12. Februar 2014

Maischberger Worüber nicht gesprochen wurde

Was ist der Erziehungsauftrag der Eltern noch wert?

Das Tamtam im Vorfeld der gestrigen Maischberger-Sendung ließ einiges an Schlammschlacht erwarten, die Gästeliste war – wie schon berichtet – nicht wirklich ausgeglichen, die Moderation beeilte sich klarzustellen, dass sie auf Seiten derjenigen stehen würde, die den Titel der Sendung bereits als „homophob“ begreifen – und trotzdem war es im Prinzip ein guter, langer Fernsehabend.

Verantwortlich dafür, dass ich nicht nach zehn Minuten abschalten musste waren die Journalistin und Buchautorin Birgit Kelle und der CDU-Bundestagsabgeorndete Jens Spahn. Bei den beiden hatte man noch am ehesten das Gefühl, sie verstünden zumindest, worüber der andere gerade redet. Die Lebenswirklichkeiten (wenn ich diesen blumigen Begriff mal verwenden darf) eines Hartmut Steeb, Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, und einer Olivia Jones, homosexuelle Travestiekünstlerin, lagen für einen wertvollen Austausch dagegen wohl zu weit auseinander (warum Hera Lind dabei war, hat sich mir bis zum Schluss nicht entschlossen, wenn auch ihr naiv wirkender Optimismus und Äußerungen wie „unsere schwulen Au-pairs waren die reizendsten Menschen“ bisweilen erfrischend wirkten).

Und in der Tat hatten Kelle und Spahn die besten Argumente der Teilnehmer. Birgit Kelles Plädoyer ging dabei im Wesentlichen in zwei Richtungen. Einerseits, dass sich der Staat mit der Vermittlung anderer sexueller Vorlieben als „Querschnittsthema“ in Schulen in den Erziehungsauftrag der Eltern einmischt. Gerade dieser Aspekt ist es auch wohl, der der Petition gegen den Baden-Württembergischen Bildungsplan zu einem so großen Erfolg verholfen hat. Wie Kelle klarstellte, sei man als Eltern in diesem Fall auf das vorhandene Lehrpersonal an den Schulen abhängig, und man müsse damit rechnen, dass Kinder auch Antworten auf Fragen bekämen, die sie gar nicht gestellt hätten. Der Staat, und mit ihm die staatlich kontrollierten Schulen, haben in diesem Umfeld nichts zu suchen, wie Kelle richtig feststellte.

Andererseits legte Birgit Kelle auch hohen Wert darauf, dass man die Begriffe Toleranz und Akzeptanz auseinanderhalten müsse. Während man andere Lebensstile durchaus aushalten müsse, könne aber niemand verlangen, diese auch gutzuheißen. Niemand wolle das Thema Homosexualität aus den Schulen verbannen, stellte sie im Hinblick auf die gegen sie im Vorfeld der Sendung vorgebrachten Angriffe klar, ob jemand heterosexuelle Beziehungen aber anders bewerte als andere, sei deren persönliche Angelegenheit.

So sprang sie auch Hartmut Steeb bei, der immer wieder auf seine Äußerung in einer SWR-Talkshow angesprochen wurde, er sei froh, dass keines seiner Kinder homosexuell sei. Leider wurde die Diskussion nicht zu Ende geführt und durch die Personalisierung durch die Moderation, ob denn die homosexuelle Lebensform einer Olivia Jones weniger wert sei als eine heterosexuelle Beziehung, zeugte von wenig Neigung, diesen Knackpunkt wirklich konstruktiv diskutieren zu lassen.

Erfreulich war in dieser Hinsicht der Einsatz von Jens Spahn, der sich immer wieder bemühte, die Spitzen aus der Diskussion herauszunehmen um zu einem Dialog zu kommen. Die Forderungen der Homosexuellen-Lobby nach einem LSBTTI-Querschnittsthema sei genau so überdreht wie der Vorwurf, man wolle Kinder in den Schulen zur Homosexualität erziehen. Die Dramaturgie einer Talkshow ließ aber diesem Gedanken für meinen Geschmack zu wenig Raum, wenngleich im Austausch direkt deutlich wurde, dass eine Reduzierung der Teilnehmer auf Herrn Spahn und Frau Kelle, ein wirklich interessantes Gespräch zum Ergebnis hätte haben können.

Sei’s drum, der Abend war nicht schlecht, es gab schon Talkshows, die ich im Hinblick auf meinen Blutdruck wesentlich schlechter ausgehalten habe – es fehlte aber aus katholischer Sicht ein Aspekt, der nur bei der Frage der Akzeptanz von Homosexualität durchschimmerte. Vermutlich haben die Kritiker des BW-Bildungsplans auch gut daran getan, das Thema nicht anzubringen, um sich nicht dem Vorwurf des Fundamentalismus auszusetzen und die Diskussion damit eskalieren zu lassen, aber wenn es um die Bewertung anderer Lebensstile geht, die jedem zustehen sollte, dann muss man auch sagen, an welchen Wertemaßstäben man diese denn fest machen will.

Und natürlich hätte man dann zumindest auf Seiten von Hartmut Steeb auf die christliche Bewertung der Homosexualität zu sprechen kommen müssen, die relativ klar ist: Gelebte Homosexualität ist aus christlicher Sicht eine Sünde, und selbst wenn wir als Christen gleichzeitig aufgefordert sind, über die Betroffenen kein Urteil zu fällen, so kann Homosexualität aus dieser Sicht nicht als gleichwertig zur Heterosexualität angesehen werden. Die Frage, die sich daran direkt anschließt ist, ob es eine Gesellschaft, oder große Teile davon, die für nicht-heterosexuelle Beziehungen nicht nur Toleranz sondern Akzeptanz fordert, aushält, Eltern die diese Position nicht vertreten, den Erziehungsauftrag für die Kinder zuzuschreiben?

Diese Frage, die wesentlich ist auch für unser Staatsverständnis und für die Beziehung zwischen Staat und Religion, wesentlich für Fragen der Religionsfreiheit, wurde aber leider nicht diskutiert. Ich kann es keinem Teilnehmer der Talkshow vorwerfen, dieses heiße Eisen nicht angefasst zu haben, wer weiß, wie die Diskussion verlaufen wäre. Die festgestellte Notwendigkeit einer gesellschaftlichen Diskussion, die nicht durch einen Bildungsplan für beendet erklärt werden kann, darf diesen Punkt aber nicht ausklammern. Wenn der Staat erst mal festlegt, was Erziehungsziele der Eltern zu sein haben (und diese in der Schule notfalls gegen die Eltern durchzusetzen versucht), kann man den verfassungsgemäßen Erziehungsauftrag der Eltern auch ganz einstampfen.

Die Hand des Staates greift in diesem Thema (und nicht nur hier) an die Wiege – die Konsequenzen könnten noch deutlich größer sein, als die Frage, ob Kenntnis, Toleranz oder Akzeptanz sexueller Minderheiten Querschnittsthema in Schulen sein soll.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Papsttreuen Blog.


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