30. April 2014

GEZ-Ökos Sag das W-Wort nicht!

Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein

Im „Deutschlandradio Kultur“ sprach am 29. April der Moderator des morgendlichen Radiofeuilletons mit Jan Haft, einem Tier- und Naturfilmer. Dessen Arbeiten werden zumeist vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausgestrahlt. Man war also unter sich, es konnte nichts Schlimmes passieren. Als der Filmemacher munter aus dem Nähkästchen plauderte, wie er durch die Wahl der Perspektiven dafür sorgt, dass schöne Bilder nicht durch grässliche Bauwerke verunstaltet werden, wäre jeder nicht in der Wolle grün gefärbte Journalist selbstredend auf den Dreh gekommen, diesen Mann mal nach seinen Erfahrungen mit deutschen Windradwüsteneien zu befragen. Wenn es nämlich etwas gibt, das Kameraleute oft zum Wahnsinn treibt, dann sind es die wild daddelnden Rotorenfelder, die fast jede Totale und beinahe jeden Schwenk über einstmals freie Landschaften versauen. Knapp 186 Meter hoch sind die Monster der neuesten Generation, 29 Meter höher als der Kölner Dom.

Jeder Filmer, der Lokalkolorit für TV-Sendungen wie die NDR-„Landpartie“ herzustellen hat, kennt dieses Problem. Üblicherweise behilft er sich mit Tricks. Auf die Nase eines Interviewten, der zum Beispiel auf dem Deich posiert, wird die Kamera punktscharf gestellt. Dadurch liegen die Windradmassen drumherum im Unschärfebereich et cetera. Selbst ein Praktikant käme sofort auf das Windradthema, ginge es um Landschaftsaufnahmen.

Und worüber unterhielten sich unsere beiden Profis im Öffentlich-Rechtlichen? Von „Strommasten“ war da die Rede, welche zuweilen die Ästhetik stören würden, auch von „Telegrafenleitungen“, irgendwie ein Wort aus dem letzten Jahrhundert. Sogar „Biogasanlagen“ wurden als Beispiele für das kameratechnisch zu Vermeidende erwähnt. Diese Anlagen vergiften zwar Gewässer und machen die Artenvielfalt kaputt, ragen aber nicht erwähnenswert in den Himmel – jedes normale Futtersilo ist höher.

Bloß das Wörtchen „Windrad“ fiel nicht ein einziges Mal. Ausgerechnet das W-Wort wurde gemieden, als handele es sich um etwas aus dem untersten Regal eines Pornoshops. Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um da volle und gemeinschaftliche Absicht zu wittern. Es ist halt immer Verlass auf die „Öffis“, wenn’s um das Wohl des ökologisch-industriellen Komplexes geht.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Achse de Guten.


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