21. Februar 2014

Der Wind schickt keine Rechnung Vattenfall schon

Erkenntnisgewinn geht nur über die Brieftasche

Der schwedische Energiekonzern Vattenfall, laut Eigenauskunft „weltweit zweitgrößter Betreiber von Windparks auf dem Meer“, hat mir einen Brief an meine Hamburger Wohnung geschickt. Den Umschlag ziert das Foto eines imposanten Offshore-Windparks. Knallweiß leuchten elegante Windräder vor blauem Himmel, ruhig liegt das Meer. Apropos mehr: „Die EEG-Umlage für 2014 ist nochmals um 18 Prozent gestiegen und erhöht damit erneut den Strompreis in Deutschland“, schreibt Vattenfall. „Zusätzlich steigen die Kosten für die Nutzung der Netze. Ab dem 1. April 2014 beträgt der Verbrauchspreis für Ihren Tarif Hamburg Kompakt Privatstrom 27,71 Cent/kWh.“ Jetzt die frohe Botschaft: „Das Gute ist, dass somit jeder einen Beitrag für unsere Umwelt und den aktiven Klimaschutz leistet.“

Alter Schwede! Das ist verdammt clever. Diese Idee muss Schule machen. Jeder Hersteller, dessen Produkte im Zuge der „Energiewende“ teurer und teurer werden, sollte die preistreibenden Kräfte unmissverständlich identifizieren. Auf allen Straßen- und U-Bahnwagen sollten künftig Ansichten von Windrädern und Solarpanels und Biogasanlagen prangen. Jede Katzenfutterdose, jede Packung Fischstäbchen, jedes Alufahrrad, jeder Sack Zement aus dem Baumarkt sowie Hunderte von anderen Konsumgütern müssten auf diese Art geschmückt werden. Falls demnächst ihre Befreiung von der Ökostrom-Zwangsabgabe kassiert würde, wie es die Apologeten der verteuerbaren Energien fordern. Erst dann wird auch dem dümmsten Endverbraucher womöglich ein Lichtlein aufgehen, was ihn der deutsche Wendewahn wirklich kostet. Jeden Tag im Jahr.

Besonders hübsch wäre es, wenn demnächst mit Wind- und Solaranlagen bemalte ICE-Züge durch die Republik führen. Unter den Bildern der Claim: „Sie leisten in diesem Zug einen Beitrag für unsere Umwelt und den aktiven Klimaschutz.“ Wie, das würde die Akzeptanz für die zehn Prozent teureren Ticketkosten, die Bahnchef Rüdiger Grube für den Fall angedroht hat, dass sein Unternehmen die EEG-Umlagebefreiung verliert, vielleicht denn doch nicht wirklich erhöhen? Umso besser! Erkenntnisgewinn geht nur über die Brieftasche. Von Vattenfall lernen, heißt fliegen lernen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Achse des Guten.


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