05. März 2014

Familie Karriere und Kind ohne Mann

Alle Subventionen für parasitäre Lebensstile streichen

Dossierbild

Liebe Karrierefrau ohne Mann mit Kind,

ich schreibe Dir wegen eines Artikels in der „FAZ“, in dem die Autorin Judith Lembke die verblüffende Erkenntnis formuliert, dass Kinderbetreuung und Karriere nicht vereinbar sind. Das Märchen, dass eine Frau alles gleichzeitig haben könnte, wird nicht wahrer, nur weil es ständig wiederholt wird. Ich habe diese Erkenntnis schon vor ein paar Jahren machen müssen, zum Glück hatte ich die Entscheidung für Kinder und gegen Karriere gefällt. Ich war zwar enttäuscht, dass nicht beides zusammen ging, aber ich hatte zumindest die Prioritäten richtig gesetzt, auch dank eines Ehemannes, der mich bestärkt hat und bereit und fähig ist, sich allein um das Familieneinkommen zu kümmern.

Nun lese ich in den Facebook-Kommentaren zum Artikel all das wieder, was ich vor Jahren auch von Dir schon gehört habe:Die Frau, die für die Kinder zu Hause bleibt ist zu dumm, zu faul oder zu bequem zu arbeiten. Abgesehen davon, dass Kinderbetreuung wirklich harte Arbeit ist, machen mir solche Äußerungen inzwischen nicht mehr zu schaffen. Sie haben mich aber jahrelang sehr getroffen. Du irrst, liebe Karrierefrau. Und ich erkläre Dir, warum. Ich gehe Deine Argumente der Reihe nach durch:

1. „Die Frau, die zu Hause bleibt ist eine Schmarotzerin, weil sie auf Kosten ihres Mannes lebt.“

Ach? Hältst Du meinen Mann für so doof, dass er sich von mir auf diese Weise ausnutzen lässt? Er wollte Kinder, er wollte Familie, also ernährt er sie auch (da er ja nun mal nicht zu Hause bleiben und stillen kann). Aber da wir gerade beim Thema sind: Wie würdest Du jemanden bezeichnen, der den Vater des Kindes rausschmeißt und sich dann die Betreuung des gemeinsamen Kindes vom Steuerzahler, also von uns, finanzieren lässt, während sie „sich selbst verwirklicht“?

2. „Die Hausfrau und Mutter ist nur zu faul zum arbeiten.“

Ah ja. Liebe Karrierefrau, Du kannst das nicht wissen, da Du vermutlich nie für längere Zeit 24 Stunden am Tag für ein oder mehrere Kinder verantwortlich warst, aber selbst ein zwölf- oder 14-Stunden-Job ist eine Lachnummer gegen den Job als Mutter und Hausfrau. Ich weiß es, denn ich hatte so einen Job, bevor ich Mutter wurde. Irgendwann ist Feierabend, irgendwann kann man sich an die Hotelbar setzen und in Ruhe ein Glas Wein trinken. Es gibt sogar freie Tage, an denen man sich um Frisur, Kosmetik, Kleidung, Sport und Kultur kümmern kann. Toll, wirklich! Mit Kleinkindern kannst Du das vergessen. Hätte auch wenig Sinn, weil die Klamotten und die Frisur in kürzester Zeit ruiniert sind.

3. „Die Hausfrau und Mutter ist dumm.“

Tja, da ist was dran. Ehefrauen sind Kummer gewohnt. Es war wohl auch bisher häufig so, dass der Herr Gemahl neben der Familie noch Geld für andere Frauen ausgegeben hat, aber was konnte man da schon tun? Man war ja abhängig von ihm.

Heute gibt der Herr Gemahl ebenfalls mehr als die Hälfte seines Geldes für andere aus, allerdings nicht freiwillig. Er finanziert mit seinen Steuern Deine Kinderbetreuung und falls Du im Staatsdienst arbeitest auch Dein Gehalt. Und in dein Bett lässt Du ihn trotzdem nicht, sondern lachst ihn und mich noch aus und beschimpfst uns als rückständig. Ja, man muss schon irgendwie bescheuert sein, wenn man sich das gefallen lässt. Eigentlich müsste man sämtliche Subventionen für deinen parasitären Lebensstil sofort streichen, und dann will ich mal sehen, wie Du lächelnd und gut aussehend Kind und Karriere ohne Unterstützung von außen unter einen Hut kriegst.

4. „Hausfrauen und Mütter erwirtschaften keine Rentenansprüche.“

Doch, liebe Karrierefrau, das tun sie. Oft sogar mehr als Du. Sie ziehen die Kinder groß, die auf Grund der genossenen Zuwendung und Geborgenheit gute Chancen haben, später mal wertvolle und produktive Mitglieder der Gesellschaft zu sein. Und dann erwirtschaften diese Kinder Deine Rente, während die eigene Mutter fast nichts bekommt in diesem unglaublich absurden Rentensystem. Ja, wir sind wirklich dumm, wenn wir Kinder bekommen und uns auch noch um sie kümmern. Das haben immer mehr Frauen kapiert und lieber auf Nachwuchs verzichtet. Und jetzt merkst auch Du, dass ohne die dummen Mütter und ihren Beitrag das ganze Rentensystem, in dem wir keinerlei Ansprüche auf ein einigermaßen abgesichertes Alter haben, nicht mehr funktioniert.

5. „Kinder erwerben zu Hause keine sozialen Kompetenzen.“

Wie kommst Du denn darauf? Wenn Kinder zu Hause mit Geschwistern spielen, sich mit Freunden treffen, Musik- oder Sportunterricht haben und Arbeit im Haushalt übernehmen, erwerben sie keine sozialen Kompetenzen? Wenn sie hingegen im Kindergarten mit 20 anderen Kindern um die Aufmerksamkeit der überforderten Erzieherin konkurrieren, schon? Wenn Du davon ausgehst, dass man das „Recht des Stärkeren“ nicht früh genug verinnerlichen kann, hast Du vielleicht recht, aber unter „sozialen Kompetenzen“ stelle ich mir eigentlich was anderes vor.

Dasselbe gilt für die immer wieder vorgebrachte Argumentation, dass Kinder zu Hause verzärtelt würden und nichts vom wahren Leben mitkriegen würden. Da Du Dir ja erfolgreich unser Geld angeeignet hast bleibt uns nicht genug für eine Haushaltshilfe oder ähnliches, also mach Dir mal keine Sorgen, dass es bei uns zu romantisch und kuschelig werden könnte und wir nichts anderes zu tun hätten, als im sauberen Wohnzimmer auf dem sauberen Sofa zu sitzen und uns Kekse servieren zu lassen. Weißt Du, von mir aus kannst Du machen was Du willst. Wenn Du eine zweite Marissa Mayer bist und genug Geld verdienst, um von Deinem Geld eine gute Kinderbetreuung zu finanzieren, hast Du meinen vollen Respekt. Trotz Fleiß und Ehrgeiz habe ich es nicht geschafft, ein Vermögen zu erwirtschaften, welches es mir ermöglichen würde, unabhängig vom Gehalt des Vaters Kinder in die Welt zu setzen. Deshalb bin ich froh, einen Mann zu haben, der seinen Teil an den anfallenden Aufgaben übernimmt und das für eine Familie notwendige Geld verdient.

Wenn Du finanziell unabhängig bist, musst Du Dich natürlich an niemanden binden. Wenn Du aber auf unsere Kosten leben willst, würde ich an Deiner Stelle mit den Beschimpfungen aufhören und lieber mal etwas Dankbarkeit zeigen. Wir könnten sonst die Lust verlieren, Dich und Dein seltsames Lebensmodell weiterhin zu finanzieren.

Herzliche Grüße von einem Heimchen am Herd

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Der Artikel in der „FAZ“

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Dossier: Familiäres

Autor

Julia-Friederike Morgenroth

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