22. April 2014

Euro Italienische Renditen auf Allzeittief

Der Anleihemarkt hat jede Aussagekraft verloren

Die gestern erreichten 3,11 Prozent sind ein neues Allzeittief bei den Renditen 10-jähriger italienischer Staatsanleihen. Wir reden wohlgemerkt von einem Land mit einer Verschuldung von mindestens 140 Prozent des BIP und rasant sich verschlechternden realwirtschaftlichen Kennzahlen; faktisch insolvent, da dieser Schuldenberg nie rückführbar ist und selbst die Zinsbedienung auf diese Schuldenlast natürlich hochgradig gefährdet ist beziehungswiese ohne EZB beziehungsweise Deutschland wäre! Spanien hat übrigens sogar noch niedrigere Zinsniveaus erreicht. Es ist alles derart krank in der vollpolitisierten Ökonomie made by EZB und Fed.

Im Chart der italienischen Staatsanleihenrendite sieht man wunderbar die sinkenden Zinsen seit etwa 1995 (endgültiger Euro-Beschluss nach Abweisung aller Klagen und Volksabstimmungen nach Maastricht) bis zur Euro-Einführung 1999 vom natürlichen italienischen Zinsniveau bei etwa zwölf Prozent (damals, Anfang der 1990er, heute wären es ohne EZB 50 Prozent und mehr), dann bis 2008/12 den Euro/EFSF/D-bedingten komplett künstlichen Lauf auf niedrigem deutschen Niveau, dann die „Krise“ von 2010-2012, die nur einen ersten, leichten Anstieg der Zinsen in Richtung Natürlichkeit brachte – dann 2012 der Draghi-„it will be enough“-Blankoscheck-bedingte Abfall bis auf das absurde heutige Alltime-Low. Die Künstlichkeit der Niedrigstzinsen läuft nun seit 20 Jahren. Der Anleihemarkt (als wichtigster Markt der Welt) ist inzwischen ökonomisch aussagefrei und damit tot. Was Mises, Baader und Co. vor Jahrzehnten voraussagten, ist heute Realität (faktisch schon seit 1971). Und es sage niemand etwas anderes, etwa weil doch neben der OMT-EZB und dem ESM „auch klassische Käufer“ diese Anleihen kaufen: Durch ESM-Deutschland vollbesicherte „italienische“ Staatsanleihen sind auch mit objektiv lächerlich niedriger 3,11 Prozent-Rendite gegenüber ebenso riskanten original-deutschen 0,6-Prozent logischerweise attraktiv (fünffache Rendite bei gleichem Risiko), so dass natürlich auch „klassische“ Fonds-, LV- und Geschäftsbanken-Aufkäufer in den Markt gezogen werden, die ja nur mit fremdem Geld und meist kurzfristig-zockend ohne jeden Gedanken an Bond-Endfälligkeiten 2024 agieren – und zudem meist noch korrupte – systemabhängige und politisch beeinflussbare Angestellte sind. Ohne die diversen Blankoschecks von Draghi auf deutsche Kosten und ein zusätzlich auch noch sicherlich heimlich bereits seit Jahren aktiv laufendes OMT-Kaufprogramm wäre die Farce nicht möglich.

Wenn der politische Wille (der Wille zu kompletter Rechtslosigkeit, Gottspielerei und Kriminalität gegen Markt und Mensch) anhält, dann werden Draghi und Merkel und Co. die griechischen, italienischen und deutschen Bondrenditen auch noch komplett nivellieren können. Wir werden dann in den kommenden Monaten noch viele ATLs bei PIFGS-Renditen sehen. Zuletzt bei vielleicht einem Prozent den fast kompletten Gleichlauf – also faktische Euro-Bonds, die es nach Merkel, Ferber und Co. doch angeblich nie geben durfte. Friede, Freude, Eierkuchen in Euro-Land also – eine Propaganda-Chimäre, deren schöner Löwenkopf derzeit sicherlich auch im Hinblick auf die Europa-Wahlen noch besonders herausgestellt wird, während ihr zweites Fratzengesicht der Krise und der Lüge versteckt bleibt. Der Ukraine-Konflikt und das damit verbundene strenge Goldpreis-Management durch Fed und Co. helfen beim künstlichen Euro-Anleihe-Aufhübschen noch zusätzlich. Dumm nur, dass dieser Gleichlauf der Renditen in Euro-Bond-Land dann später (wenn auch Deutschland mit 140 Prozent und mehr verschuldet sein wird) auch bei dann rapide schwindender deutscher Bonität anhalten wird: ein Gleichlauf erst auf fünf Prozent, dann 20 Prozent, dann 50 Prozent, dann in Richtung Unendlichkeit. Wir werden das in einigen Jahren alle noch erleben. Es ist das dann gleichzeitige Ende aller Werthaltigkeit aller Papiergeld-Anlagen von Cash über Lebensversicherungen bis hin zu Papier-„Gold“-ETFs.

Wie wusste schon Carl Menger vor mehr als 100 Jahren (allerdings hätte er noch den Zusatz „auf Dauer“ einfügen sollen): „Politische Macht vermag das ökonomische Gesetz niemals außer Kraft zu setzen.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Goldseitenblog.


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