beginn unserer Aktion 2011/12 in fast allen Mainstream-Gazetten als paranoide Verschwörungstheoretiker hingestellt wurden – wohl, weil sich heikle Gold-Fragen (aus Sicht der Bundesbank) so am einfachsten nicht beantworten ließen. Heute im „Handelsblatt“ nun bleibt die rhetorische Totschlag-Keule „Verschwörungstheorie“ aus dem Blatt. Offenbar hat man nun endlich verstanden, dass sich der deutsche Mainstream lächerlich machen würde, wenn er angesichts der in überwältigender Weise kritisch zum Bundesbank-Gold nachfragenden eigenen Leserzuschriften und angesichts Hunderter Berichte der internationalen Beobachter und Medien zum Thema (zuletzt sogar die „Financial Times“) bei der Diffamierungs-Strategie bliebe! Die deutsche öffentliche Heimholungs-Forderung „Holt unser Gold heim“ hat es inzwischen dutzendfach sogar in asiatisch-afrikanische Gazetten geschafft, die wir mangels Sprachkenntnis nicht einmal selbst lesen können! Der deutsche Goldschatz bei Fed & Co ist eben nicht einfach nur der einzig substanzielle Kernbestandteil der BuBa-Bilanz und auch nicht nur intransparent verwahrtes Volkseigentum über 100 Milliarden Euro, sondern zugleich auch ein Geo-Politikum und ein wichtiger Basisstein des weltweiten vermuteten Fractional Gold Banking-Systems.

Das „Handelsblatt“ schreibt heute: „Die Politik macht Druck auf die Bundesbank“.

Dazu stellen wir fest: „Die Politik“ machte seit 50 Jahren fast gar nichts. Nach David Marsh 1992 und Bruno Bandulet 1999 sowie Dimitri Speck war Martin Hohmann dann 2002 der erste Politiker, der wenigstens Fragen stellte – ohne Ergebnis in der Sache. MdB Gauweiler immerhin ist rhetorisch bemüht und reklamiert für sich das Verdienst, den Bundesrechnungshof auf die Sache gestoßen zu haben. Lassen wir das so stehen. Ohne öffentlichen Druck hätte es natürlich nie funktioniert. Und MdB Mißfelder (heute „Beauftragter der Bundesregierung für das deutsch-amerikanische Verhältnis“) wäre als überzeugter Transatlantiker niemals auf die Fed-Gold-Thematik aufgesprungen, wenn es den öffentlichen Druck nicht gegeben hätte und wenn man nicht ein Ventil zur kontrollierten Druckableitung gebraucht hätte. Wie auch immer: „Die Politik“ macht in dieser Sache wenig, wenn sie nicht seit Jahren von Uns-dem-Volk latent und inzwischen auch von der internationalen Öffentlichkeit zum Jagen getragen würde. Und immerhin fordert Mißfelder seit einigen Wochen nun zurecht die Rückholung aller Auslandsbestände der Deutschen Bundesbank (also 2300 Tonnen statt der geplanten 700 Tonnen)!

„Handelsblatt“: „Die Rückführung stockt – aus rätselhaften Gründen.“

Lassen Sie das nicht die BuBa hören, Herr Häring. Sonst sind Sie ganz schnell Verschwörungstheoretiker. „Rätselhaft“ ist in den Kellern und Büchern der BuBa und der Fed nichts, rein gar nichts! Wir reden (Zitat BuBa) von „Partner-Notenbanken, deren Integrität ebenso außer Frage steht“ wie die Reinheit des Goldes. Lassen Sie sich das gesagt sein.

„Handelsblatt“: „An die gegebene (Rückholungszusage mit konkretem Zeitplan) fühlt sich die Bundesbank nicht mehr gebunden, wie sie nun erstmals (gegenüber dem „Handelsblatt“) einräumt.“

Interessant – denn dies ist in der Tat das erste Mal, dass die BuBa die 2012 gegenüber dem Deutschen Bundestag gemachte Versprechung einer vollständigen Bestandsprüfung und einer Rückholung von „150 Tonnen aus New York bis 2015“ teilweise zurücknimmt. Nach den 2013 von New York zurückgeholten fünf  Tonnen und den für 2014 angekündigten 30-50 Tonnen meint weiß man bei der BuBa wohl heute bereits, von New York 2015 nicht einmal 100 Tonnen (= 6,7 Prozent des Bestands) bekommen zu können!

Zwar gab es in der Tat seit Januar 2013 ein neues, schwammigeres Rückholkonzept, in dem von „300 Tonnen aus New York bis Ende 2020“ die Rede ist. Doch die konkretere Rückholplanung aus der Bundestagsanhörung von 2012 war bislang nie zurückgenommen worden – weswegen die oben zitierte Einräumung der Nichterreichbarkeit dieses Teilziels per 2015 durchaus bemerkenswert ist! Und natürlich unserem Misstrauen gegenüber der Herausgabefähigkeit und -willigkeit der Fed weitere Nahrung gibt.

„Handelsblatt“: „Die BuBa fühlt sich wegen ‚logistischen Schwierigkeiten‘ an die dem Bundestag gegebene Zusage nicht mehr gebunden.“

Dieses Thema hatten wir bereits in früheren Aufsätzen erschöpfend abgehandelt. Wenn selbst lächerliche 80-100 Tonnen Goldtransport pro Jahr für Fed/BuBa zu „schwierig“ sind (dies trotz der von Weidmann bereits angeforderten Hilfe der BIZ), dann muss man sich schon fragen, wie damals ca. 2000-2002 ohne jedes Getue und öffentliche Jammerei fast 1.000 Tonnen von der Bank of England nach Frankfurt verbracht werden konnten. Genau diese damalige „erfolgreiche“ Transport-„Leistung“ behauptet die BuBa selbst jedenfalls seit 2012.

Und ganz unabhängig davon bliebe es der BuBa natürlich unbenommen, einfach die Fed um einen Swap ihrer Barren mit einem europäischen Goldhalter / internationalen Händler zu bitten – und die Barren dann von FOB London, Zürich oder gar Frankfurt zu beziehen. Keinerlei physischer transatlantischer Transport erforderlich – und alles auch garantiert LGD-konform! Das hätte zwar den Nachteil, dass wir paranoiden Goldhistoriker die alten deutschen Barren bei der Fed aus den 1950ern und 1960ern niemals in Frankfurt zu sehen bekämen (da ja dann geswapt gegen europäisches Gold). Doch das wäre kein großer Nachteil, nachdem die BuBa ohnehin jede Veröffentlichung von Fotos oder Nummernlisten der angeblich bereits heimgeholten und angeblich bereits umgeschmolzenen, nun nicht mehr existenten Fed-Original-Barren „aus Sicherheitsgründen“ verweigert. Dabei hätte aus Sicht der BuBa die Swap-Lösung doch den tollen Vorteil, dass wir endlich die dummen und heiklen Fragen nach unseren Originalbarren einstellen müssten. Doch nein – selbst diesen logistisch und juristisch und medial so super-einfachen Weg, bei dem 2.300 Tonnen Auslandsgold dann „Weihnachten zuhause“ wären wie anno dazumal 1914 die deutschen kaiserlichen Truppen m Ersten Weltkrieg, kann oder will die BuBa nicht gehen. Honi soit qui mal y pense. Beschämt sei, wer schlecht darüber denkt.

„Handelsblatt“: „Peter Gauweiler will diese Verzögerungstaktik nicht mehr akzeptieren. Er fordert, die Goldbestände ‚sofort vor Ort zu überprüfen und so schnell wie möglich nach Deutschland zu bringen‘.“

Lieber Herr Gauweiler. Wir laden Sie gerne erneut zur Mitzeichnung bei „Holt unser Gold heim“ ein. Ihre so klar formulierten Forderungen sind auch die unseren. Seit 2011. Bringen wir endlich Nachdruck und Umsetzungswillen hinter die Forderungen!

„Handelsblatt“: „Die Revisoren der Bundesbank konnten die deutschen Goldbarren inzwischen in Augenschein nehmen.“

Und ewig grüßt das Murmeltier. Diese Verlautbarung ist nicht neu. Bleibt aber völlig unbelegt und unkonkret. Weiterhin verweigert die BuBa jede Aussage darüber, wer diese ominösen Revisoren denn waren (Namen), wann sie ganz genau was revisioniert haben, was „in Augenschein nehmen“ bedeutet, welche von wem unterzeichneten Prüfungs-Reports es dazu gibt – beziehungsweise warum all diese Infos „vertraulich“ sein sollten??

Doch halt – wir erfahren ja noch mehr: BuBa-Vorstand Thiele habe im Juni 2012 die deutschen Bestände in NY „persönlich in Augenschein genommen“. Ahja – irgendwelche Zählungen und Prüfungen gemacht, Herr Thiele? Und „darüber hinaus“ waren Sie auch „in den Tresoren in London und Paris“. Haben Sie dort eigentlich die Queen beim Spaziergang in den Tiefen der Bank of England getroffen? Märchenhaft alles dort, nicht wahr? Und Ihr Sprecher sagt uns auch noch: „Herr Thiele konnte alles sehen, was er sehen wollte.“ Da stellt sich nun nur noch die Frage, was wollte er sehen? Ihr Amtsvorgänger Hjalmar Schacht wollte damals vor 90 Jahren explizit nichtssehen, obwohl der damalige Fed-Chef Strong das deutsche Gold bei der Fed (für Reichsgoldfans: das waren nicht die 3400 Tonnen von heute!) schlicht nicht finden konnte. Schacht sagte damals lapidar: „Macht nichts – Sie sind mir gut für den Ersatz.“ Hm – ob Janet Yellen das anno 2014 auch ist?

„Handelsblatt“: „Zudem habe ein externer Sachverständiger das Umschmelzen der Goldbarren beobachtet.“

Oh yeah, baby. Das klingt sehr gut, Herr BuBa-Sprecher (namenlos, vermutlich kommt diese Info von BuBa-Pressechef Best). Wenn Sie uns nun freundlicherweise noch einen Namen dieses „Sachverständigen“ nennen und veröffentlichen würden. Sowie natürlich seine Vorgehensweise beim „zählenden Beobachten“, seinen unterschriebenen Bericht und seine Expertise, nachdem Sie bislang all diese Infos dem „Handelsblatt“ auch auf Nachfrage nicht genannt haben. Honi soit qui mal y pense. Beschämt sei, wer schlecht darüber denkt.

Schließen wir dieses kleine Update heute einmal nicht mit einem eigenen Fazit, sondern mit diesen aus dem Mund von MdB Gauweiler nun also nicht mehr verschwörungstheoretischen Feststellungen: „Ich frage mich, warum die Bundesbank das Gold nicht zurückholen und dann in Ruhe in die passende Form bringen kann. Mein Verdacht: Offenbar sind die Barren nicht mehr unangetastet verfügbar gewesen. Das (lässt) die Vermutung zu, dass es eine intransparente Verwendung während der Lagerung gab.“

Conclusio des Handelsblatts: „Die versprochene Transparenz sieht anders aus“. Wird fortgesetzt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Goldseitenblog.


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