22. April 2014

EU Lauwarmer Klimaschutz

Nicht zuletzt die Freiheit drangsaliert

Ab nächstem Jahr geht es nach den Plänen der EU der Kaffeemaschine an die Warmhalteplatte, denn dann soll die automatische Abschaltung der Warmhaltefunktion zur Pflicht werden. Unklar ist indes, was das für die Verbraucher oder das Klima an spürbaren Vorteilen bringen soll. Ein kleiner Messversuch in meinem Büro soll etwas Licht ins Dunkel bringen. Dort betreibe ich einen Teeautomaten, der für das Aufbrühen von 0,6 Litern Tee rund 0,08 Kilowattstunden und für das einstündige Warmhalten weitere 0,06 Kilowattstunden verbraucht. Verzichtet man darauf, macht das für die doppelte pro Tag gebrühte Menge rund 3 Eurocent Stromersparnis pro Tag und über ein Bürojahr gerechnet rund 7 Euro aus. In gut zwei Jahren sind so die Kosten für eine Thermoskanne zusammengespart. Kaffeemaschinen sollten ähnliche Verbrauchswerte aufweisen, denn auch da wird nur mit Wasser gekocht. Für Gelegenheitsgenießer ist das keine großartige Ersparnis, Verbraucher größerer Tee- und Kaffeemengen kommen indes von selbst auf die Idee, gleich ein Gerät mit Thermoskanne zu kaufen.

Aus klimapolitischer Perspektive ist eine solche Abschaltpflicht ohnehin keine sinnvolle Maßnahme, da die Treibhausgasemissionen bei Umwandlung fossiler Energieträger in Strom bereits vom Emissionshandel erfasst werden. Würde man pro Tag fünf Stunden Kaffee warmhalten und dabei 0,3 Kilowattstunden Strom verbrauchen hätte man gut 170 Gramm Kohlendioxid emittiert, eine Menge für die in anderer Verwendung keine Emissionszertifikate mehr zur Verfügung stünden. Umgekehrt führt die Stromeinsparung zum Marktangebot der entsprechend frei werdenden Emissionszertifikate. An den Gesamtemissionen ändert sich nichts.

Doch auch ohne den Emissionshandel wäre diese Regelung kein kluger Klimaschutz, denn immerhin muss statt des Stromverbrauchs für das Warmhalten des Getränks jetzt eine Thermoskanne beschafft werden, deren Kosten von der Stromersparnis abzurechnen sind. Das mag wie im obigen Beispiel ein recht teurer Spaß sein, kann aber auch bei intensiverer Nutzung der Kaffeemaschine sehr billig sein. Die neue Verordnung aus Brüssel verursacht also je nach Betroffenheit recht unterschiedliche Vermeidungskosten, ein Effekt, der kennzeichnend für ineffizienten Klimaschutz ist. Idealtypisch sollten die Treibhausgasemissionen stets dort reduziert werden, wo es die geringsten Kosten verursacht, was jedoch nicht erreicht werden kann, wenn man Menschen mit unterschiedlichen Verbrauchs- und Kostenprofilen die selben Regeln aufs Auge drückt. Es ist viel billiger die Verknappung der Emissionen über den Emissionshandel in den Marktpreis der Endenergie zu zwingen, damit sich die Verbraucher dann flexibel anpassen können. Und auch der Zugewinn an Freiheit ist nicht zu unterschätzen, wenn man es den Menschen selbst überlässt wie sie auf eine (künstliche) Verknappung von Ressourcen reagieren.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Liberalen Instituts.


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