12. Mai 2014

Moral Gute Menschen, schlechte Menschen

Die wahre Krise geht gerade erst los

Sind diese Zeiten nicht herrlich einfach? Wir müssen uns die Menschen gar nicht mehr genauer ansehen und uns mit Ihnen beschäftigen, um sie kennenzulernen und uns eine Meinung über sie bilden zu können. Wir müssen nicht mehr mit ihnen reden, um herauszufinden, wie sie ihr Leben meistern. Wir müssen uns keine Mühe mehr geben und ihnen zuhören, um ihre persönlichen Beweggründe für ihr Tun oder Unterlassen zu erfahren. Wir müssen uns nicht mehr eingestehen, wie falsch wir bisweilen mit unserer Beurteilung von Menschen liegen. Wir müssen uns auch überhaupt nicht mehr so viel unterhalten, schließlich könnten ja Dinge ans Tageslicht kommen, die uns in unserem Weltbild-Schubladen-Denken stören.

Es geht heute einfach alles viel schneller und einfacher und die, die uns wie Marionetten durch die Gegend scheuchen, kommen aus dem Lachen gar nicht mehr heraus. Ich muss leider feststellen, dass der Großteil der Menschen gerade hier in Deutschland es sich anscheinend gern gefallen lässt, dass man sie wie Idioten behandelt. Die, die nach oder kurz vor dem Ende des zweiten Weltkrieges geboren wurden, haben in meist friedlichen Zeiten gelebt. Sie sind in einem System groß geworden, in dem es scheinbar immer nur aufwärts ging. Es wurde jahrzehntelang nicht danach gefragt, wie das alles finanziert wird, sondern wir haben uns die Meinung angeeignet, dass uns alles „zusteht“!

Wo kommt diese Annahme her? Nun kann man sicher argumentieren, dass nach dem Krieg dem Wohlstand durch viel Arbeit und Verzicht der Weg bereitet wurde. Diese Tatsache steht ja auch außer Frage, nur ist der Krieg ja nun schon mal ein paar Tage vorbei. Wo kommt es also her, dass wir glauben, wir hätten auf alles einen automatischen Anspruch, egal, ob dies wirtschaftlich darstellbar ist oder nicht?

Dieses Anspruchsdenken hat zu einer inzwischen fast unerträglichen Moralarroganz geführt, die dazu führt, dass einige meinen, über andere Menschen Gericht sitzen zu dürfen. Wir können es uns fast gar nicht mehr vorstellen, wie es ist, wenn „Vater Staat“ nicht in jeden Winkel unseres Lebens Einblick hat. Wie es ist, ein selbstbestimmtes Leben in Würde zu führen. Wie unser Leben aussehen würde, wenn wir nicht für den Ernstfall die Sicherheit der lebenslangen Verköstigung bei gleichzeitiger Aufgabe der Eigenständigkeit hätten. Wir gestehen uns nicht ein, dass der Staat ein sehr großes Interesse daran hat, das wir scheitern. Mit dem Makel unseres Versagens, den wir uns nur allzu gern auferlegen, hat er dann ein ewiges Recht, uns die Freiheit zu beschneiden.

Jeder, der nicht in das inzwischen an Absurditäten kaum noch zu überbietende Schema der „political correctness“ fällt, ist automatisch verdächtig, unheimlich und merkwürdig. Wir sind inzwischen eine sehr leichte Beute für die Regierungen. Wir übernehmen frag- und klaglos deren Schemata und lassen uns in einer Weise und in deren Sinne lenken, dass es einem angst und bange werden kann.

Zeichnet es wirklich als einen schlechten Menschen aus, wenn man sein eigenes Geld dem steuerlichen Zugriff entzieht oder sind wir eigentlich nur sauer, weil wir diese Möglichkeiten nicht haben? Ist es in Ordnung, wenn der Staat auf unser verdientes Geld einfach seine Hand legt und es für Dinge zum Fenster herauswirft, die weder Sinn noch Verstand haben? Ist es wirklich in Ordnung, wenn Guthaben ab 100.000 Euro der Enteignung unterworfen werfen, nur weil man unterstellt, hier wären „Reiche“ betroffen?

Sind wir moralisch schon so verroht, dass „Reiche“ andere Rechte als „Arme“ haben und dies auch noch unterstützen? Sind wir wirklich der Meinung, wir werden dauerhaft verschont, wenn wir zusehen, wie Eigentumsrechte völlig ignoriert werden? Sind wir so schadenfroh, dass wir uns freuen, wenn es „die Anderen“ trifft? Sicherlich kann ein „Reicher“ solche Einschnitte besser verkraften als ein armer Mensch. Aber haben diese Pseudo-Gutmenschen eigentlich einen Plan, was passieren soll, wenn es keine „Reichen“ mehr gibt? Wer soll denn dann für die Versprechungen der Regierungen einstehen? Die Regierungen haben kein eigenes Geld, wo soll es also herkommen? Es geht um die Missachtung von Recht und hier kann man keinen Unterschied zwischen „Reich“ und „Arm“ machen.

Zudem ist es eine unfassbar dumme Unterstellung, dass alle „Reichen“ auf unlauteren Wegen zu ihrem Geld gekommen sind. Die, die das getan haben, müssen bestraft werden, dafür gibt es Gesetze. Wenn ein reicher Mensch gesetzestreu vermögend geworden ist, hat nicht irgendein Politiker das Recht, ihm dies wegzunehmen. Selbst wenn er nicht auf „rechtem Weg“ zu seinem Wohlstand gelangt ist, ist es die Aufgabe der Justiz, hier für Abhilfe zu sorgen, und nicht Aufgabe der Politik.

Politiker sollen Politik machen. Weil sie das aber nicht können, müssen sie sich anders profilieren. Wenn in Zukunft jeder Hinterhof-Politiker entscheiden darf, wem und wie viel Vermögen zustehen darf und wem nicht, dann aber gute Nacht. Wo ist dann noch der Sinn des Sparens, des akuten Verzichtens?

Wer arm und gescheitert ist, ist ein guter Mensch. Er muss es sein! Die Armen sind immer, absolut immer ohne eigene Schuld in ihre Misere geraten. Wogegen die Reichen immer, absolut immer nur durch krumme Geschäfte und Ausbeuterei zu ihrem Wohlstand gelangt sind! Schublade auf, Mensch rein, Schublade wieder zu!

Dem Privatsektor wird mehr und mehr Freiheit entzogen; wir entwickeln uns in atemberaubendem Tempo in eine Gesellschaft von willenlosen, rückgratlosen und freiheitsverachtenden Hinterherläufern, die der Verdummung durch Politiker ungefragt Folge leisten. Wir glauben doch nicht im Ernst, dass der Fall Zypern ein Einzelfall bleiben wird – Zypern war erst der Anfang. Regierungen schikanieren und maßregeln Menschen, saugen sie mittels Besteuerung aus (nach der Europawahl geht´s erst richtig los), kleine Unternehmen werden überreguliert und die großen mit Subventionen zugeschüttet. Bei all dem geht unsere Freiheit verloren und das unwiderruflich.

Die wahre Krise geht gerade erst los! Und diese Krise lässt sich weder mit Geld noch mit schönen Worten lösen!

Dieser Artikel erschien zuerst auf Café Liberté.


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