17. März 2014

Kryptowährungen Kopfgeld an Isländer

Auroracoin und der Ländercoin-Boom

Markus Bohl leistet Pionierarbeit. Zwar gibt es schon einige Autoren, welche sich mit Kryptowährungen beschäftigen. Sie achten dabei aber eher auf technische Spezifikationen. Dies steht bei Bohl eher im Hintergrund. Ihm geht es schlicht darum, auf diesem neuen „Neuen Markt“ Geld zu verdienen. Mit Mehrwert für ef-Leser. Denn an dieser Stelle gibt er regelmäßig Hinweise auf Handelsstrategien und sein eigenes Anlageverhalten.

Auroracoin [AUR] war die mit Abstand größte positive Überraschung des Monats Februar. Der Erfolg innerhalb von kürzester Zeit war schlicht atemberaubend. Und das ohne spezifische technische Neuerungen, als klassischer Litecoin-Klon. Die aktuelle Marktkapitalisierung beträgt stolze 258 Millionen Dollar – im Vergleich zum Beispiel mit nur 40 Millionen Dollar für Nxt. Noch nie war es so einfach, in derart kurzer Zeit, mit einer Skrypt-Coin reich zu werden. Und das während einer Zeit, in der es an den Altcoin-Märkten nach unten ging. Ich könnte mich jetzt noch in den Hintern beißen, dass ich diese Investmentgelegenheit ungenutzt verstreichen ließ.

Wie kam es zu dem Erfolg? Eine einfache, aber geniale Idee: Die Macher von Auroracoin haben den Anspruch, mit der Coin eine Währungsalternative, für das immer noch von der Finanzkrise gebeutelte Island zu schaffen. Monetär seht Island immer noch auf sehr wackligen Füssen. Es gibt sogar Überlegungen die eigene Währung Krone aufzugeben und eventuell den Euro oder Kanadischen Dollar einzuführen. Allerdings sehen wir ja in der Eurozone, wie problematisch es sein kann, wenn ein Land seine Währungspolitik komplett aus den eigenen Händen gibt. Auroracoin soll die Lösung bringen als unabhängiges Privat-Kryptogeld. Dazu sollen am 25. März jedem, der rund 330.000 Isländer 31,8 Auroracoins zugeteilt werden. Die Coins können über eine individuellen Schlüssel im isländischen Personalausweis sicher zugeordnet werden, so dass auch jeder sein „Kopfgeld“ in Anspruch nehmen kann. Beim aktuellen Kurs von 24 US-Dollar sind das immerhin 763 Dollar je Isländer. Sie haben also einen monetär hohen Anreiz, das tatsächlich zu tun. Coins welche nach vier Monaten noch nicht abgerufen worden sind, werden in einer neuen Runde nochmal an die Bevölkerung zugeteilt (ein 98-jähriger Greis wird wohl die erste Runde verpassen). Ein Isländer hat also mehrere Chancen und kann so Auroracoin im Gegenwert von über 1.000 Dollar erhalten.

Wie immer bei Kryptos, gibt es eine Reihe von Nachahmern. So gibt es für die Spanier die SpainCoin [SPA], für die Lakota-Indianer die MazaCoin [MZC], für die Ukrainer die UkraineCoin [UC] und für die Rumänen den Bitleu [BTL]. Ihnen alle fehlen aber tatsächlich ausgereifte Verteilungsmöglichkeiten, da nicht jedes Land die Besonderheit mit den „Personalausweis-Codes“, wie bei den Isländern ausweist. Vermutlich sind die meisten von Ihnen nur darauf ausgelegt „einen schnellen Bitcoin“ zu machen ohne überhaupt tatsächlich eine Verteilung an die Bevölkerung anzustreben.

Fazit: Als Investment halte ich den Auroracoin bei den aktuellen Kursen für zu teuer. Es ist unsicher ob der Verteilungsprozess für so viele Menschen tatsächlich reibungslos funktionieren wird. Und wenn er funktioniert, werden viele Isländer ihre Coins verkaufen um das Geld heraus zu ziehen. Es muss sich dann zeigen, ob sich tatsächlich eine lebendige Kryptogeld-Bezahlkultur in Island entwickeln kann. Sollte es aber funktionieren, könnte Island tatsächlich eine Leuchtturmfunktion übernehmen, als erstes Land, welches sich selbst, von der Basis der Bevölkerung aus, von der Zentralbanken-Knechtschaft befreit hat. Und dann wäre der Anreiz groß, dieses Währungsexperiment auf andere Länder auszudehnen. Freilich würden dann massive Abwehrmaßnahmen von Politik und Zentralbanken erfolgen, die um ihr Geldmonopol fürchten würden. Wirklich sehr spannend! Von den Nachahmern hat momentan allenfalls die MazaCoin [MZC] noch gewisse Chancen, die anderen genannten Kandidaten halte ich für reine „Pump-and-Dump-Coins“.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Altcoinspekulant.


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Markus Bohl

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