08. April 2014

Nigel Farage in Köln Der „Europa-Feind“, der Europa liebt

Zu Gast bei der Jungen Alternative NRW

Dem nordrhein-westfälischen Landesverband der Jungen Alternative für Deutschland (JA NRW), der formalrechtlich noch nicht offiziellen Jugendorganisation der Alternative für Deutschland (AfD), ist mit der Einladung von Nigel Farage, dem Vorsitzenden der britischen United Kingdom Independence Party (UKIP) und der EU-skeptischen Fraktion Europa der Freiheit und der Demokratie, in das noble Maritim-Hotel in Köln am 27. März 2014 ein Coup gelungen. Dies machte schon die beachtliche enorme Besucherzahl von rund 350 Menschen deutlich. Dazu kam, dass es sich bei der Veranstaltung, der auch der ehemalige Landesvorsitzende Martin Renner und der NRW-Spitzenkandidat für die Europawahl und Beisitzer des Bundesvorstandes der AfD, Marcus Pretzell, beiwohnten, um einen deutlichen Affront gegen den restlichen Bundesvorstand der Mutterpartei gehandelt hat. Hatte dieser doch rund um Parteichef Bernd Lucke eine Zusammenarbeit mit der UKIP ausgeschlossen und die Einladung Farages aufs Schärfste verurteilt.

Letztlich war die Veranstaltung dann auch ein Schuss ins eigene Knie. Denn die Reden von Farage, Pretzell und Renner zeigten dann doch, dass es – wie von Lucke erkannt  - zwischen der UKIP und der AfD deutliche Unterschiede gibt. Am Ende des Abends, der vor allem eine gelungene „One-Man-Show“ des Briten war, sollte auch dem Letzten im Raum klar geworden sein, dass es in der AfD nicht einmal ansatzweise jemanden gibt, der politisch oder rhetorisch mit dem charismatischen Vorsitzenden der UKIP mithalten kann. So pointiert und spitzzüngig wie Farage ist auf den politischen Bühnen Europas derzeit niemand anderes unterwegs. Was wieder einmal die stehenden Ovationen in Köln unter Beweis stellten – wie auch die Zugriffszahlen auf Videos von Farages Reden im Internet.

Wie verzerrt manche Journalisten dann doch eine Veranstaltung wahrnehmen können! „Alt, männlich und grimmig“ sei das Publikum im Durchschnitt gewesen, wurde beispielsweise danach berichtet, was schlichtweg eine Lüge war. Auch machte Farage sowohl auf der Pressekonferenz als auch während seines Auftritts mehrfach deutlich, dass er mitnichten „gegen Europa“ sei. „Ich liebe Europa, es ist ein großartiger Ort, ein wundervoller, vielfältiger Kontinent. In diesem Sinne ist es der interessanteste Ort auf der Welt“, so der UKIP-Vorsitzende. Doch was schrieben die Medien? In Köln sei ein „europafeindlicher“ (Süddeutsche) „Europa-Gegner“ (WDR), „Großbritanniens oberster Anti-Europa-Politiker“ und „Europa-Feind“ (beides „Spiegel“, „so etwas wie der Oberguru der Europa- und Euroskeptiker“ (Handelsblatt) zu Gast gewesen.

Da ist es fast tröstlich, dass immerhin die Sockenfarbe von Nigel Farage an diesem Abend, nämlich pink, von denselben deutschen Medien korrekt wiedergegeben wurde.


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