12. Februar 2014

Preisverleihung Himbeeren für Journalisten

Udo van Kampen mit besten Aussichten

Für alle und alles gibt es Preise und Auszeichnungen. So zum Beispiel für hervorragende Wissenschaftler, Techniker, Mediziner, Pädagogen, Bürger mit Zivilcourage, Kabarettisten, Musiker und Sportler.

Dann gibt es noch Preise und Auszeichnungen für US-Präsidenten mit einer Bombenstimmung (Friedensnobelpreis), für Steuerverschwender (Schleudersachse), für gute und schlechte Schauspieler (Oscar und goldene Himbeere), für Schriftsteller auch wenn dies oft bedeutet, dass man deren Bücher meist nicht lesen sollte und wenn dann nur zum Einschlafen. Es gibt einen Preis für den besten Werbelügner (Goldener Windbeutel) und den besten Sprachpanscher.

Doch für eine Gruppe von Leuten gibt es keine Preise und Auszeichnungen. Dabei sorgt sich diese Gruppe in besonderer Weise um unser Wohlergehen.

Schließlich war die Finanzkrise ganz schrecklich und wenn wir morgens die Zeitung aufschlagen, dann fühlen wir uns doch gleich besser, wenn wir wissen, dass die Finanzkrise jetzt vorüber ist. Auch ist einem gleich viel wohler, wenn man erfährt, dass die Zentralbanker alles im Griff haben und diesmal alles ganz anders ist. Eine Inflation ist ausgeschlossen, da die Notenbanker heute viel klüger sind als 1929 und mit der Ihnen verliehenen Macht sehr verantwortungsvoll umgehen.

Auch leisten diese Leute einen besonderen Beitrag zur Aufklärung des Volkes, denn dass die NSA sogar die Bundeskanzler abhört, das konnte ja niemand ahnen, zumindest nicht, wenn man selbst mehr als 200 US-amerikanischen Firmen die offizielle Erlaubnis zum Spionieren gegeben hat.

Diesen Leuten schulden wir Dank für die vielen Berichte aus Brüssel über die uns von dort aus ereilenden Wohltaten. Nicht dass wir uns mit den hinter verschlossenen Türen ausgehandelten Dingen auseinandersetzen müssten oder wir Dinge erfahren würden, welche die Brüsseler Bürokraten lieber nicht in der Öffentlichkeit diskutiert haben wollen - jedenfalls nicht bevor alles in Sack und Tüten ist und per Scheindemokratie abgesegnet wurde. Mit der hohen Politik sollte der unwissende Bürger ja nun wirklich nicht behelligt werden. Das ist Sache der Politiker. Aber zum Glück gibt es da Leute, welche uns die hohe Politik in Rundfunk und Fernsehen erklären. Da weiß man doch gleich, wofür man GEZ bezahlt.

Warum gibt es für diese Leute keine Auszeichnung? Ich spreche hier nicht von investigativen Journalisten, nein, ich spreche hier von dem gemeinen Systemjournalisten, welcher völlig kommentarlos und unwidersprochen schreibt, was Ihm in Pressekonferenzen und -informationen aufgetischt wird und dies als die Wahrheit und nichts als die Wahrheit an seine Leser- und Zuhörerschaft verkauft. Diese Leute haben einen Preis verdient!

Soviel Blödsinn, wie die Hauptstrommedien in Ihren, teilweise noch durch staatliche Zwangsabgaben (GEZ) subventionierten, Medien unter das Volk bringen, verlangt einfach nach einer Auszeichnung. Es geht hier nicht um irgendwelche finanziellen Zuwendungen, sondern um die Anerkennung und Würdigung der Leistung.

Ich möchte daher zur Auslobung eines Preises für den besten Systemjournalisten aufrufen! Wie wäre es etwa mit dem „Verdrehten Mikrofon“ oder dem „Verknoteten Mikrofon“ oder vielleicht doch eher den „Goldenen Arschkriecher“? Auch der „Goldene Kaugummi“ wäre in Anlehnung an die Goldene Himbeere für besonders gute Wiederkäuer der Staatsmeinung denkbar.

Obwohl es sicherlich viele Bewerber um diesen Preis gibt, möchte ich hier zwei besonders verdienstvolle Vertreter benennen, welche auf alle Fälle der Ehre dieser Auszeichnung würdig währen. Da ist zum einen Herr Udo van Kampen, welcher uns fast täglich mit vollkommen systemkonformen und unkritischen Berichten aus Brüssel die Welt nicht erklärt. Zum anderen wäre da Herr Julian Reichelt, welcher sich durch zahlreiche tolle und einseitige Berichte ohne jegliche Hintergrundrecherche und vor kurzem erst durch einen grandiosen Auftritt bei Günther Jauch in der Sendung zu Edward Snowden qualifiziert.


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Autor

Jan Fischer

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