06. Mai 2014

Völkerrecht Tirade zum eingehegten Krieg

Die Sieger von Versailles haben lieber in Völkerrecht und Kriegsverbrechen gemacht

Die Subjekte des Völkerrechts sind erstaunlicherweise nicht die Völker, sondern die Staaten, also die den Staat besitzenden Einheitsparteien. Der einzige direkte oder indirekte Gegenstand des Völkerrechts ist der Krieg, auch Konfliktfall genannt, in seinen Vorstufen. Die friedlichen Subjekte haben ein Interesse an papierenen Schönwetter-Vereinbarungen, um die Objekte, ihre Völker, vor, in und nach Kriegen durch Propaganda von sich, den verantwortlich Handelnden, ablenken zu können.

Propagandisten und Subjekte des Völkerrechts erkennen sich gegenseitig zuverlässig am Gähnen, wenn ihr Thema aufkommt beziehungsweise an einer auf tragisch-besorgt zurechtgerückten Mimik, falls eine Kamera in der Nähe zu vermuten ist; natürlich nur, sofern sie sich im Falle eines immer angezettelten, völkerrechtlich immer verbotenen Angriffskrieges rechtzeitig in eine unbetroffene ferne Heimat, vorzugsweise auf eine Insel, am besten einen eigenen Kontinent, oder ins neutrale Ausland absetzen können. Völkerrecht erschöpft sich demzufolge in der Umbenennung aller Beteiligten in Verteidiger, nach dem Modell der Kriegsminister.

Das Völkerrecht hat nicht die Ermordung drei Millionen sowjetischer Kriegsgefangener in Deutschland verhindert, nicht die mindestens gleichhohe Mordlast, die auf den Sowjets lastet. Auch neuerdings nicht die von Mitterands französischem Schreibtisch aus unterstützte, ermöglichte und kontrollierte Ermordung von einer Million Tutsis 1994 in Ruanda, nicht die anschließend im Nachbarland Kongo ermordeten sechs Millionen in der direkten Folge des Ruanda-Genozids, alles unter tatkräftiger Tatenlosigkeit der UNO, geführt durch zwei Generalsekretäre vom afrikanischen Kontinent. Um von den zahllosen völkerrechtswidrigen Kriegen allein des Westens nach 1945, einschließlich den von deutschen Sozialdemokraten und Grünen zu verantwortenden, zu schweigen, sei wenigstens unsere Allzweckwaffe Zensursula erwähnt, die uns gerade, während wir noch irgendeine Freiheitlichkeit am Hindukusch verteidigen und in der Ukraine zündeln, zu einer Unterstützung der Franzosen in einem ihrer ökonomisch und politisch EU-gedeckten Afrika-Abenteuer drängt.

Die Frage lautet also, wo und wie hat das Völkerrecht Völkern jemals genutzt, anstatt in Sicherheit wiegende Illusionen zu verbreiten?

Ein einziger Hinweis von Clausewitz, den jeder seriös ausgebildete Militär kennt und den zu kennen sich mehr lohnt, als das gesamte Völkerrecht, lautet sinngemäß: Wenn der Krieg unvermeidlich ist, so ist er nicht ewig, und wenn er nicht ewig ist, wie kann der Krieg so geführt werden, daß die Feinde danach wieder miteinander reden, verhandeln und handeln, wenn sie es schon nicht gleich, anstelle des Krieges können? Das war lange vor Versailles bekannt, und es ist lange nach Versailles noch unbekannt, weil die Sieger von Versailles lieber in Völkerrecht und Kriegsverbrechen gemacht haben, weil sie unbelehrt weiterzündeln und hetzen.


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