14. Februar 2014

Exzellenzinitiative Dr. Genderanz oder wie ich lernte, alle Löcher zu lieben

Tolerierst du noch oder akzeptierst du schon?

Das Hotraimbi-Magazin „queer“ („Hotraimbi“ steht für „Homo-, Trans-, Inter-, Metro- und Bisexuelle“, oft auch abgekürzt als „Vonallenseitensexuelle“) hat sich nun konsequenterweise in „Nabel der Welt“ umbenannt. Kurzzeitig waren auch Titelvorschläge wie „Circus Narzißmus“ und „Lutschbonbon“ im Gespräch. Seine Forderung: Alle haben sich gefälligst nur noch um die Interessen von Hotraimbis zu kümmern. Es könne nicht sein, so die Publikation, dass es im hotraimbischen Zeitalter immer noch Menschen gibt, die nicht jede Sekunde ihres Lebens das Wohlbefinden, die Sorgen und Nöte, Sensibilitäten, Wünsche und Wehwehchen von Hotraimbis im Auge haben.

Deshalb forderte man im „Nabel der Welt“ vor Kurzem auch den radikalen Ausschluss von Nicht-Hotraimbis aus einer Quasselshow. Gastgeberin Sandra Meinungsmaische, die trotz solider journalistischer Ausbildung den Unterschied zwischen Moderation einer Diskussion und ihrer politisch korrekten Totalüberwachung noch nicht genau auszudifferenzieren vermag und deshalb bereits mehrere Jobangebote von der NSA erhielt, fragte Autorin Birgit Kelle misstrauisch, ob sie Homosexuelle „nur toleriere“ oder „auch akzeptiere“. Frau Kelle erlitt nach dieser Frage, die wie ein Blitz in drei Dutzend deutscher Philosophen, Dichter, Denker und berühmter Erfinder der Vergangenheit fuhr, woraufhin diese stöhnend, seufzend und bitterlich weinend aus ihren Gräbern stiegen und sich schwer bewaffneten, um dem Trauerspiel des auf das Niveau einer geistigen Bananenrepublik gesunkenen Landes endlich ein Ende zu machen, einen Lachanfall und musste im Krankenhaus notoperiert werden, da ihr Zwerchfell sich stark verklumpt hatte und ihre Atmung zu versagen drohte. Was bleibt einem intelligenten Menschen angesichts dermaßen bescheuerter Fragen auch übrig?

Diese Frage der abweichende Meinungen subtil weg- und in die Schmuddelecke moderierenden, politisch korrekten TV-Glucke – eine Neigung, die sie freilich mit vielen anderen Köchen der deutschen Einheitsmeinungsmaische teilt – führte außerdem zu einem Zeitsprung, der Zuschauern Gelegenheit gab, einen kurzen Blick auf die Entstehung neuer sozialwissenschaftlicher Berufsfelder zu werfen. So wird Ludmilla Löffel-Stellwerk am 2. Juni 2025 gegenüber dem Gagazin „Fick & Fummel“ erklären, nachdem nun „in der breiten Bevölkerung eine Toleranz gegenüber jeder erdenklichen sexuellen Orientierung und Liebesspielart erreicht wurde“, müsse man „nun eben auch für mehr Akzeptanz sorgen“. Stellwerk wird Frau Meinungsmaische für diese geniale Idee rückblickend noch einmal ganz herzlich danken. Zur Akzeptanzförderung  wird man am 6. August 2026 ein verbindliches Zusatzfach unter dem Motto „Dr. Genderanz oder wie ich lernte, alle Löcher zu lieben“ an allgemeinbildenden Schulen einführen und an Universitäten den Fachbereich „Akzeptanzwissenschaften“ etablieren. Bis dahin werden Begriffe wie „Impertinenz“ und „Penetranz“ zur Kennzeichnung von Menschen, die glauben, sie müssten ihre sexuelle Orientierung ihren Mitmenschen unentwegt nicht nur aufs Auge drücken, sondern förmlich prügeln, aus den Wörterbüchern übrigens verschwunden sein.

Am 3. September 2027 wird ein wie eh und je dauergrinsender Markus Lanz mehrere Gender- und Akzeptanzwissenschaftler einladen, um über seltsame Phänomene im Ausland zu diskutieren. Es seien krude, verschwörungstheoretische Berichte aufgetaucht, wird es heißen, denen zufolge deutsche Eingeborene aus ihren Waldhütten beim Vögeln beobachtet hätten, wie Menschen in anderen Ländern mit merkwürdigen Gerätschaften umherführen, die kein Benzin mehr verbrauchen. Wie es denn überhaupt sein könne, wird man fragen, dass Menschen Erfindungen hervorbringen, die mal nichts mit Sex zu tun haben, und verhuschte Fotos der neumodischen Apparate präsentieren, die für viel Raunen und Staunen und ungläubiges Schafskopfschütteln im gleichgegenderten, doppelplusgut befriedigten Publikum sorgen werden.

Bei Frank Plasberg wird der Chefredakteur des Ersten Deutschen Wegsehens sich am 14. Oktober desselben Jahres  zunächst räuspern, um seinen Hals von einigen restlichen, verrosteten Münzen Steuergeld zu befreien und das Ausland dann als „blöde“ oder „dumm“ bezeichnen. Wie man denn ohne Benzin fahren könne, wird er grunzen, und sind die eigentlich alle doof? Diesen „Hassern fossiler Brennstoffe“, diesen „benzinskeptischen Populisten“ dürfe man erst gar kein Forum bieten, sonst drohe Europa der Fortschritt. Da die Sprungfeder in seinem Rücken regelmäßig neu aufgezogen werden muss, um ihm das Weiterplappern zu ermöglichen, werden drei Assistenten ihm einen Schlüssel ins Kreuz stecken, um nach einigen Umdrehungen erschöpft zusammenzubrechen. „Wohin soll das noch führen?“, wird Norbert Nobody fragen, Abgeordneter des Deutschen Bumstages. „Schließlich handelte es sich um das Ergebnis einer Volksabstimmung. Wenn nun auch noch andere Völker auf die Idee kommen, möglicherweise nicht nur ohne Benzin, sondern in manchen Entscheidungen sogar ohne uns Politiker zu fahren, was dann?“, wird er betroffen in die Runde bibbern. Ein sprechender gelber Pullover wird es ihm gleichtun.

Wie so oft in solchen Fällen hatte die totale Toleranz und Akzeptanz leider auch einige unerwünschte Nebenwirkungen. Gisela Gazelle, Vorsitzende des deutschen Vereins für Sodomie, klagte mehr Gleichstellung auch für Sodomisten ein. „Wir hören schon seit Jahren immer nur von Hotraimbis, und wie toll die sexuelle Toleranz sich auf die gesamte Gesellschaft ausgewirkt hätte. Aber uns will man wohl nicht dieselben Rechte gewähren?“, empörte sich die Tiernärrin mittleren Alters. Ein stark ergrauter, zahnloser Herr aus dem Publikum erwiderte darauf sarkastisch: „Da kann ich nur zustimmen. Schließlich wurden bisher ja nur Kinder, Sparer, Rentner und auch sonst jeder gefickt – höchste Zeit, sich auch um Bergziegen, Langhaardackel und Hamster zu kümmern.“


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