07. April 2014

Zentralbank Draghi veralbert die Weltpresse

Währungsgefährdung durch niedrige Inflation

Die zwar im Prinzip wahnsinnige – aber denn doch für Leser dieses Blogs wenig überraschende EZB-Meldung vom 3. April wollte ich zunächst ignorieren. Aus drei Gründen nun aber doch ein Artikel dazu, nachdem ich die heutigen Mainstream-Meldungen zur „neuen“ QE-Ankündigung der EZB noch abgewartet habe:

1. Die intellektuelle Verarschung von Uns-dem-Zahlervolk durch Drucker-Draghi ist einfach zu schlimm, um sie ignorieren zu können.

2. Das zu erwartende dröhnende Schweigen der Mainstream-Presse trat heute zwar ein, wurde aber durch ein originelles Grundsatz-Argument eines „SZ“-Wirtschaftsredakteurs überraschend durchbrochen.

3. Wie immer zur Dokumentation des volkswirtschaftlichen, rechtlichen und intellektuellen Niedergangs unseres Falschgeld-, Banken-, und Fremdmacht-beherrschten Kontinents.

Die Meldung vom 3. April 2014 nach der EZB-Pressekonferenz zur weiteren Geldpolitik in Euro-Land:

„Das Zauberwort ist gefallen: EZB denkt über "Quantitative Easing" nach

In der EZB-Sitzung wurde auch über den Einsatz von ‚schweren Geschützen‘ wie etwa Anleihekäufen gesprochen.“

Dass die EZB nun auch offiziell „Quantitative Easing“ macht: Schwamm drüber. Inoffiziell und faktisch läuft es eh längst. Hier x-mal berichtet – seit den offiziellen Fed-QE-Anfängen 2007/8 und den heimlichen EZB-QE-Anfängen wenig später ab 2010.

Dass die EZB damit ebenso wie Fed, BoE, BoJ per Anleiheaufkauf alle Papierwährungen und damit alle Ersparnisse in intangibler Papiergeld-Form mittel- bis langfristig vernichtet: Schwamm drüber. Haben wir hier x-mal erklärt.

Dass das Bundesverfassungsgericht diese direkten Anleihe-Aufkäufe gerade erst in einer (rechtlich irrelevanten aber doch rhetorisch eindeutigen) Stellungnahme gegenüber dem Europäischen Gerichtshof glasklar als verfassungswidrig bezeichnet hat: Schwamm drüber – ein Urteil kommt erst 2018.

Dass die Geld-Junkies an den ach-so-freien Börsen diese (natürlich den üblichen „Insidern“ seit Wochen bekannte) EZB-QE-Meldung wie immer bei neuem Geldregen gut finden: Schwamm drüber – das war schon gestern bei der Verkündigung erst einmal eingepreist.

Aber dass man all das mit derart unlogischen (nicht einmal mehr orwellianischen, sondern nur noch absurden) Begründungen tut – und uns damit wieder einmal intellektuell verarscht, das ist einfach nur noch unerträglich: „Der Einsatz von Wertpapierkäufen sei vor allem deshalb erwogen worden, weil mit zunehmender Dauer einer niedrigen Inflation die Wahrscheinlichkeit steige, dass Verbraucher und Unternehmen das Vertrauen in die Stabilität des Euro verlören. ‚Das ist der Grund, warum wir über 'Quantitative Easing' diskutiert haben‘, sagte Draghi. ‚Der EZB-Rat ist sich einig, dass die EZB gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen ihres Mandats einsetzen wird, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen.‘“

Wie bitte? Eine niedrige Inflation zerstört also das Vertrauen in die Stabilität des Euro! Seit wann bitte zerstört Geldwertstabilität das Vertrauen in eine Währung? Geldwertstabilität ist sogar nach geltendem europäischen Recht eine der beiden Hauptaufgaben im Mandat der EZB! Bei der guten alten Bundesbank, deren Geist ja angeblich via den Verträgen von Maastricht/Lissabon/AEUV noch bis heute im EZB-Mandat und gemäß Hochverräter Clown Waigel auch noch „in 400 Jahren“ im Euro lebt, war es sogar die einzige Aufgabe! Perfid, perfider, Draghi!

Genau wie zu erwarten war, greift heute kein Mainstream-Medium diese komplett absurde und kriminelle (da mandatsvergessene) Begründung von Draghi adäquat auf. Zeitnot vor Redaktionsschluss oder vermutetes Desinteresse der Leser können dabei keine Argumente sein: Das Print-Handelsblatt etwa schaffte es zwar, in der täglich abgedruckten Click-Hitliste von HB-Online zu vermelden, dass ihre Online-Meldung zur EZB-Sitzung gestern der meistgeklickteste Artikel war – hält es dann aber nicht für nötig, das von Draghi nun erstmals explizit erwähnte, potenziell Billionen-schwere QE-Programm im Print-Blatt heute auch nur einmal irgendwo zu erwähnen!

Ähnlich informationsverweigernd sind auch die anderen Mainstream-Blätter. Einzig Markus Zydra vom „SZ“-Wirtschaftsteil denkt wenigstens nach und darf der Sache im Artikel „Schwere Geschütze“ (nicht online) auf Seite 19 auch einigen Raum geben. Und sein Nachdenken gebiert unter anderem diese interessante (da so bislang noch nirgendwo behauptete) Differenzierung:

„… auch massive Anleihekäufe sind im Gespräch. Experten sprechen von Quantitative Easing (QE). Hier könnte die EZB nach einem noch zu bestimmenden Schlüssel Staatsanleihen aller Eurostaaten kaufen. Diese Maßnahme wäre etwas grundlegend anderes als das bereits beschlossene Anleihekaufprogramm OMT. Hier würde die EZB nur Anleihen finanzschwacher Staaten kaufen.“

Hm, lieber Markus Zydra. Klingt ja schön und gut. Aber irgendwie stoßen bei dieser „grundlegenden Unterscheidung“ zwischen OMT und QE doch einige Dinge auf:

a) Der oben genannte „QE-Schlüssel“ wird doch niemals ein starrer, fixer, nach objektiven und gleichen Kriterien für alle sein! Das wäre geradezu widersinnig, denn angenommen, es würden etwa Anleihen aller Euro-Staaten gleichermaßen etwa nach dem üblichen Kapitalverteilungs-Schlüssel der EZB aufgekauft würden: Deutschland hat hier einen Anteil von etwa 27 Prozent, das heißt eine objektive EZB müsste mit 27 Prozent der QE-Mittel deutsche Staatsanleihen kaufen – und mit 2,5 Prozent griechische; dadurch würden sich die Rendite-Spreads zwischen den Euro-Anleihen in keiner Weise verringern (was man ja bislang, seit 2010/12 über andere und nun offenbar nicht mehr ausreichende Stützungsmaßnahmen für die PIFGS-Anleihen in eindrucksvoller Weise herbeigezaubert hat). Genau diese weitere, hoch künstliche Verringerung aber wollen die permanent den Euro rettenden Planwirte der EZB-Voodoo-Ökonomie erreichen beziehungsweise beibehalten! Sonst macht die ganze QE-Aktion null Sinn!

b) Jede Abweichung vom Standardschlüssel aber wird natürlich noch mehr ein anti-marktwirtschaftlicher, hochgradig unfairer Eingriff mittels eines willkürlichen politischen Bürokraten-Instruments ungewählter Notenbanker sein! Planwirtschaftliche Gottspielerei eben, denn diese Käufe oder Nichtkäufe von Anleihen werden künftig über Sein oder Nichtsein von insolventen Staaten entscheiden. Und übrigens auch über Solvenz oder Insolvenz realwirtschaftlicher, Anleihe-finanzierter Unternehmen, denn deren Wettbewerbsfähigkeit hängt natürlich von ihrer Refinanzierungsfähigkeit zu entweder QE-/OMT-bedingt künstlich-super-günstigen oder andernfalls eben zu risikoadäquat-teureren Konditionen ab. Und nicht zuletzt entscheiden QE/OMT maßgeblich auch über Tod oder alternativ hoch profitables Leben von Banken – abhängig am Ende nur noch von deren Zugang zu QE-Töpfen, welcher wiederum von reiner EZB-Willkür abhängt! Senken NWO und EZB den Daumen über eine Bank, wird sie im globalen fraktionalen Reservebank-Bereicherungsschema unserer „modernen“ Finanzwelt nicht mehr mitspielen können – und ist danach sofort am Ende! Es wird dann auch keine Rolle mehr spielen, ob sie über eine (gemäß Einschätzung von Basel III beziehungsweise „Rate“-Agenturen) „gesunde“ Eigenkapital-Quote von 8-15 Prozent verfügt – oder über eine „ungesunde“ von unter 5 Prozent. Ohne Absicherung der Notenbanken ist jede Bank heute sofort am Ende – und alle Einleger mit ihr!

Wo also sollte in der Philosophie oder auch im Ergebnis ein „grundlegender Unterschied“ zwischen QE und OMT bestehen, wenn exakt diese Willkür beziehungsweise Planwirtschaft bei beiden EZB-„Programmen“ Dauerzustand sein wird – im Zusammenspiel mit der hochgeheim agierenden ESM-Bank sogar institutionalisierter?!

OMT und QE wirken exakt gleich. Es sind Dauereingriffe gegen den Markt – und damit gegen freie menschliche Wahlentscheidungen (welche schon 2010/12 den Daumen etwa über Griechenland gesenkt hatten): Der Markt hätte schon damals über die situationsgerechten Zinsexplosionen bei einer nicht mehr kreditfähigen, insolventen Volkswirtschaft das Ausscheiden Griechenlands und der anderen PIFGS aus dem Euro-System erzwungen. Es wäre damals hart für Griechenland gewesen, per Währungsschnitt und nachfolgender neuer Drachme 10 Jahre an Euro-bedingtem Abwertungsstau auf einmal nachzuholen. Aber keinesfalls hätte es schlimmer sein können als die heutige anhaltende Dauermisere mit Jugendarbeitslosigkeit von anhaltend über 60 Prozent. Zudem wurde damals der weiterhin völlig alternativlose (hier passt das Wort einmal) Währungsschnitt nur aufgeschoben, keineswegs dauerhaft abgewendet!

Und nur weil sich die USA, England und Japan seit vielen Jahren ebenfalls per QE am eigenen Schopf aus dem Schuldensumpf ziehen und nun statt bis zum Hals nur noch bis zur Brust drinstecken und damit gerettet erscheinen, heißt das noch lange nicht, dass dieses Münchhausen-Stück der Selbstrettung ganzer Volkswirtschaften auch nur die geringste Chance auf dauerhaften Erfolg hätte!

Die oben genannte von der „SZ“ behauptete „grundlegende“ Unterscheidung ist also keine! Die Unterschiede zwischen QE und OMT sind im Ergebnis rein rhetorisch: „Quantitative easing“ klingt irgendwie euphemistisch-leicht und technisch-vernebelnd nach Gleichbehandlung aller Schuldner durch faire, objektive Hilfe für alle. In Wirklichkeit aber werden bei beiden Schulden-Monetisierungs-Programmen Willkür, Bestechung, Politik und Bank-zentrale Planwirtschaft regieren – letztlich alles synomye und komplementäre Konzepte. Die Angelsachsen machen das seit Jahren vor. Nicht zufällig sind „QE“, „OMT“ und „Cronyism“ alles angelsächsische Begriffe und Erfindungen. In einer Welt willkürlicher und hoch politischer Anleihekäufe werden nun also auch in Europa statt des Marktes endgültig und ultimativ Notenbanker über Sein oder Nichtsein von Staaten und Unternehmen entscheiden. Ungewählt, unkontrollierbar und letztlich für alle Außenstehenden im Detail undurchschaubar. Unmöglich eben. Der Neo-Sozialismus der Bankster des 21. Jahrhunderts: perfide weiterentwickelt gegenüber dem klassischen Sozialismus des 19. und 20. Jahrhunderts. Wir erleben den globalen Putsch gegen die Menschen per „Geldsozialismus“ (Baader) beziehungsweise „Bankensozialismus“ oder „Sozialismus à la carte“.

Fazit: Woran erkennt man, dass ein Zentralbanker lügt und betrügt? Wenn er die Lippen bewegt! Wie schon einmal resümiert: „Mundus vult decipi / Die Welt will betrogen werden.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Goldseitenblog.


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