12. Mai 2014

Propaganda Braune Wäsche mit Ariel

Und die Kanzlerin schaut weg

Fast hätten die Neonazis einen großen Coup gelandet. Aber die Wachsamkeit der Zivilgesellschaft konnte dies gerade noch verhindern. Vergangene Woche meldeten Medien, dass der Konsumgüterkonzern Procter & Gamble sein Waschmittel Ariel mit der dick aufgedruckten Zahl 88 vermarktet; auf einer Packung, die grafisch wie ein Fußballertrikot gestaltet ist. Angeblich bloß der Hinweis, statt wie üblich für 83 Waschgänge reiche das Pulver nunmehr für fünf Gänge mehr. In Wahrheit hatte sich natürlich eine Glatze bei P & G eingeschlichen, um Nazipropaganda waschsalonfähig zu machen. Denn die „88“ steht bei den Braunen für Heil Hitler, weil das H der achte Buchstabe im Alphabet ist. 88 = HH = Heil Hitler. Ganz schön perfide, die Nummer, oder?

Deutschlands Antifa war alarmiert. Der Branchendienst „Meedia“ zeigte sich entsetzt („Das ging mal richtig nach hinten los“). Ebenso „das Netz“, welches wie üblich empört twitterte und shitterte. Kleinlaut gelobte P & G, die 88er-Packung aus dem Verkehr zu ziehen.

Nun wissen Rechtsextremismusforscher schon seit 1968, dem Jahr der Ariel-Einführung: Ariel sollte von Anbeginn die Assoziation zu „Arier“ herstellen. Der Slogan „Ariel zum Reinweichen“ sowie Klementines langjähriges, penetrantes Insistieren auf den Unterschied zwischen „sauber“ und „rein“, was war das anderes als die kaum verhüllte Mahnung, sauber zu bleiben und das deutsche Blut unbedingt arisch rein zu halten? Was sich besonders an die durch Negermusik, Drogen und Rudelbumsen verdorbenen Achtundsechziger richtete. Und wenn Klementine in ihrer Waschküche forsch „Ariel in den Hauptwaschgang!“ krähte, klang das nicht immer irgendwie nach „Hauptsturmführer“?

Bereits zwei Jahre zuvor, im Jahr der größten NPD-Wahlerfolge, hatte der Kryptonazi-Belieferer Henkel seinen „Weißen Riesen“ auf den Markt gebracht, ein klares Propagandastatement für die Überlegenheit der weißen Rasse („White Supremacy“). Und wer sich mal Meister Proper genau anschaut (seit 1967 auf dem deutschen Markt, ebenfalls von P & G), erkennt hinter seinem leutseligen Lächeln die Fratze des SA-Erben, der beim geringsten Anlass brutal zuschlägt.

Die Codes der Braunen, mitten in der Gesellschaft! Und die Kanzlerin schaut weg.

Ich verrate Ihnen etwas exklusives: Wenn Sie den Text am Ende mancher Ariel-Werbespots (beginnt mit „Testen auch Sie…“) rückwärts und mit 20,4 Umdrehungen pro Sekunde laufen lassen, hören Sie…na, erraten? Genau: Sie hören Hitlers berühmtes Diktum aus „Mein Kampf“, welches wie folgt lautet: „Die Aufnahmefähigkeit der großen Masse ist nur sehr beschränkt, das Verständnis klein, dafür jedoch die Vergesslichkeit groß. Aus diesen Tatsachen heraus hat sich jede wirkungsvolle Propaganda auf nur sehr wenige Punkte zu beschränken und diese schlagwortartig so lange zu verwenden, bis auch bestimmt der Letzte unter einem solchen Worte das Gewollte sich vorzustellen vermag.“

Die Saat des „Führers” ist aufgegangen. Schäm’ dich, Ariel.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Achse des Guten.


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