02. Mai 2014

Wirtschaftskrise Sozialismus und Monetarismus zu Ende gedacht

So etwas wie ein Essen umsonst gibt es nicht

Die Standardbegründung der EZB und der amerikanischen Notenbank Fed für ihre geldpolitischen „Impulse“ ist die Entwicklung der Weltwirtschaftskrise 1929 und in den Folgejahren. Die Weltwirtschaftskrise wird dort mit einem plötzlichen Einbruch der Gesamtnachfrage in den großen Volkswirtschaften begründet und/oder mit einem Mangel an Geldversorgung.

Deshalb rufen die Linken und die Gewerkschaften nicht nur am 1. Mai nach höheren Lohnabschlüssen, um die Nachfrage nach Autos und Kühlschränken zu verbessern. Besser ist es, wenn alte Autos und Kühlschränke verschrottet und neue gekauft werden. Die Abwrackprämie der Großen Koalition (2005 bis 2009) ist dafür ein gutes Beispiel. In solchen Phasen des starken Wirtschaftseinbruchs, wie wir ihn 2008/2009 erlebt haben, kommen solche Vorschläge dankbar an. Doch sie sind großer Unsinn. Etwas, das funktioniert und ohne finanzielle Anreize als gut empfunden wird, zu verschrotten, kann nicht sinnvoll sein. Wenn man dies zu Ende denkt, wäre es ja eigentlich besser, wenn die alten Kühlschränke und Autos nicht verschrottet werden müssen, sondern neue Autos und Kühlschränke einfach vom Staat verschenkt würden. Denn dann könnten die Nachfrager mit ihrem verbliebenen Geld noch weitere Güter wie Waschmaschinen und Rasenmäher kaufen. Anschließend entstehen Arbeitsplätze, es sprudeln die Steuereinnahmen und die Sozialkassen jubeln. Kurz: Die vom Staat verschenkten Kühlschränke und Autos finanzieren sich selbst. Aber warum nur Autos und Kühlschränke? Besser wäre es doch, wenn alles frei wäre und jeder das bekommen könnte, was er gerade will. Es finanziert sich ja von selbst. Erst das würde die Nachfrage so richtig ankurbeln, und wir wären alle Probleme los. Alle hätten dann Arbeit, weil genügend konsumiert wird. Das wären dann paradiesische Zustände.

Und wenn man – wie die Monetaristen – meint, es sei eine Frage des Geldangebots, also dass nicht genügend Kredite an Unternehmen und Bürger ausgereicht würden, dann ist die derzeitige faktische Nullzinspolitik der Notenbanken ebenfalls inkonsequent. Viel besser wäre es doch in dieser schwierigen Situation, wenn die Notenbanken die Geschäftsbanken verpflichten würden, die Kredite umsonst herauszugeben oder noch besser: Die Notenbanken vergeben die Kredite direkt und kostenlos an die Unternehmen und Bürger.

Und wenn man es zu Ende denkt, müsste der Kredit auch nicht zurückgezahlt werden, denn dann könnten die Investitionen maximiert und unendlich fortgeführt werden. Das wären dann nochmals paradiesische Zustände.

Mein sozialistischer Vorschlag wäre also: Wir machen einfach beides. Der Staat verschenkt Autos und Kühlschränke, und die Notenbanken drucken Geld, um Kredite direkt an Unternehmen vergeben zu können. Dann könnten diese noch mehr Kühlschränke, Autos  und andere Güter herstellen. Ach, wäre das schön!

Oder doch nicht?! Es ist nämlich der Weg in eine Wirtschaft, in der kreditfinanzierte Staatstätigkeit keine Rückkopplung an die Wirklichkeit mehr hat. Doch Geld ohne Zins führt zu Investitionen ohne Ersparnis. Es bliebe nicht bei Blasen im Immobiliensektor. Die investiven Verzerrungen aus dem Kreditsektor pflanzten sich in alle anderen Bereiche der Wirtschaft fort. Die Fehlinvestitionen würden die ganze Wirtschaftsstruktur zerrütten. Das Ausmaß der Verzerrungen einer in wesentlichen Bereichen nicht mehr an das Vorhandensein von knappem Kapital gebundenen Wirtschaft wäre katastrophal. Eine Wirtschaft, die nicht mehr auf dem Sparvorgang beruht, verliert daher ihre kapitalistischen Merkmale.

Der Hayek-Schüler und Autor Roland Baader hat die Entstehung der Weltwirtschaftskrise 1929 in seinem Buch „Geldsozialismus“ ganz anders begründet: „Nach einem deutlichen Einbruch der US-Wirtschaft im Jahr 1924 schufen die Banken des Fed-Systems um die 500 Millionen Dollar an neuen Krediten, welche im Gesamtbankensystem eine Kreditexpansion von über vier Milliarden Dollar innerhalb weniger Monate auslösten. Während die unmittelbaren Wirkungen dieser Injektion an Geld und Kredit anfänglich wohltuend waren und den Abschwung von 1924 ausbügelten, war das Endergebnis verheerend. Es war nämlich der Beginn einer Geldpolitik, die konsequent zum Börsencrash von 1929 und der nachfolgenden Depression führte.“ Welche verheerende Konsequenz eine falsche Analyse hat, sollten sich deshalb die Geldpropheten um EZB-Präsident Mario Draghi und Fed-Präsidentin Janet Yellen ins Stammbuch schreiben.

Immerhin wusste auch der Monetarist Milton Friedman, welche Konsequenz dies alles hat. Er sagte: „There ain't no such thing as a free lunch.“ – „So etwas wie ein Essen umsonst gibt es nicht.”


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